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Europa wird nicht verlieren

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
PULSE OF EUROPE
Akilnathan Logeswaran
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Vor einem halben Jahr noch war Europa abgeschrieben.

Die Briten stimmten f├╝r den EU-Austritt, die Franzosen w├Ąhlten mit Marine Le Pen einen EU-Feind an die Spitze und in den USA zog mit Donald Trump ein Nationalist ins Wei├če Haus ein, der auch seinem Gesinnungsgenossen hierzulande R├╝ckenwind verschaffte.

Nun aber hat sich das Blatt gewendet.

2017 wird als Superjahr f├╝r Europa in die Geschichte eingehen. Und daf├╝r gibt es viele Gr├╝nde.

Wahlen gewinnen pl├Âtzlich die Parteien, welche am st├Ąrksten pro-europ├Ąisch auftreten.

Das war bei den niederl├Ąndischen Parlamentswahlen so, wo die Gr├╝nen und die Partei D66 prozentual die st├Ąrksten Stimmenzuw├Ąchse verzeichneten.

Die Kanzlerkanditaten sind zwei ├╝berzeugte Europ├Ąer

Das war aber auch in Frankreich so, wo Emmanuel Macron sogar die absolute Mehrheit im Parlament erzielte - unter anderem weil er mit dem Thema Europa Wahlkampf machte.

In Deutschland sind wir bez├╝glich der anstehenden Bundestagswahl sehr privilegiert. Wir haben mit Angela Merkel und Martin Schulz zwei ├╝berzeugte Europ├Ąer, die f├╝r das Kanzleramt kandidieren.

Mehr noch: Wir haben mit unserer Kanzlerin eine Figur, die die EU-Kommission stark mitpr├Ągt, und mit Martin Schulz, als ehemaligen Pr├Ąsident des Europ├Ąischen Parlaments, den wohl bekanntesten Politiker Europas.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Wenn Europa scheitert, scheitert es in Italien

Wer auch immer am 24. September gewinnt: Europa wird nicht verlieren. Im Gegenteil.

Ich glaube, dass sich das Verh├Ąltnis zwischen Deutschland und Frankreich noch einmal massiv verbessern wird, wenn die Bundestagswahlkampf vorbei ist. Schon heute sprechen f├╝nf franz├Âsische Minister Deutsch.

Mit Emmanuel Macron haben wir einen ausgewiesenen Freund Deutschlands, doch vor allem auch jemanden, der sich die Reformierung Europas auf die Fahne geschrieben hat.

Ich w├╝rde mir w├╝nschen, dass nun wichtige Weichen f├╝r einen europ├Ąischen Bundesstaat gelegt werden.

Jetzt, wo Gro├čbritannien die Union verlassen wird, ist der Weg frei f├╝r eine gemeinsame Verteidigungsarmee.

Au├čerdem w├Ąre es Zeit f├╝r einen europ├Ąischen Finanz-, Au├čen- und Verteidigungsminister. Kernthemen, die genau wie die Migration unbedingt europ├Ąisch gel├Âst werden m├╝ssen. Auch, wenn das nicht von heute auf morgen klappt: Es wird Zeit!

Europa hat nicht nur die Politik erobert, sondern auch die Bev├Âlkerung


In den vergangenen Monaten sind extrem viele pro-europ├Ąische Initiativen entstanden. Die Initiative #FreeInterrail hat die Mehrheit im Europ├Ąischen Parlament bekommen, um allen EU-B├╝rgerinnen und B├╝rgern ein Reiseticket zum 18. Geburtstag zu schenken.

Mit "Stand Up For Europe" steht eine starke europ├Ąische Bewegung bereit, die vielleicht sogar die erste europaweite Partei werden k├Ânnte."WhyEurope" emotionalisiert auf Social Media mit positiven Fakten f├╝r Europa auf Social Media.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Die Politiker sind nicht f├╝r unsere Probleme verantwortlich - wir selbst m├╝ssen handeln

Und mit Pulse of Europe gehen in ├╝ber 100 St├Ądten in 18 L├Ąndern Europas mehr Menschen denn je f├╝r den Kontinent und die Union auf die Stra├če.

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Wer h├Ątte das vor einem Jahr f├╝r m├Âglich gehalten?

Da galt Europa als gemeinhin akzeptierte, aber emotionslose Sache, f├╝r den nie auch nur ein Mensch den Fu├č vor die T├╝r gesetzt h├Ątte. Doch mit Trump und dem Brexit haben die Menschen gesehen: So stellen wir uns unsere Zukunft nicht vor. Wir wollen Europa.

Das ist auch das, was mich packt. Ich bin leidenschaftlicher Fu├čballfan unserer Nationalmannschaft. Bei WM-Spielen habe ich mir immer die deutsche Fahne ins Gesicht gemalt, um klar Farbe zu bekennen.

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In Gro├čbritannien sprechen sich wieder 60 Prozent f├╝r Europa aus

Ich bin aber nicht nur ├╝berzeugt von unserer Nationalmannschaft, sondern eben auch von all den Freiheiten, die ich als Europ├Ąer genie├če. Da habe ich mich gefragt: Warum soll ich dann nicht auch mit Europa-Fahne ihm Gesicht f├╝r die EU auf die Stra├če gehen?

Dass Europa in der Bev├Âlkerung so stark akzeptiert wird wie lange nicht, zeigen auch Umfragen.

Sogar in Gro├čbritannien: Hier sprechen sich mittlerweile mehr als 60 Prozent daf├╝r aus, in der EU zu bleiben. Das sind weit mehr als vor einem Jahr.

Au├čerdem sind die Menschen so gut wie in jedem Land zufriedener mit der EU als mit ihrer eigenen Regierung.

Aber wer wei├č, vielleicht ist es ja bald m├Âglich, seinen Pass gegen einen EU-Pass einzutauschen. Ich w├╝rde es schon heute tun.

(kap)

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