Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Alastair Crooke Headshot

Eine Sache müssen Sie wissen, um den IS-Terror zu verstehen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

2015-11-12-1447332656-6784274-Facebook2.jpg

BEIRUT - Das dramatische Auftreten der Da'ish (so nennen ISIS-Gegner vor allem in Syrien die Organisation) im Irak hat in westlichen Ländern viele schockiert. Viele sind ratlos - und entsetzt - von der Gewalt und davon, dass die sunnitische Jugend offenbar fasziniert ist von den ISIS-Kämpfern. Aber vor allem sind sie auch verwirrt angesichts der ambivalenten Haltung Saudi-Arabiens und fragen sich: "Verstehen die Saudis nicht, dass ISIS auch sie bedroht?"

Es scheint, als sei die saudische Führungselite gespalten. Manche begrüßen, dass die ISIS-Milizen das Feuer der iranischen Schiiten mit sunnitischem Feuer bekämpfen; dass ein neuer sunnitischer Staat langsam Form annimmt, und zwar genau in der Region, die sie als das Erbe der historischen Sunniten betrachten. Und sie fühlen sich angezogen von der strikten salafistischen Ideologie der ISIS-Kämpfer.

Andere Saudis haben mehr Angst und erinnern sich an den Aufstand der wahhabitischen Ichwan gegen König Abd-al Aziz, ), der in den späten 1920er-Jahren beinahe für den Zusammenbruch des Wahhabismus und der Dynastie der Saud gesorgt hätte. (Anmerkung: Diese Ichwan haben nichts mit der muslimischen Bruderschaft gleichen Namens zu tun. Jede Erwähnung in diesem Text bezieht sich auf die Ichwan, die für das Aufleben des Wahhabismus eintraten)

Viele Saudis sind zutiefst verunsichert angesichts der radikalen ISIS-Doktrin - und fangen an, den Kurs Saudi-Arabiens zu hinterfragen.

DIE SAUDISCHE DUALITÄT

Die Uneinigkeit und inneren Spannungen in Saudi-Arabien bezüglich ISIS kann man nur begreifen, wenn man die lange bestehende (und andauernde) Dualität versteht, die im Königreich und in seinen historischen Wurzeln tief verankert ist.

Eine Linie der saudischen Identität geht auf den Geistlichen Mohammad Ibn 'Abd al-Wahhab (den Begründer des Wahhabismus) zurück und darauf, wie Emir Ibn Saud dessen radikalen, exklusiven Puritanismus unterstützte. (Letzterer war damals nicht mehr als ein kleiner Beduinenfürst unter vielen, die sich ständig in der brütend heißen und bitter armen innerarabischen Wüste Nadschd bekriegten.)

Die zweite Linie dieser verwirrenden Dualität führt zu König Abd-al Aziz. Er war der erste König des modernen Saudi-Arabien, der das Land ab den 1920er Jahren in die Eigenstaatlichkeit führte, der Gewalt der Ichwan Einhalt gebot (um gegenüber den USA und Großbritannien auf dem diplomatischen Parkett als Nationalstaat auftreten zu können) und die ursprünglichen wahhabitischen Einflüsse institutionalisierte. In den den 1970ern schließlich drehte das Königshaus den reichlich sprudelnden Petrodollar-Hahn zu, um die Einkünfte aus dem volatilen Inlandsmarkt in einen stabileren Exportmarkt zu lenken - und stieß so eine kulturelle statt einer gewaltsamen Revolution in der muslimischen Welt an.


Diese „Kultur-Revolution" war aber kein frommer Reformismus. Es war eine Revolution, die auf Abd al-Wahhabs ausgeprägtem Hass auf das Abweichlertum fußte, das der Geistliche einst um sich herum wahrgenommen hatte - daher auch sein Aufruf, den Islam von allen Ketzereien und Götzendiensten zu befreien.

MUSLIMISCHE HEUCHLER

Der amerikanische Autor und Journalist Steven Coll hat darüber geschrieben, wie dieser strenge und kritikfreudige Schüler des Gelehrten Ibn Taymijah aus dem 14. Jahrhundert, Abd al-Wahhab, „den schicklichen, affigen, rauchenden, Haschisch konsumierenden, Trommel schlagenden ägyptischen und osmanischen Adel, der durch Arabien reist, um in Mekka zu beten", verachtete.

Nach Abd al-Wahhabs Definition waren sie keine Muslime, sondern als Muslime verkleidete Hochstapler. Allerdings fand er auch das Verhalten der lokalen arabischen Beduinen nicht besser. Sie reizten Abd al-Wahhab durch ihre Heiligenverehrung, durch das Errichten von Grabmählern und ihren „Aberglauben" (etwa das Verehren von Gräbern oder Orten, in der sie eine besondere Präsenz des Göttlichen spürten).

All dies brandmarkte Abd al-Wahhab als bida - von Gott verboten.

Wie schon Taymijah vor ihm glaubte Abd al-Wahhab, dass die Zeit, in der der Prophet Mohammed in Medina gewesen war, das Idealbild einer muslimischen Gesellschaft verkörperte (das „beste aller Zeiten"), und dass alle Muslime versuchen sollten, dieses Ideal nachzuahmen (das im Wesentlichen ist Salafismus).

Taymijah hatte dem Schiismus, Sufismus und der Griechischen Philosophie den Krieg erklärt. Er sprach sich auch dagegen aus, das Grab des Propheten zu besuchen und seinen Geburtstag zu feiern, mit der Begründung, dass das eine pure Imitation der christlichen Gottesanbetung (sprich Götzendienst) repräsentiere. Abd al-Wahhab nahm all diese früheren Lehren an und legte fest, dass „jegliches Zweifeln oder Zögern" seitens eines Gläubigen an dieser speziellen Interpretation des Islam „einem Menschen die Sicherheit seines Besitzes und seines Lebens nehmen" würde.

Einer der Hauptlehrsätze von Abd al-Wahhab wurde zur Schlüsselidee von takfir . Nach dieser Doktrin konnten Abd al-Wahhab und seine Anhänger über andere Muslime aus Ungläubige bezeichnen, wenn sie sich auf Aktivitäten einließen, die irgendwie die absolute Autorität beeinträchtigen - also die des Königs.

Abd al-Wahhab verurteilte alle Muslime, die Tote, Heilige oder Engel verehrten. Er war der Meinung, dass solche Gefühle ablenkten von der kompletten Unterwerfung, die man gegenüber Gott, und zwar nur Gott, empfinden sollte.

Der wahhabitische Islam verbietet demzufolge alle Gebete zu Heiligen oder verstorbenen Angehörigen, Pilgerfahrten zu Gräbern und speziellen Moscheen, religiöse Feste zur Feier von Heiligen, das Ehren des Geburtstags des Propheten Mohammed und selbst den Gebrauch von Grabsteinen, wenn Tote begraben werden.


"Diejenigen, die dem nicht zustimmten, sollten getötet werden, ihre Frauen und Töchter vergewaltigt und ihr Besitz konfisziert werden, schrieb er."

Abd al-Wahhab verlangte Konformität - eine, die physisch und greifbar gezeigt werden sollte. Er vertrat die Auffassung, dass alle Muslime sich zu Gehorsam gegenüber einem einzigen muslimischen Führer verpflichten sollen (einem Kalifen, falls es einen geben sollte). Diejenigen, die dem nicht zustimmten, sollten getötet werden, ihre Frauen und Töchter vergewaltigt und ihr Besitz konfisziert werden, schrieb er. Die Liste der Abtrünnigen, die den Tod verdienten, umfasste Schiiten, Sufis und andere muslimische Gruppierungen, die Abd al-Wahhab für nicht muslimisch hielt.

Es gibt bis hierhin nichts, das den Wahhabismus von ISIS unterscheidet.

Die Kluft könnte erst durch Folgendes offenbar werden: durch die Institutionalisierung von Mohammad Ibn Abd al-Wahhabs Doktrin "ein Herrscher, eine Autorität, eine Moschee". Denn diese drei Säulen beziehen sich in der Regel auf den saudischen König, die absolute Autorität des offiziellen Wahhabismus und seiner Kontrolle über „das Wort" (also die Moschee).

Diese Kluft - also die Ablehnung der drei Säulen, auf der die gesamte sunnitische Autorität aktuell beruht - macht ISIS zu einer großen Bedrohung für Saudi-Arabien, trotz aller Übereinstimmung im Wahhabismus.

KURZE GESCHICHTE 1741-1818

Abd al-Wahhabs Eintreten für diese ultra-radikalen Werte bescherte ihm die Vertreibung aus seiner Stadt.

1741 fand er schließlich Zuflucht unter dem Schutz von Ibn Saud und dessen Stamm. Ibn Saud sah in Abd al-Wahhabs neuer Lehre ein Mittel, um die arabische Tradition und Konvention zu stürzen. Es war der Weg an die Macht.

Ihre Strategie - wie die von ISIS heute - war es, die Völker, die sie erobert hatten, zu unterwerfen. Sie wollten Angst schüren."

Der Clan von Ibn Saud konnte, unter Berufung auf Abd al-Wahhabs Doktrin, jetzt tun, was er schon immer getan hatte: benachbarte Dörfer überfallen und sie ausrauben. Allerdings machten sie es jetzt nicht innerhalb der Grenzen der arabischen Tradition, sondern unter der Fahne des Dschihad. Ibn Saud und Abd al-Wahhab führten zudem die Idee des Märtyrertods im Namen des Dschihad wieder ein, nach dem Märtyrer sofort Einzug ins Paradies halten.

Anfangs eroberten sie nur ein paar kleine Dörfer und stellten sie unter ihre Herrschaft. (Die Eroberten mussten sich entscheiden: entweder konvertierten sie zum Wahhabismus oder mussten sterben.) Um 1790 kontrollierte die Allianz einen Großteil der arabischen Halbinsel und überfiel mehrmals Medina, Syrien und den Irak.

Ihre Strategie war es, wie die von ISIS heute, die Völker, die sie erobert hatten, zu unterwerfen. Sie wollten Angst schüren.

Im Jahr 1801 griff die Allianz die Heilige Stadt Karbala im Irak an. Sie massakrierten Tausende Schiiten, darunter auch Frauen und Kinder. Sie zerstörten viele schiitische Schreine, unter anderem den Schrein des Imam Hussein, des ermordeten Enkel des Propheten Mohammed.

Der britische Offizier Lieutenant Francis Warden beobachtete die Situation damals und schrieb: "Sie brandschatzten sie ( die Karbala ) vollständig und plünderten die Grabstätte von Hussein ... über den Tag ermordeten sie mit besonderer Grausamkeit über 5000 der Einwohner ..."

Osman Ibn Bischr Najdi, Historiker des ersten saudischen Staates, schrieb, dass Ibn Saud 1801 ein Massaker in Karbala anrichtete. Er dokumentierte das Massaker wie folgt: "Wir nahmen Karbala ein, schlachteten dessen Einwohner oder nahmen die Menschen (als Sklaven), denn Lob sei Allah, dem Herrn der Welten, und wir entschuldigten uns nicht dafür und sagen: 'Dieselbe Behandlung für alle Ungläubigen.'"

1803 kam Abdul Aziz in die Heilige Stadt Mekka, das zwischenzeitlich unter dem Terror und der Panik kapituliert hatte (dasselbe Schicksal sollte Medina auch ereilen). Abd al-Wahhabs Anhänger zerstörten historische Monumente und sämtliche Gräber und Schreine in deren Mitte. Am Ende hatten sie Jahrhunderte alte islamische Architektur nahe der großen Moschee zerstört.

Aber im November 1803 brachte ein schiitischer Attentäter König Abdul Aziz um - als Rache für das Massaker von Karbala. Sein Sohn, Saud bin Abd al-Aziz, wurde zu dessen Nachfolger und führte die Eroberung Arabiens fort.

Osmanische Herrscher konnten sich nun nicht mehr länger zurücklehnen und dabei zusehen, wie ihr Reich Sück für Stück zerlegt wurde. Im Jahr 1812 vertrieb die osmanische Armee, die sich aus Ägyptern zusammensetzte, die Allianz aus Medina, Dschidda und Mekka.

Im Jahr 1814 starb Saud bin Abd al-Aziz an einem Fieber. Sein unglücksseliger Sohn Abdullah bin Saud wurde von den Osmanen nach Israel verschleppt, wo er grausam hingerichtet wurde (ein Gast berichtete gesehen zu haben, dass er drei Tage lang in den Straßen gedemütigt wurde und dann gehängt und geköpft wurde und sein abgetrennter Kopf durch eine Kanone gefeuert wurde und sein Herz herausgeschnitten wurde und auf seinem Körper aufgespießt wurde).

Im Jahr 1815 wurden die wahhabitischen Kräfte in einem entscheidenden Kampf von den Ägyptern zerschlagen, und zwar im Auftrag der Osmanen. 1818 nahmen die Osmanen die wahhabitische Hauptstadt Darijah ein. Der erste saudische Staat war ausgelöscht.

Die wenigen verbliebenen Wahhabiten zogen sich in die Wüste zurück, um sich zu sammeln. Dort blieben sie, ruhig für den Rest des 19. Jahrhunderts.

DIE GESCHICHTE WIEDERHOLT SICH MIT ISIS

Es ist nicht schwer zu verstehen, wie die Gründung des Islamischen Staates durch ISIS im zeitgenössischen Irak bei denen auf Resonanz trifft, die sich an diese Geschichte erinnern.

Der Wahhabismus des 18. Jahrhunderts ist nicht in der Wüste verschwunden, sondern mit Furore zurück ins Leben gekommen, als das Osmanische Reich im Chaos des Zweiten Weltkriegs zusammenbrach.

Das Haus Al-Saud wurde - in dieser Renaissance des 20. Jahrhunderts - vom lakonischen und politisch gerissenen Abd-al Aziz geführt, der die zerstrittenen Beduinenstämme vereinte und den saudischen „Ichwan" im Geist Abd-al Wahhabs und Ibn Sauds ins Leben rief.

Ichwan war eine Reinkarnation der frühen, gewalttätigen, teils unabhängigen avantgardistischen Bewegung von pflichtbewussten, bewaffneten, wahhabitischen „Moralisten", die in den frühen 1800ern Arabien fast erfolgreich an sich gerissen hätten.

Genau wie vorher nahmen die Ichwan zwischen 1914 und 1926 wieder erfolgreich Mekka, Medina, Dscheddah ein. Abd al-Aziz jedenfalls begann zu spüren, dass seine Interessen durch den revolutionären „Jakobinismus" der Ichwan bedroht waren. Die Revolte der Ichwan führte zu einem Bürgerkrieg, der bis 1930 dauerte, bis der König sie ausschaltete: Er ließ sie alle erschießen.

Durch diesen König (Abd-al Aziz) verschwanden die einfachen Wahrheiten früherer Jahrzehnte. Es wurde Öl auf der Halbinsel entdeckt. Großbritannien und Amerika umwarben Abd-al Aziz, aber neigten noch immer dazu Sharif Husain als den einzig legitimen Herrscher von Arabien zu unterstützen. Die Saudis mussten eine kultiviertere diplomatische Haltung entwickeln.

Also wurde der Wahhabismus gewaltsam verändert, von einer Bewegung des revolutionären Dschihad und der theologischen takfirischen Reinhaltung zu einer Bewegung des konservativ sozialen, politischen, theologischen und religiösen da'wa (Islamischen Rufes) - und zu einer Rechtfertigung für die Loyalität gegenüber der saudischen Königsfamilie und der absoluten Macht des Königs.

DER ÖLREICHTUM VERBREITETE DEN WAHHABISMUS

Mit dem Aufkommen der Öl-Gewinne wurde das Ziel der Saudis, wie der französische Gelehrte Giles Kepel schreibt, den Wahhabismus über die muslimische Welt zu verbreiten ... den Islam zu wahhabisieren, um so die Vielzahl der Stimmen in der Religion auf einziges Glaubensbekenntnis zu reduziere, Ziel war eine Bewegung, die nationale Teilungen überwinden würde. Milliarden von Dollars wurden - und werden noch immer - investiert in diese Manifestierung von Soft Power.

Es war dieser berauschende Mix - der Mix aus milliardenschwerem Machtausbau und dem Willen der Saudis, den sunnitischen Islam so zu gestalten, dass er den Interessen der Amerikanern entgegenkam, und gleichzeitig den Wahhabismus in Bildung, Sozialleben und Kultur islamischer Länder zu verankern - der dazu führte, dass die westliche Politik abhängig wurde von Saudi-Arabien. Diese Abhängigkeit besteht seit dem Treffen von Abd al-Aziz mit Roosevelt auf einem US-Kriegsschiff (auf dem der Präsident von einer Konferenz in Jalta zurückfuhr) bis heute.

Der Westen schaute auf das Königreich und sein Blick fiel auf Wohlstand; auf scheinbare Modernisierung; auf die vermeintliche Führung der islamischen Welt. Er glaubte, dass das Königreich sich den Gepflogenheiten des modernen Lebens anpassen würde - und dass auch die Verwaltung des sunnitischen Islams das Königreich zum modernen Leben zwingen würde.

„Auf der einen Seite ist ISIS zutiefst wahhabitisch. Auf der anderen Seite anders ultraradikal. Man könnte ISIS als Korrektiv zum kontemporären Wahhabismus sehen."

Aber die saudische, ichwanische Herangehensweise an den Islam ist nicht in den 1930ern ausgestorben. Sie zog sich zurück, aber schaffte es, einige Teile des Systems im Griff zu behalten - sodass wir diese Dualität heute in der Haltung der Saudis gegenüber ISIS beobachten können.

Auf der einen Seite ist ISIS zutiefst wahhabitisch. Auf der anderen Seite anders ultraradika. Man könnte ISIS im Kern als Korrektiv zum kontemporären Wahhabismus sehen.

ISIS ist eine „post-Medina" Bewegung: ISIS betrachtet die Taten der ersten zwei Kalifen eher als nachahmenswert denn die des Propheten Mohammed selbst, und sie lehnen den Autoritätsanspruch der Saudis ab.

Als die saudische Monarchie sich im Zeitalter des Öls immer mehr zu einer Institution aufblähte, gewann die Ichwa-Botschaft an Anziehungskraft (ungeachtet der Modernisierungskampagne des König Faisal). Der „Ichwa-Ansatz" genoss - und genießt noch immer - die Unterstützung vieler prominenter Männer und Frauen und Scheichs. In gewisser Hinsicht war Osama bin Laden genau so ein Vertreter des später Aufblühens dieser Ichwani-Annäherung.

Die Aushöhlung der Legitimität des Königs wird nicht als problematisch angesehen, sondern eher als eine Rückkehr zu den wahren Ursprüngen des saudisch-wahhabitischen Projekts.

Bei Zusammenarbeit von Saudis und dem Westen in der Region haben westliche Politiker bei ihren Projekten (Kampf gegen den Sozialismus, Baathismus, Nasserismus, sowjetischer und iranischer Einfluss) ihre Lesensart von Saudi-Arabien (Wohlstand, Modernisierung und Einfluss) immer wieder betont, aber sich dafür entschieden, den wahhabitischen Impuls zu ignorieren.

Letztendlich haben die westlichen Geheimdienste die zunehmend radikal islamistischen Bewegungen als effektives Mittel im Kampf gegen die UDSSR in Afghanistan wahrgenommen - und im Kampf gegen in Ungnade gefallene Führer und Staaten im Nahen Osten.

Warum also sollte es uns also überraschen, dass aus Prinz Bandars saudisch-westlichem Mandat, den Aufstand in Syrien gegen Präsident Assad zu organisieren, eine Art Neo-Ichwa entsteht, die sich in Form der gewaltsamen, angsteinflößenden ISIS zeigt?

Und warum sollten wir, die wir ein wenig über Wahhabismus Bescherid wissen, überrascht sein, dass man „moderate" Aufständische in Syrien mit der Lupe suchen muss?

Warum sollten wir glauben, dass radikaler Wahhabismus Moderate hervorbringen würde?

Oder warum sollten wir glauben, dass die Doktrin von „ein Führer, eine Autorität, eine Moschee: unterwirf dich, oder werde getötet" zu Mäßigung oder Toleranz führen würde?

Vielleicht haben wir das auch niemals geglaubt.

Comic dient zur Aufklärung: Hier greift ein kleines Mädchen öffentlich die ISIS-Propaganda-Methoden an

Video: Propaganda-Tweet: ISIS klaut Bilder aus ungarischem Porno

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter
blog@huffingtonpost.de
.

Hier geht es zurück zur Startseite