BLOG

Warum wir gerade jetzt der Regierung vertrauen sollten

25/01/2016 10:59 CET | Aktualisiert 25/01/2017 11:12 CET
Pacific Press via Getty Images

Was waren die Faktoren, die den Aufstieg Hitlers ermöglicht haben? Was müssen wir aus der Geschichte lernen und welche Parallelen sind mit heute vergleichbar? Welches Erfolgsgeheimnis, über das so selten gesprochen wird, verbirgt sich hinter dem Aufstieg von Adolf Hitler, womit er die Welt in den Ruin getrieben hat?

Die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 war mit Sicherheit ein Faktor für das Erstarken der NSDAP. Die Währung war im Keller, die Arbeitslosigkeit stieg rasant und soziale Unruhen bestimmten die Tagesordnung der Deutschen, die sich dann im Jahr 1933 für Hitler entschieden. Das sind Aspekte in der Geschichte, die wir aus der Schule kennen. Was wir aber nicht mehr erinnern, ist die politische Instabilität der ersten Großen Koalition in Deutschland, auch die Weimarer Koalition genannt, die von 1928 bis 1930 bestand.

Erste Große Koalition

Mit der ersten Großen Koalition meinen wir oftmals jene, die von 1966 bis 1969 geführt worden ist. Bundeskanzler damals war Kurt Georg Kiesinger, Außenminister kein Geringerer als Willy Brandt. Es ist richtig, dass diese Koalition die erste Große Koalition in der Bundesrepublik war. Allerdings hat es zuvor eine in weiterer Vergangenheit gegeben, die durch ihr Versagen ein Machtvakuum für Hitler unfreiwillig und ohne Vorstellung über die Konsequenzen zur Verfügung gestellt hat.

Der Streit

Die Weimarer Koalition, bestehend aus SPD und DVP, geriet durch die Krise im Großen auch in Streitigkeiten im Kleinen. Herrmann Müller, Reichskanzler und Mitglied der SPD, regierte in schwierigen Zeiten. Die Weltwirtschaft geriet in eine Depression und schien sich nicht mehr zu erholen. Dabei wurden Vorschläge, die zu der Zeit, wie man heute sagt, unwesentlich waren, auf die Tagesordnung gesetzt. Es ging um Beitragszahlungen in die Arbeitslosenversicherung. Die Regierung aus SPD und DVP zerbrach daran, woran dann später auch Deutschland zerbrach.

Das Machtvakuum

Die etablierten Parteien waren sich uneinig und die tiefen Graben haben persönliche Beziehungen vergraben. Diese Lücke der Macht, dieses Vakuum nutzte später Adolf Hitler, um seine NSADP zu etablieren und an die Macht zu bringen. Die Gesellschaft war verzweifelt und suchte, wie heute auch, in komplexen Fragen nach einfachen Lösungen.

Hitler lieferte sie und versuche die Menschen auf seine Seite zu bekommen. Die Rechnung ging auf: Am 30. Januar 1933 vertrauten die Deutschen der NSDAP und damit Hitler. Seine demokratische Legitimation für das Amt des Reichskanzlers missbrauchte Hitler, um eine Diktatur zu in Deutschland zu errichten und seinen Faschismus staatlich durchzusetzen. Mit verheerenden Folgen für Millionen von Menschen.

Die Parallelen

Erneut stehen wir vor einer globalen Herausforderung, wie bereits schon zur Zeit der Währungskrise erst vor wenigen Jahren, aus der Deutschland sehr gut herausgekommen ist. Die gegenwärtige Flüchtlingskrise wird ebenso zu meistern sein, wenn die Bevölkerung der Regierung die nötige Zeit gewährt.

Wir erwarten heute Lösungen, wie sie selbst in Zaubermärchen nicht so schnell zustande kommen. Dagegen baut sich eine gesellschaftliche und politische Opposition auf, die sich Pegida und AfD nennt. Die Herausforderungen sind identisch, der Druck ist vergleichbar. Das Ergebnis darf sich nicht wiederholen.

Einerseits die Verantwortlichen, aber auch die Bevölkerung müssen endlich beginnen, dass das wesentliche vom unwesentlichen unterschieden wird. Wir dürfen nicht im Klein Klein versinken und daran zerbrechen. Es wäre nicht das erste Mal.

Nur die Mitte der Gesellschaft wird diese Entwicklung aufhalten können. In der Mitte spielt die Musik. Die Mehrheit muss Verantwortung übernehmen, aus der Geschichte lernen und sich der Aufgabe widmen, dass sich ähnliche Entwicklungen wie zur Zeit der Weimarer Republik nicht wiederholen. Man kann trotzdem gegen die Politik der Regierung sein, man kann sie kritisieren. Aber das darf kein Fundament für das Erstarken der Radikalen werden. Nicht noch einmal. Das wäre ein zu hoher Preis. Für uns alle.

Drohvideo von Pegida aufgetaucht: Münchens Bürgermeister Dieter Reiter mit Tod bedroht

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Gesponsert von Knappschaft