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Wer wirklich von einem unabhängigen Kurdistan profitieren würde

15/02/2016 15:58 CET | Aktualisiert 15/02/2017 11:12 CET
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Die Forderungen nach einem unabhängigen Kurdistan auf dem Territorium der heutigen Türkei, Syrien und Irak wehen auf sämtlichen Demonstrationen. Ist ein unabhängiges Kurdistan in der Weltpolitik denkbar und wenn dem so ist, wie kann es entstehen und wie würde es aussehen?

Kurdistan? Denkbar.

Angesichts der instabilen Situation im Irak und auch in Syrien ist die Errichtung eines neuen Staates durchaus denkbar. Allerdings sind die Kurden untereinander auch in Konflikte verwickelt. Es geht um Machtinteressen und die Führung in der Region. Damit ein Kurdistan entstehen kann, müssten sich die Kurden im Irak und in Syrien zumindest einig sein. Kurdische Stämme und Familienclans konkurrieren untereinander, so dass ein gemeinsames Handeln unmöglich scheint.

Dennoch kommt den kurdischen Terroristen die Lage Syriens sehr recht. Das Regime Assad verliert immer mehr die Kontrolle über sein Land und könnte nur zusehen, wenn ein unabhängiges Kurdistan ausgerufen wird. Dieselbe Gefahr gilt auch für den islamistischen Terrorismus. Sie könnten sich noch weiter etablieren, wenn sie nicht schon bald von einer breiten Allianz bekämpft werden.

Partner Russlands

Die vorderste Front der Kämpfer für ein Kurdistan ist die als terroristische Organisation eingetragene PKK, dessen Führer Abdullah Öcalan auf der Insel Imrali seit über 15 Jahren in Gefangenschaft ist. Die PKK, die sich als Partei versteht, würde die Führung in einem möglichen Kurdistan übernehmen und eine sozialistische Diktatur installieren. Der politische Kader müsste sich schnell, um seine Infrastruktur aufzubauen, seine Bevölkerung zu ernähren und internationale Anerkennung zu genießen, auf Partnerschaft mit Russland setzen.

Neben Russland wäre China ein potenzieller Partner des kurdischen Regimes. Das wäre für Russland vor allem deshalb interessant, weil sie seit Jahrzehnten versuchen, den Zugang zum Mittelmeer zu erlangen. Wenn ein Kurdistan im Norden von Syrien entsteht, somit westlich den Zugang zum Mittelmeer bekommt, würde Russland dieses Projekt unterstützen, um auf kurdischem Gebiet Militärbasen zu errichten. Das wäre eine historische Gelegenheit für Putin.

Gegenwärtig erleben wir den Verfall des Assad Regimes, er würde somit seine militärische Stärke im Nahen Osten beibehalten, wenn nicht gar stärken. Dafür würde er Kurdistan auch mit Gas beliefern.

Beispiel Nordkorea

Die Erfahrung zeigt, dass Menschen aus Staaten, in denen die sozialistische Ideologie herrscht, fliehen wollen. Das Ergebnis wäre eine neue Flüchtlingswelle, die es gegenwärtig in den kurdischen Gebieten ohnehin schon gibt. Kurden fliehen vor der Drangsalierung, Entführung ihrer Kinder für die terroristische Arbeit der PKK und suchen Schutz im Westen der Türkei. Massiver Drogenhandel, Erpressungen und Entführungen gehören zur Kernarbeit der PKK.

International ist die PKK die terroristische Organisation mit den meisten Kindersoldaten. Keine zivilisierte Gesellschaft könnte sich eine Unterstützung der Unterdrückung von Kurden vorstellen. Mit seinen Parallelen hätten wir mit einem Kurdistan ein zweites Nordkorea. Isoliert, abgeschottet und für verloren erklärter Fleck der Erde. Eine weitere Gefahr im Nahen Osten. Als gäbe es nicht schon genug.

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