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Plötzlich multikultureller Vermieter

Veröffentlicht: Aktualisiert:
GAULAND
CARMEN JASPERSEN via Getty Images
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Gäbe es heute eine Volksabstimmung darüber, wen wir ausbürgern sollten und die Wahl bestünde zwischen dem Nationalspieler Boateng und dem Nationalkonservativen Gauland, würde die Wahl wohl ziemlich eindeutig ausfallen. Die Nation würde sich mit einer klaren Mehrheit für Boateng entscheiden.

Titel im Fußball sind nun mal begehrter als ältere Politiker, die die alte Zeiten missen und konservative Sprüche klopfen. Boateng oder Gauland als Nachbarn? Natürlich Boateng. Aber auch einen wie Boateng, aber nur eben kein Millionär und kein Fußballtalent? Da wird es schon heikel und ein Opa mit einem guten Einkommen, konservativer Haltung und Doktortitel wird bevorzugt. Das ist nun mal Tatsache in diesem Land.

Herr Gauland ist das Arschloch in uns. Was hat er gesagt? Einen Boateng finden wir in der Nationalmannschaft gut, aber als Nachbarn wollen wir ihn nicht haben. Fakt ist, dass viele Schwarze und andere Migranten sowie sozial Schwache Schwierigkeiten haben eine Wohnung zu bekommen.

Wäre Boateng ein Fließbandarbeiter, wie ein Yilmaz oder wie sie alle heißen, dann müsste er sich 8 mal mehr für einen Job bewerben und würde auch nicht so leicht eine Wohnung bekommen. Herr Gauland ist ein Arschloch. Das ist die Mehrheitsgesellschaft in dieser Frage aber auch. Jetzt auf einen Hype springen und plötzlich allen Kulturen der Welt eine Wohnung geben wollen ist ein, wie schon gesagt, Hype.

Schon morgen werden die Millionen von Benachteiligten Migranten, Schwarze, sozial Schwachen und Flüchtlinge nach einer Wohnung fragen und sie wird plötzlich nicht mehr frei sein. Nicht für ihn.

Plötzlich will jeder ein moralischer Vermieter sein

Die Äußerung von Gauland wurde als Beleidigung an den Verteidigungsspieler gewertet. Dabei hat jeder von uns mal, die die Eigentum haben, sorgfältig ausgewählt, an wen er seine Wohnung vertraut. Ich kenne Berichte aus Hotels, wo für nicht einmal eine Nacht Sinti und Roma aufgenommen werden.

Hätte sich Gauland wie folgt geäußert: "Jeder will den Sinti und Roma helfen, aber als Nachbarn will man sie nicht haben.", hätte sich die Nation dann auch aufgeregt? Vermutlich schon. Aber die Beschreibung trifft die Realität.

Jeder Politiker kann sich heute hinstellen und Entwicklungsgelder für den Balkan und die dort lebenden Sinti und Roma fordern, ohne dass er Gegenwind befürchten muss. Aber sobald eine Familie nebenan einziehen will, fallen uns viele Gründe ein, um die Wohnung nicht zu vermieten.

Die richtige Antwort zu Gauland

Wer sich wirklich über Gauland und seine Äußerung geärgert hat, Eigentum besitzt und tatsächlich als Vermieter fungiert, sollte keine Hashtags in den sozialen Medien posten. Er sollte Toleranz leben.

Keinem Schwarzen, sozial Schwachen oder einem Flüchtling ist geholfen, wenn wir Facebook voll mit Texten befüllen. Es ist erst dann etwas in Gang gesetzt und Gauland im Unrecht, wenn wir einen von unseren 5 Zimmern für ein oder zwei Flüchtlinge räumen und sie aufnehmen. Das ist gelebte Toleranz.

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