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Deshalb unterstützt Erdogan den IS

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ERDOGAN
ASSOCIATED PRESS
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"We know!", entgegnete US-Präsident Obama im Oval Office dem türkischen Präsidenten Erdogan seinen Beteuerungen, er würde den IS nicht unterstützen. Gemeinsam mit seinem Geheimdienstchef Hakan Fidan, der zuletzt auch beim versuchten Putschversuch unangenehm aufgefallen war, versuchten sie den amerikanischen Präsidenten vergeblich davon zu überzeugen, dass sie mit dem IS nichts am Hut hätten.

Die einzige Antwort von Obama: "We know!", wir wissen, dass ihr sie unterstützt. Wir wissen von den Waffenlieferungen, dass ihr sie durchschleust, einfach alles.

Aktuell ist auch eine vertrauliche Antwort der Bundesregierung öffentlich geworden, dass sie der türkischen Regierung Unterstützung von Islamisten im ganzen Nahen Osten vorwirft.

Nachrichtendienstliche Informationen sowie Berichte von Rückkehrern, die hier vernommen wurden, machen deutlich: Die Türkei unterstützt sämtliche terroristische Netzwerke. Ganz oben auf der Liste stehen Hamas und der IS.

Obama reagiert nicht mehr

Doch stellt sich bei dieser Klarheit die Frage, warum Präsident Obama nicht darauf reagiert. Die Antwort ist fast schon so banal, dass man schon wieder nicht drauf kommt. Insgesamt während seiner Amtszeit wollte Obama nicht als jemand in die Geschichtsbücher eingehen, der sich zu sehr in den Nahen Osten eingemischt hat.

Sein Vorgänger Bush hat damit bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Allein dass Obama Guantanamo nicht schließen konnte, die Waffengesetze nicht verschärfen und ein stabiles Gesundheitssystem aufbauen konnte, sind bereits Misserfolge, auf die keine neuen folgen sollten.

Besonders zum Ende hin will Obama keine Konflikte neu entfachen. Er wird die Verantwortung für die Krisenregion Naher Osten an seine/n Nachfolger/in abgeben. Der könnte womöglich Donald Trump heißen, jemand mit weniger Fingerspitzengefühl, um den Republikaner wohlwollend zu beschreiben.

Erdogan ist eine Fluchtursache

Die Nähe Erdogans zu den Terroristen baut im Grunde auf zwei Motive auf. Zum einen verfolgt Erdogan politische Interessen in Syrien, weshalb er den IS unterstützt. Seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien 2011 positionierte sich Erdogan klar gegen Assad.

Um das Assad-Regime zu stürzen hat Erdogan um jeden Preis verschiedene Rebellen aufgebaut und ausgerüstet. Der IS ist fest organisiert, professioneller Kader mit seinen ehemaligen Offizieren aus der irakischen Armee, weshalb sich die Unterstützung für Erdogan nachhaltig lohnt.

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Des Weiteren gibt es eine ideologische Nähe zwischen Erdogan und dem IS. Was im Fall Hamas noch deutlicher wird. Aber die ideologische Nähe zu Hamas ist nicht der einzige Grund, weshalb sie auf Erdogan zählen können. Die Türkei will in der Region eine Vormachtstellung aufbauen.

Die türkische Regierung will keine anderen ökonomisch oder sicherheitspolitisch aufstrebenden Staaten in der Region neben sich sehen. Die politischen, wirtschaftlichen und ideologischen Interessen bewegen Erdogan dazu, selbst Barbaren wie den IS mit zu dem zu machen, was es überhaupt ist.

Damit ist Erdogan mit eine der Fluchtursachen, weshalb die Menschen aus den Krisengebieten fliehen. Drei Millionen Flüchtlinge leben allerdings in der Türkei, wieso dann eine Fluchtursache? So könnte man eine Gegenfrage stellen.

Allerdings geht es Erdogan nicht um die einfachen Leute. Und er kann bei über 900 km gemeinsamer Grenze zu Syrien herzlich wenig dafür tun, dass die Menschen nicht kurz über lang in die Türkei gelangen. Erdogan geht es um das Große und Ganze. Ihm geht es um seine Machtvorstellungen. Bleibt abzuwarten: Je höher sich jemand gibt, umso tiefer kann ein Fall dann werden.

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