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Digitalisierung in Universitäten: Papier statt Datei?

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Herr Krishnan, wie lässt es sich zurzeit an deutschen Universitäten studieren, gerade im Hinblick auf die digitale Zukunft?

Krishnan: Die Studienbedingungen können natürlich immer verbessert werden, als RCDS sind wir da ständig dran, aber hinsichtlich der digitalen Bildung gibt es akuten Handlungsbedarf.

Worin sehen Sie einen Handlungsbedarf? Viele Politiker halten gerne schöne Sonntagsreden über Schulen und Universitäten. Haben Sie konkrete Vorschläge?

Krishnan: Derzeit wird im Deutschen Bundestag das Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetzes diskutiert. Der Gesetzentwurf bedeutet eine längst überfällige Modernisierung des Urheberrechts für Bildung und Wissenschaft und eine sinnvolle Anpassung an das digitale Zeitalter.

Er ist ausgewogen und ein vernünftiger Kompromiss, der sowohl den Interessen der Studenten und der gesamten Wissenschaftslandschaft als auch der Urheber und Verleger Rechnung trägt. Insbesondere begrüßen wir den darin vorgesehenen Vorrang der sogenannten Bildungs- und Wissenschaftsschranke vor Lizenzangeboten sowie die pauschale Abrechnung von Nutzungen eines begrenzten Umfangs von urheberrechtlich geschützten Werken.

Eine angemessene Vergütung für Urheber und Verleger ist damit, wie auch nach gegenwärtiger Rechtslage, sichergestellt.

Aus Perspektive von Studenten und Hochschulen ist es daher von enormer Bedeutung, dass bürokratischer und kostenintensiver Aufwand bei Nutzung und Abrechnung vermieden wird. Dem kommt der vorliegende Gesetzentwurf in seiner aktuellen Form nach.

So werden insbesondere digitale Semesterapparate an Hochschulen weiterhin ermöglicht.
Sollte das Gesetz nicht mehr in der laufenden Legislaturperiode verabschiedet werden, wird es zwangsläufig zur Abschaltung aller digitalen Semesterapparate an deutschen Hochschulen kommen. Dies würde zur erheblichen Einschränkung unserer Lern- und Forschungsmöglichkeiten im digitalen Zeitalter führen.

Die CDU, die Partei, der Sie angehören, ist an der Regierung. Stehen die Chancen also gut oder gibt es Schwierigkeiten zur Klärung dieser Frage mit der SPD, dem Koalitionspartner? Mag die SPD die Digitalisierung nicht?

Krishnan: Die Verlage fürchten, dass die vorgesehene Neugestaltung der Wissenschaftsschranke mit erheblichen wirtschaftlichen Nachteilen für sie verbunden ist. Rechts- und Bildungspolitiker sind sich in dieser Frage allerdings uneinig. Diese Sorge ist jedoch unbegründet.

Die Medien in einem „Semesterapparat" sind zeitlich beschränkt und beziehen sich lediglich auf einzelne Ausschnitte. Dauerhaft und vollständig benötigte Werke haben Hochschulen schon immer bei den Verlagen lizenziert und werden dies auch zukünftig tun. Wir haben unseren Standpunkt gegenüber der Fraktionsführung klar gemacht. Jetzt müssen Worten Taten folgen.

Und wenn keine Taten folgen: Was bedeutet dies für den Studenten konkret für seinen Alltag in der Universität?

Krishnan: Sollte das Gesetz nicht verabschiedet werden, wird es keine digitalen Semesterapparate mehr geben. Das heißt: Studenten müssen sich sämtliches Lernmaterial kopieren.

Jenovan Krishnan ist Bundesvorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und Mitglied des Bundesvorstands der CDU. Das Gespräch führte Ahmed Agdas.

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