Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Alan Fields Headshot

Worauf wartest Du?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOMAN FILTER
Justin Case via Getty Images
Drucken

Wenn Du zu den Menschen gehörst, die auf bessere Zeiten warten, dann muss ich Dich jetzt leider mit einer knallharten Wahrheit konfrontieren: Die Zeiten werden sich nicht bessern. Niemals. Das interessiert nämlich die Zeit nicht. Und wenn wir mal davon ausgehen, dass Einstein recht hatte, dann ist Zeit auch nur eine Illusion.

Allerdings möchte ich diese unliebsame Erkenntnis etwas entschärfen, etwas in Zuckerwatte einhüllen. Es gibt nämlich eine Möglichkeit die Zeit zu beeinflussen. Dazu muss ich Dir aber für einen Moment die Zuckerwatte wieder aus der Hand nehmen und Dir sagen, dass Du dafür etwas tun musst.

Wenn Du also im Moment auf bessere Zeiten wartest, dann bleibt Dir nichts anderes übrig, als dass Du Dich besserst. Ja, Du ganz alleine. Und nein, die Zuckerwatte bekommst Du erst zurück, wenn Du diesen Artikel verinnerlicht hast.

Das Warten

Von dem Moment an, wo wir klar und zielorientiert denken können, beziehungsweise spätestens, wenn wir mit Stolz und Schultüte unter dem Arm das erste Mal ein Klassenzimmer betreten, fangen wir mit dem Warten an. Wir warten auf den Pausengong, auf das Mittagessen, auf den Beginn unserer Lieblingsfernsehserie am Abend und darauf, dass wir endlich 18 werden.

Da sich dann, also mit Erreichen der Volljährigkeit, aber außer der Erlaubnis durch Saufen und Rauchen unser Leben zu versauen, nicht allzu viel ändert, fangen wir schon mal mit dem Warten auf ein ganz besonderes Ereignis an. Nämlich auf unsere Rente.

Das Warten darauf muss wohl so ähnlich wie das Warten auf die Volljährigkeit sein. Dann, im Ruhestand, kann man schließlich all das machen, was man die Jahre zuvor nicht machen konnte. Konnte man nicht, oder wollte man nicht? Finger weg, die Zuckerwatte bleibt noch unter Verschluss.

Keine Zeit mit Ausreden verschwenden

Es gibt aber noch einen interessanten Aspekt: Während Du auf bessere Zeiten wartest, wartet die Zeit nicht auf Dich. Die Zeit ist immer jetzt. Weder gestern, noch morgen.

Und noch mal Einstein:

"Zeit ist das, was man an der Uhr abliest."


Das was gestern war ist vorbei, aber das was morgen kommt, können wir beeinflussen, indem wir das Hier und Jetzt sinnvoll und bewusst nutzen.

Meine Oma sagte immer: Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Noch besser finde ich aber folgenden Spruch: "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen, denn was du heute kannst erleben, kann dir morgen keiner geben"

Also worauf wartest Du? Was hindert Dich daran, genau das zu tun, was du möchtest? Hör vor allem damit auf, deine Zeit mit Ausreden zu verschwenden.

2016-08-11-1470919711-9929958-Bild_WoraufWartestDu.jpg

Ich weiß, im Moment läuft Dir das Wasser im Mund zusammen, weil Du unbedingt die Zuckerwatte haben willst. Aber hab noch ein bisschen Geduld. Noch ist die Zeit nicht reif.

Kennst Du Nick Vujicic? Nick Vujicic ist erfolgreicher Motivationsredner und ist Jahrelang völlig planlos durch sein Leben gelaufen und hat unzählige Ausreden mit sich herumgetragen. Wobei Laufen und Tragen so nicht stimmt. Denn Nick wurde ohne Arme und Beine geboren.

In vielen Vorträgen und Interviews berichtet Vujiicic, dass er lange Zeit keinen Sinn in seinem Leben mehr gesehen hat und Hoffnung aufgrund seiner Behinderung ein absolutes Fremdwort für ihn war. Durchaus verständlich, oder? Dieses Denken hat sich aber geändert, als er seine Behinderung nicht mehr als Strafe, sondern als Herausforderung gesehen hat.

Er habe den Sinn seines Lebens darin gefunden, anderen Menschen zu helfen ihre Träume zu verwirklichen. Seine Lieblingssportarten sind übrigens: Schwimmen, Surfen und Golf. Ein beeindruckender Beweis dafür, dass Grenzen doch tatsächlich nur in unseren Gedanken bestehen.

Nichts übers Knie brechen

Nehmen wir mal an du möchtest Dich einfach gesünder ernähren, also zum Beispiel weniger zuckerhaltige Sachen essen, dann wäre jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür. Also der erste Schritt wäre der Verzicht auf die Zuckerwatte. Das wäre etwas, was du jetzt, jetzt in diesem Moment tun könntest. Du müsstest dich nur dafür entscheiden. Nicht mehr und nicht weniger.

Nun mag es sein, dass Du Dich im Moment noch mental zu schwach fühlst, um auf die eine oder andere Leckerei zu verzichten. Das ist vollkommen ok. Wenn man vielleicht jahrelang ein eher ungesundes Leben geführt hat, ist es sicherlich nicht einfach, seine lieb gewonnenen Gewohnheiten so mir nichts dir nichts über Bord zu werfen.

Dann ist es auch durchaus ratsam nichts übers Knie zu brechen. Was Du aber jetzt schon machen kannst, ist, dass du dich über eine gesunde Ernährung informierst. Dazu muss du keine teuren Bücher kaufen oder Seminare besuchen.

Die ganze Welt des Internets steht dir zu Verfügung. Noch nie war es leichter sich zu informieren und sich kostenlos weiterzubilden. Mit ein paar geschickten Klicks findet man wertvolle Videos, kostenlose E-Books oder auch sehr gute Onlinekurse zu fast jedem Thema.

Jammern kostet Energie

Einen ganz kleinen Haken gibt es aber, und den möchte ich dir auch nicht verschweigen. Du musst Dir nämlich dafür die Zeit nehmen. Sicherlich kennst du ja auch den Spruch: "Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich" und zwar genau für das, was einem wichtig ist. Wenn es dir also wirklich wichtig ist etwas in deinem Leben zu ändern, dann nimm dir die Zeit, und zwar noch heute. Jetzt !

Ich habe noch einen Satz für dich, über den es sich durchaus lohnt mal nachzudenken: "Sich jeden Tag für 30 Minuten anzustrengen ist besser als sich ein Leben lang unwohl zu fühlen." Ist dir eigentlich bewusst wie lange 30 Minuten sind? Setze dich mal eine halbe Stunde lang möglichst regungslos auf einen Stuhl und schließe die Augen.

Wenn du es bislang nicht gemacht hast, wirst du schon nach 10 Minuten das Gefühl haben, dass du eine ganze Stunde dort sitzt. Aber noch mal zurück zu dem gerade erwähnten Satz. Ist es nicht wirklich besser sich jeden Tag 30 Minuten anzustrengen, als sich die meiste Zeit seines Lebens unwohl zu fühlen? Höre ich da etwa ein kleines "Ja, aber". Na dann fange mit 15 oder 10 Minuten an. Aber fange an. Ansonsten höre auf zu jammern.

Denn wenn du Zeit hast zum Jammern, hast du auch mindestens genauso viel Zeit um dich anzustrengen. Jammern kostet nämlich auch sehr viel Energie.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ich gebe dir mal noch ein kleines Beispiel aus meinem Leben. Seit gut 20 Jahren laufe ich. Ja gut ich gebe zu, dass ich zeitweise auch meinem Leben und undefinierten Zielen und Wünschen hinterher gelaufen bin. Aber das meine ich nicht. Ich spreche jetzt tatsächlich vom Laufen als sportliche Betätigung.

Seit meinen ersten Joggingversuchen keimte in mir immer wieder der Wunsch, mal einen Marathon zu laufen. Im Prinzip habe ich bei jedem Lauf daran gedacht. Was dann folgte waren regelmäßig wiederkehrende Gedanken wie "Wenn ich fit genug bin, melde ich mich an" oder "Wenn ich mehr Geld habe, kauf ich mir bessere Schuhe und melde mich an". Sehr beliebt auch "Wenn ich mehr Zeit zum trainieren habe" und so weiter.

Tja, wenn das Wörtchen "Wenn" nicht wär ... dann hätte ich ... aber auch "hätte lag im Bette". Zurückblickend frage ich mich schon, worauf ich eigentlich gewartet habe. Sicherlich auch auf bessere Zeiten. Aber jetzt habe ich mich endlich für meinen ersten Marathon angemeldet.

2016-08-11-1470919848-2596744-Bild_Alan_Marathon.jpg

Das solltest du übrigens auch machen. Aber warte, damit meine ich jetzt nicht, dass du dich für einen Marathon anmeldest. Das kannst du natürlich auch gerne tun, wenn dir danach ist, aber vielmehr meine ich, dass du dir Ziele setzt.

Denn wie heißt es so schön: "Ein Ziel ist ein Wunsch mit Datum". So ein Ziel verpflichtet nämlich auf eine gewisse Art und Weise. Du gibst dir selber das Versprechen alles Mögliche dafür zu tun um dieses Ziel zu erreichen. In meinem Fall ist es so, dass ich mir vorgenommen habe diesen Marathon in einer bestimmten Zeit zu laufen.

Erfahrungen sammeln

Dafür muss ich aber noch ein bisschen trainieren. Und dieses Datum, der Tag an dem ich meinen ersten Langstreckenlauf absolvieren werde, motiviert mich dabei ungemein. Für dieses Ziel nehme ich mir einfach die Zeit.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png


Wenn du zur Zeit verliebt bist, und dein heimlicher Schwarm nichts davon weiß, dann sag es ihm oder ihr. Ja, es könnte sein, dass du einen Korb bekommst. Dann weißt du aber wenigstens woran du bist und du könntest diesen Korb benutzen um weitere Erfahrungen zu machen. Erfahrungen, die dich früher oder später an dein Ziel bringen werden.

Ach ja, und was die Zuckerwatte angeht muss ich dich leider enttäuschen. Die habe ich nämlich klammheimlich gegessen. Ich gebe zu, das war nicht besonders fair und ich verstehe deinen Unmut. Ja, du darfst jetzt sauer auf mich sein. Lass es raus. Aber weißt du was? Viel mehr solltest du dich über dich selbst ärgern.

Denn warum hast du es überhaupt zugelassen, dass ich dir die Zuckerwatte weggenommen habe? Worauf hast du gewartet? Tja, denk mal drüber nach.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: