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Warum ich als Frau gegen die AfD kämpfe

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Frauen gegen die AfD
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Die AfD ist fremdenfeindlich. Was aber genauso schlimm ist: Sie ist auch massiv frauenfeindlich.

Diese Partei fordert - neben einer unerträglichen Ausländerpolitik - zum Beispiel, die Hilfen für alleinerziehende Mütter drastisch zu kürzen und das Recht auf Abtreibungen stark einzuschränken.

Deshalb bin ich Teil einer Initiative geworden - Frauen* gegen die AfD. Wir wollen nicht, dass die AfD all das kaputt macht, was wir Frauen uns lange erkämpft haben. Und den Wählern mit Fakten zeigen, was sie da wählen, wenn sie ihr Kreuz bei der AfD machen.

Angefangen hat alles mit Donald Trump. Ich weiß noch, wie mich seine Wahl erschüttert hat - in meinen Grundfesten. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Gefühl, dass das demokratische System, in dem wir leben, bedroht ist.

Ich dachte mir sofort: Man muss das aufhalten - ich muss von meinem Sofa runterkommen. Und ich wollte zum ersten Mal in meinem Leben politisch aktiv werden. Ähnlich ging es auch meinen Mitstreiterinnen.

Nicht nur rassistisch, auch frauenfeindlich

Unsere Initiatorin veröffentlichte nach der Wahl von Trump auf Facebook einen Aufruf. Sie wollte Gleichgesinnte finden, die auch gegen Rechtspopulisten aktiv werden wollen - und zwar explizit nicht nur, weil die rassistisch sind, sondern auch, weil sie frauenfeindlich sind, in Anlehnung an die österreichische Kampagne "Frauen gegen Hofer".

Im Dezember haben wir uns dann gegründet - 15 bis 30 Frauen sind der aktive Kern. Wir sind alle in unterschiedlichen Lebenssituationen, vertreten politisch unterschiedliche Positionen.

Der Hauptteil unserer Aktion sind Videos, in denen wir Frauen auf der Straße mit Aussagen von AfD-Politikern und dem AfD-Wahlprogramm konfrontiert haben. Ich fand es sehr beeindruckend, wie treffend und emotional die Frauen reagiert haben - so spontan, aus dem Bauch heraus.

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Außerdem haben wir auch prominente Unterstützer wie die Musikerin Bernadette La Hengst oder Musiker und Autor Frank Spilker für uns gewinnen können. Sie erzählen in Clips, was sie von der Frauen-, Geschlechter- und Familienpolitik der AfD halten.

Daraus haben wir rund 50 Videos gemacht, die wir jetzt zwei Wochen vor der Wahl auf sozialen Medien veröffentlichen.

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Uns schlägt hauptsächlich von Männern Hass entgegen

Dass wir mit einer Kampagne gegen die AfD viel Gegenwind bekommen würde, war uns von Anfang an bewusst.

Im Internet schlägt uns viel Hass entgegen - fast ausschließlich von Männern. Viele Kommentare sind sexistisch und gehen unter die Gürtellinie. Ich war schockiert zu sehen, wie viel blinden Hass es gibt. Für viele Männer scheinen Gleichberechtigung und Frauenrechte ein rotes Tuch zu sein, die fühlen sich da sofort bedroht.

Die Aktion kann für uns - einige von uns sind selbständig - existenzbedrohend sein.

Deshalb haben wir uns entschieden, anonym zu bleiben. Manche haben es ihren Eltern erzählt, manche ihren Freunden. Aber in der Öffentlichkeit möchten wir nicht identifizierbar sein.

Die Reaktionen von meinen Bekannten waren am Anfang auch nicht durchweg positiv. Nicht wegen des Kampfs gegen die AfD - den haben alle unterstützt. Aber die Frauensicht - die ist für manche uncool und wird mit lila Latzhose verbunden.

Ich habe mich eigentlich auch nie als feministische Kämpferin gesehen und musste mich erstmal an unseren Ansatz gewöhnen. Aber je mehr ich mich damit beschäftigt habe, je mehr Ungerechtigkeiten ich in den Vorschlägen der AfD oder bei Donald Trump gesehen habe, desto mehr habe ich mich mit dem Kampf für Gleichberechtigung identifiziert.

Und das geht nicht nur unserer Gruppe so.

Wir werden immer mehr

Ich habe eine 70-jährige Freundin in Texas, die nie in ihrem Leben protestiert hat. Als Trump gewählt wurde, hatte sie genau das gleiche Gefühl, das ich hatte - obwohl wir tausende Kilometer voneinander entfernt leben. Also ging sie auf die Straße zum Women's March.

Auch in den USA haben Frauen eine Bewegung gestartet, eigentlich aus dem Nichts, um wieder für einen Feminismus und gegen den chauvinistischen Präsidenten zu demonstrieren.

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Jetzt, ein paar Tage nach dem Start unserer Aktion, können wir sehen, wie die Stimmen immer mehr werden. Wie zum Beispiel die Community Hasskommentare auf Facebook selber regelt, sich nicht auf einen Kampfmodus einlässt und den Pöblern kaum Raum lässt.

Wir können immer mehr Menschen - Frauen und Männer - für unser Anliegen gewinnen.

Das Protokoll wurde aufgezeichnet von Katharina Schneider.

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(lk)