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Die Pragmatikerin Merkel: Jede Krise ist auch eine Chance

22/11/2015 11:26 CET | Aktualisiert 22/11/2016 11:12 CET
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Am 22.11.2015 reagiert Angela Merkel zehn Jahre das Land. In der Huffington Post beantworten Politiker, Flüchtlinge, Studenten, Prominente und andere die Frage: Wie hat sich Deutschland seitdem verändert? Alle Stimmen könnt ihr hier lesen.

Wir schreiben das Jahr 1962, Hamburg. Die Hanseaten werden im wahrsten Sinne des Wortes überflutet, völlig unabsehbar und plötzlich. Jede Hilfe wird benötigt, es muss schnell gehen.

Menschen fliehen auf ihre Dächer, vor einer noch größeren Katastrophe als mit dem ohnehin großen Ausmaß von 340 Toten schützt Herr Schmidt, Innensenator und Pragmatiker. Der Macher, wird man ihn später nennen.

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Er handelt und gewinnt damit den nötigen Respekt. Formal gesehen hat er gegen das geltende Recht verstoßen, die Bundeswehr dürfte im Inneren nicht eingesetzt werden, trotzdem hat er richtig gehandelt und dafür wird er auch für immer geschätzt werden.

1974 übernimmt er auch die Regierungsverantwortung und wird der Nachfolger von Willy Brandt im Amt des Bundeskanzlers und bewältigt die Ölkrise und den Kampf gegen den RAF Terrorismus. Durch klugen Pragmatismus.

Die Bundesbürger haben dies nicht vergessen und zollen Adenauer am meisten Respekt, indem sie ihn auf Platz 1 setzen in der Frage der größten Kanzler. Der erste Bundeskanzler wird gefolgt von Brandt, darauf Schmidt fast gleichauf mit Kohl und schon findet die Amtsinhaberin ihren Platz, vor Erhard, Schröder und dem in Vergessenheit geratenen Kiesinger.

Jedem seine Krise - Jedem seine Chance

Es gibt Krisen, die schnell bewältigt werden müssen. Zum einen im Interesse des Landes, zum anderen aus moralischem Pflichtbewusstsein. Die Nachfolger im Amt, erst Kohl, dann Schröder und aktuell Frau Merkel haben ähnliche Herausforderungen vom Schicksal auf die Agenda geschrieben bekommen.

Das geht einher damit, dass Deutschland, Mittelpunkt des Kalten Krieges, Wirtschaftsmacht in der EU und in der Welt und Exportnation, in der Welt eine große Rolle spielt. Oft blicken die Staaten in aller Welt nach Deutschland.

Im Jahr 1989, als die Wiedervereinigung zustande kam, im Jahr 1999, als zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkriegs deutsche Soldaten ein Land bombardierten, als 2002 Schröder mit einem unmissverständlichen und fest entschlossenem Nein zum Irak Krieg den amerikanischen Freunden die kalte Schulter zeigte.

Frau Merkel hat nicht mildere Krisen zu bewältigen gehabt. Europa zu vereinen, vor allem die Frage, aus welcher Motivation heraus, war einfach zu beantworten, aber gleichwohl war es schwer zu vermitteln.

Europa ist zweifelsohne eine Wertegemeinschaft, aber um jeden Preis? Die Finanzkrise, ausgelöst im Jahr 2007, drängte insbesondere die Südeuropäischen Staaten an den Rand der Insolvenz.

Was kostet uns diese Wertegemeinschaft, zumal wir doch Frieden auf europäischem Boden um jeden Preis wollten, oder? Bundeskanzlerin Merkel beantwortete diese Frage wie sonst immer auch: Wir finden eine gemeinsame Lösung.

Eine pragmatische. Die Eurokrise ist noch nicht überwunden, aber Europa steht zueinander, das war und ist ein wichtiges Signal. Das ist die Pragmatikerin Merkel. Jede Krise ist auch eine Chance, wir müssen sie nur als solche betrachten, aus einer anderen Perspektive auch so definieren können.

Die Chinesen haben für die "Krise" genau dasselbe Zeichen wie für "Chance", dem einen seine Krise ist dem anderen seine Chance. Wir müssen nur anfangen, die Dinge aus einer anderen, langfristig gedachten Perspektive zu sehen.

Außenpolitik - Wichtig?

Wie wichtig die Außenpolitik nun ist und wie sehr sie uns tangiert wird in der gegenwärtigen Krise mal wieder deutlich. Es ist offensichtlich, dass außenpolitische Themen nicht das Philosophieren über Geschehnisse in der Ferne bedeutet, sondern uns unmittelbar vor der Haustür betrifft.

Eine Analyse darüber, wie sich die Länder entwickeln werden, bedarf einer Menge Erfahrung und Ermittlung. Wir müssen heute feststellen, dass wir damit umgehen müssen. Die Frage lautet nicht, ob wir damit umgehen wollen oder nicht, sondern wie wir damit geschickt umgehen.

Die Menschen aus den Kriegsgebieten kommen, ob wir wollen oder nicht. Die Menschen suchen Zuflucht bei uns und das ist ihr gutes Recht. Europa darf sich nicht abschotten und darüber hinwegsehen. Europa muss sich dieser Herausforderung stellen und damit umgehen.

Die Alternative wäre, dass tausende Menschen an den EU Außengrenzen verweilen. Sie werden sagen, ob wir nun in der Heimat getötet werden oder an der Grenze zur EU umkommen, was macht das schon für ein Unterschied? Wir müssen uns dieser Aufgabe aus humanitären Gründen stellen und Europa muss damit umgehen. Gemeinsam eine Lösung finden.

Politisch, moralisch und pragmatisch. Wenn wir klug agieren, können wir alle davon profitieren. Sowohl die Flüchtlinge als auch Europa insgesamt.

Wir brauchen Pragmatismus

Um daraus wirtschaftlich, kulturell und gesellschaftlich tatsächlich zu profitieren, brauchen wir wichtige Signale aus dem Bundeskanzleramt. Um die Herausforderung insgesamt zu meistern, brauchen wir Pragmatismus.

Das pragmatische Verhalten darf sich nicht nur auf der bundespolitischen Bühne abspielen, sondern auch an der Basis, in den Ländern und Kommunen - direkt vor der Haustür, unmittelbar von den Menschen vor Ort. An dieser Stelle ist auch die Zivilgesellschaft gefragt: Die Flüchtlinge langweilen sich in den Erstaufnahmeeinrichtungen.

Wir müssen mit den Menschen diskutieren, sie motivieren, sie in die Mitte der Gesellschaft holen, müssen sie zum Lachen bringen, sie konfrontieren. Und zwar mit unserer Kultur.

Wenn wir wollen, dass sich die Menschen in unser Land integrieren, müssen wir dafür Sorge tragen, dass sie sich heimisch fühlen. Dafür müssen wir unsere Heimat vorstellen. Wozu sonst haben wir unsere Museen, Theater und die Monumente, die uns und unsere Geschichte erzählen?

Die Krise ist da: Mach das beste daraus!

Die zu meisternde Krise von Frau Merkel ist die gegenwärtige Herausforderung mit den Flüchtlingen. Das ist ihre Sturmflut, ihre Agenda, ihre fest entschlossene Haltung wie Kanzler Schröder in der Irak Krise.

Sie wird ihre Herausforderung auch meistern: Mit Pragmatismus, Entschlossenheit und klugen Entscheidungen. Die klugen Entscheidungen müssen geordnete Verfahren schaffen, damit das Vertrauen in den Rechtsstaats bleibt. Die Bundesregierung unter der Führung von Frau Merkel bemüht sich genau darum.

Wer das politische Geschehen beobachtet, wird nicht bestreiten können, dass viele kleine Maßnahmen von der Bundesregierung auf den Weg gebracht werden, gerade weil dieser Weg erfolgversprechender und realistischer ist. Große Sprünge sind in der gegenwärtigen Herausforderung nicht zu landen.

Viele kleine, auch unbequeme Wege müssen wir gehen. Mit wir sind wir übrigens alle gemeint. Der Satz "Wir schaffen das!" beinhaltet mindestens zwei Botschaften: Zum einen "wir" alle. Alle müssen mitmachen. Zum anderen "schaffen", das kommt vom anpacken.

Alle müssen anpacken, dann schaffen wir das auch. Wir sind jetzt in der Situation, in der wir sind. Machen wir das beste daraus.

10 Jahre Merkel - ein Ende zum Glück nicht in Sicht

Kanzlerin Merkel hat die Bundesrepublik insofern geprägt, dass sie eine neue Willkommenskultur geschaffen hat. Sie setzt mit ihren Signalen neue Akzente und öffnet Deutschland, verleiht uns ein neues Gefühl von einem friedlichen Miteinander.

Sie gibt allen eine Chance, wieder auf die Beine zu kommen, in Vereinbarkeit mit den Interessen unseres Landes. Dass Griechenland wieder auf die Beine kommt, ist gut für Griechenland und für Deutschland. Dass die Flüchtlinge kommen dürfen, ist eine Chance für die Flüchtlinge und für Deutschland.

Die Bundeskanzlerin geht klug und pragmatisch vor, sorgt dafür, dass die CDU und das Land insgesamt bunter, weiblicher und jünger wird. Die "Mutti", wie sie auch mal liebevoll genannt wird, hat auch sicherlich Fehler gemacht. Das machen wir alle.

Sie ist nicht fehlerfrei, aber schafft ein neues, besseres Deutschland. Zehn Jahre ist sie nun im Amt und hat ihre europäische Krise, Finanzkrise und aktuell Flüchtlingskrise gut gemanagt. Sie vermittelt, ermittelt die Interessen und entscheidet erst dann.

Frau Merkel verkörpert ihren Satz durch ihr politisches Handeln zum Finden der gemeinsamen Lösungen: Im Interesse von uns allen.

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