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Diese Nazi-Kultur schadet dem deutschen Ansehen

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EINHEITSFEIER
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"Volksverräter!" und "Merkel muss weg!" - Rufe überschatten den Tag der Deutschen Einheit. Es sind Rufe, die aus Dresden kommen, dort wo die Feierlichkeiten am Morgen des 03. Oktober begonnen haben. Es sind Rufe, die nicht nur in Deutschland gehört werden, sondern auch international und damit dem Ansehen Deutschlands schaden.

"Die Angst vor einem vereinten Deutschland"

Meine grundsätzlichen Gedanken zur Deutschen Einheit sind, dass es ein Tag der Freude, aber auch ein Tag zum Nachdenken ist. Wir dürfen nicht vergessen, was zur Teilung Deutschlands überhaupt erst geführt hat. Wir müssen heute feiern, die Fahnen schwenken. Denn wir feiern, dass Mauern fallen können und Welten zusammenkommen können.

Dankbar sein, dass wir Freunde haben und diese uns wieder vertrauen. Es ist ein Tag, der so viel über Deutschland aussagt, über die frühe und junge Geschichte. Aber auch über die Zukunft und Fähigkeiten dieses Landes, gemessen an der Frage, welche gewaltigen Herausforderungen wir lösen können.

Denn die Einheit war zweifelsfrei die größte Herausforderung, die auch mit Ängsten verbunden war. Ängste aus Europa, insbesondere Frankreich und England waren nicht zimperlich, was die Frage über ein wieder vereintes, großes Deutschland angeht. Denn längst hatte man nicht vergessen, was Deutsche insbesondere den Franzosen angetan hatten. Die Besatzung von Paris ist dabei nur ein Aspekt.

Die britische Premierministerin Margarete Thatcher war besonders skeptisch. Wie würde sich die Gesellschaft entwickeln und welche Entwicklungen würden sich anbahnen, wenn die Deutschen wieder vereint sind? Es waren nur 45 Jahre vergangen, hatte sich Deutschland in der Zeit bewährt?

Zwei Weltkriege, ein schrecklicher Völkermord und militärische Besatzung des halben Kontinents. Alle Entscheidungsträger hatten zum Teil als Soldaten gegen oder für Deutschland gekämpft. Nun, 45 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, hatte man unter Berücksichtigung der europäischen Integration und Teil der NATO entschieden, Deutschland soll sich vereinen.

Die Mauer soll fallen. Und mit den Worten des Bundeskanzlers Helmut Kohl: "Mein Ziel bleibt, wenn die geschichtliche Stunde es zulässt, die Einheit unserer Nation." übrigens auch in Dresden, am 19.12.1989 wurde die Einheit in die Wege geleitet.

Seit dieser Entscheidung sind nun 26 Jahre vergangen. Wir feiern seit jeher die Einheit Deutschlands, die Wiedervereinigung. Für den einen ist das ein freier Arbeitstag. Für den anderen ist das ein Grund, ein Glas Bier mehr zu trinken. Für mich ist das ein Tag der Demut. Es soll gefeiert werden, was möglich war. Es darf aber nicht vergessen werden, was überhaupt erst zur Teilung geführt hat. Und das wird oft genug vergessen, bekommt man den Eindruck, wenn man am Morgen des 03. Oktober nach Dresden blickt.

Eine Schande für Deutschland

Rechte, Rechtspopulisten, sich offen bekennende Nazis treten auf und beschimpfen Politiker unter anderem wegen der Flüchtlingspolitik. Einen naiven Auftritt erlaubt sich Claudia Roth und will mit einer Gruppe diskutieren, bis sie dann von den Rechten hört, dass sie die Vernichtung des deutschen Volkes vorantreiben würden. Dann gibt sie auf.

Was will man dazu auch sagen? Dass 1 % Anteil von Flüchtlingen im Land nicht die Mehrheit ist? Das suggerieren sie aber. In Kreisen der Verschwörungstheoretiker ist davon die Rede, dass man die Deutschen "austauschen" wolle. Dann wendet sich die Grünen Politikerin ab und fasst den Auftritt dieser Menschen mit einem Wort zusammen: Schande.

Tatsächlich ist es eine Schande, wenn man bedenkt, welches Bild wir nach Außen abgeben. Es weckt Erinnerungen, es löst Ängste aus. Dieses Auftreten mit einer Nazi Kultur und Nazi Sprache irritiert die Welt. Es irritiert aber auch die meisten Deutschen. So hat man doch 17 Millionen ehemalige DDR Bürger aufgenommen und ihnen die Chancen dieser Welt geboten? Und dann beschweren sie sich, wegen einer vermeintlichen Überfremdung? Dort, wo doch kaum Migranten leben?

Wie umgehen mit der AfD?

Nun habe ich früh meine Sorgen über diese Entwicklung geschrieben und publiziert. Immer mehr Politiker sind aufgetreten und haben teilweise direkt gesagt, dass sie auf sogenannte besorgte Bürger zugehen wollen und teilweise haben sie ihre Forderungen übernommen. Aus CDU Sicht kann ich nur sagen: Seit 5 Landtagswahlen kopieren die CDU Landesverbände zu Teilen die AfD und distanzieren sich von Kanzlerin Merkel.

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Das Ergebnis ist nicht, dass man damit rechte Wähler zurück gewinnt, sondern dass man die Themen der AfD überhaupt erst groß macht und in die Mitte holt. Wir müssen endlich klar sagen, was wirklich los ist in diesem Land. Ohne dabei abzuschrecken vor Verlust von ein paar Wählerstimmen. Bevor wir uns diesen Menschen beugen, sollten wir es vorziehen zu sagen, dass das antidemokratische Pöbler mit rechtem Gedankengut sind.

Sie wollen nicht diskutieren, sie wollen nur Ärger machen. Wir dürfen nicht um ihre Gunst streiten, sondern eine Mehrheit dagegen mobilisieren. Die AfD mobilisiert für sich 15 %, dem stehen aber satte 85 % entgegen. Das müssen wir verstärkt zusammenhalten. Und darauf darf Deutschland auch stolz sein, auf die überwältigende Mehrheit in diesem Land, die demokratisch ist, und den Werten des Grundgesetzes folgen.

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