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Europäische Union 2.0 - Die Strategie nach Brexit

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PRO EU
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Bewusst wird dieser Artikel erst drei Tage nach der Entscheidung der Briten, aus der EU austreten zu wollen, geschrieben. Denn die erste Reaktion war bei allen vielmehr emotional geprägt, als dass sich jemand fortan sachlich mit der Frage beschäftigt hat: Was nun? Die Entscheidung bleibt aber auch drei Tage danach ein Schock. Denn ohne jeden Zweifel wird der 24.06.2016 in die Geschichte eingehen. Nicht gerade positiv. Eine Neuausrichtung der Europäischen Union ist nun wichtig.

Die Briten sind uns ohnehin schon immer fremd gegangen und hatten eine Rolle wie des eines Stiefsohns inne. Keine Beteiligung am Euro, nicht im Schengenraum und sämtliche Rabatte bescherten der Insel eigentlich eine komfortable Mitgliedschaft, indem die Vorzüge gerne angenommen wurden, aber Verantwortung übernehmen? Darüber waren die Briten not amused.

Gekuschelt haben sämtliche britische Regierungen lieber mit den Amerikanern. Die einstige Weltmacht Großbritannien hat sich aber erwiesenermaßen verzockt: Im besten Fall gibt es auf der einen Seite Clinton, auf der anderen Seite Putin, der sich zurzeit am meisten freut. Im schlimmsten Fall ist der andere Global Player ein guter Freund von Putin, Präsidentschaftskandidat der Vereinigten Staaten, Donald J. Trump.

Das ganze Land ist gespalten: Die Schotten und Iren haben sich mehrheitlich für der Verbleib in der EU entschieden, im restlichen Gebiet war es knapp 52 % zu 48 %. Die Rechtspopulisten und Angstmacher haben ihr Land binnen kürzester Zeit kaputt gemacht. Die Schotten und Iren wollen sich abspalten, halb England und Wales ist gespalten, keine Europäische Union mehr, sondern stattdessen zähe Verhandlungen in Brüssel zum Ausstieg.

Europa neu definieren

Die Nachbarn auf der Insel haben es Europa nicht immer einfacher gemacht. Zusammen hätten wir Potenzial, viel mehr zu bewegen. Großbritannien war eine große Nummer in der EU, jetzt ist sie eine Hausnummer in der internationalen Politik. Die Europäische Union ist aber nach wie vor eine große Nummer. Und darauf dürfen wir gerne stolz sein. Stolz auf über 70 Jahre Frieden, Freiheit, Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit.

Europa kann Weltmacht

Europa hat mehr verdient, als sich von den Briten erpressen zu lassen, Angst vor den Russen haben zu müssen und im Zweifel auf die Amerikaner angewiesen zu sein. Europa hat es verdient, den Anspruch zu erheben, eine entscheidende Macht in der Welt zu sein. Diesen Anspruch zu erheben wird spätestens dann zur Pflicht, wenn Trump Präsident wird.

Zwischen Putin und Trump dürfen wir nicht riskieren, was wir all die Jahrzehnte aufgebaut haben. Europa muss sich trauen, eine Weltmacht zu werden. Sie muss eine gemeinsame Militärstrategie, außenpolitische Position und institutionelle Reformen anstreben. Sie muss demokratischer werden. Sie kann und muss Weltmacht. Das ist legitim. Das ist erforderlich. Und das ist möglich. Auch aus dieser Krise werden wir gestärkt herausgehen, das ist gewiss.

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