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Das ist wirklich zu tun: Der 7 Punkte Plan.

23/01/2016 13:51 CET | Aktualisiert 23/01/2017 11:12 CET
dpa

Es wird viel darüber diskutiert, wie die Flüchtlingskrise gemeistert werden soll. Wenn auch viele sich von dieser Krise abschotten wollen und glauben, dass sich das Problem damit in Luft auflöst, beschäftigen sich auch viele mit der Frage, wie die Krise zu bewältigen ist. Menschen lösen sich nicht in Luft auf. Sie sind da und wir müssen damit umgehen. Hier stelle ich einen 7 Punkte Plan chronologisch vor:

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1- Transitzonen statt Registrierzentren für geordnete Verfahren

Registrierzentren verfehlen das Ziel. Indem bundesweit Registrierzentren aufgebaut werden, ist bis dahin der Aufenthalt der Flüchtlinge ein Rätsel. Transitzonen hingegen fangen die Flüchtlinge direkt an der Grenze auf und schaffen geordnete Verfahren.

Aus dieser Zone heraus können die Flüchtlinge bundesweit verteilt werden. Die beschlossenen Registrierzentren sind zum Scheitern verurteilt und Deutschland hat keine Zeit für Experimente. Transitzonen an der bayerischen Grenze, Einführung von geordneten Verfahren und eine gefestigte Struktur müssen aufgebaut werden.

2- Königssteiner Schlüssel neu denken

Je nach Größe und Anteil an der Gesamtbevölkerung sind die Bundesländer in einem Königssteiner Schlüssel aufgelistet. Dieser Anteil bestimmt auch die Aufnahme von Flüchtlingen, je größer ein Bundesland und je mehr Einwohner es hat, umso mehr Flüchtlinge soll es aufnehmen. Die Erfahrung aber zeigt, dass für eine gelungene Integration nicht die großen Städte, sonder eher ländliche Gebiete gut geeignet sind.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung steigt, wenn mehr Flüchtlinge aufs Land gehen.

Die Akzeptanz in der Bevölkerung steigt, wenn mehr Flüchtlinge auf dem Land in den Einrichtungen leben. Zumal auf dem Land immer noch ein Großteil der Bevölkerung lebt, der wesentlich älter ist als in den Ballungszentren. Diese Menschen können sich noch an ganz andere Flüchtlingskrisen erinnern. Wie nach dem zweiten Weltkrieg oder kurz nach dem Fall der Mauer. Des Weiteren befinden sich sämtliche leere Häuser auf dem Land. Die kommunale Verwaltung muss diese Häuser anmieten und den Flüchtlingen zur Verfügung stellen.

3- Integrationsabkommen

Ist jemand nach Deutschland gekommen, hat seine Identität und seine Angaben in der Transitzone, in der auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge integriert sein soll, gemacht und seinen Antrag abgegeben, so kann er in ein Bundesland und dann auch einer Gemeinde zugeordnet werden.

Auf dem Land angekommen, muss schleunigst an der Integration gearbeitet werden. Dazu zählen Verpflichtungen, denen der Flüchtling nachkommen muss. In dem Abkommen mit den Flüchtlingen müssen mehrere Schritte zur Integration in die Gesellschaft vereinbart werden.

4- Sprachkurse

Die Grundlage für eine gelungene Integration ist die Sprache. Wenn jemand langfristig in Deutschland leben möchte, erwarten wir zu recht, dass dieser auch die Sprache erlernt. Flüchtlinge müssen selbstständig zum Arzt gehen können, ihre Sorgen vortragen können. Sie müssen in einer Behörde, wenn auch nicht im Behördendeutsch, mit den Beamten kommunizieren können.

5- Bildung

Nach Deutschland gekommen, Antrag auf Asyl gestellt, seiner Gemeinde zugewiesen worden und den Sprachkurs begonnen, brauchen wir Kenntnis darüber, welchen Bildungsstand ein jener Flüchtling hat. Der Bund muss den Ländern dafür mehr Geld für Bildung zur Verfügung stellen, aber auch kontrollieren, dass die Gelder auch für Bildung ausgegeben werden.

Flüchtlinge müssen die Möglichkeit bekommen, einen Hauptschulabschluss nachzuholen.

Flüchtlinge müssen die Möglichkeit bekommen, einen Hauptschulabschluss nachzuholen, um eine Berufsausbildung machen zu können. Eine Ausbildung ist sehr wichtig für ein langfristig friedliches Miteinander. Wenn nötig, müssen diese Ausbildungen gesondert gefördert werden.

6- Arbeitsmarkt

Qualifizierte Flüchtlinge müssen in den Arbeitsmarkt integriert werden, sobald sie die Sprache erlernt haben. Die Politik muss mit der Wirtschaft an dieser Stelle intensiv zusammen arbeiten. Je früher die Flüchtlinge für sich selbst sorgen können, umso mehr können wir aufnehmen und noch mehr Menschen helfen.

Der Mangel an Fachkräften speziell in der Gesundheitsbranche kann durch die Flüchtlinge gelöst werden. Hier sind soziale Verbände gefragt. Wohlfahrtsverbände müssen mehr Unterstützung von der Politik für ihre Arbeit erfahren, um einen Beitrag zur Aufnahme einer Beschäftigung leisten zu können.

Der Arbeitsmarkt bietet etliche Chancen zur Integration von Menschen, nicht nur in der Gesundheitsbranche. Ganze vier Jahre müssen vergehen, bis Asylsuchende eine Beschäftigung bei einer Zeitarbeitsfirma aufnehmen dürfen. Zugleich fehlen Arbeitskräfte in der Produktion und in der Pflege. Zurzeit ist die Konjunktur der Bundesrepublik in einer guten Verfassung, davon sollten wir profitieren.

Wir müssen die Neuankömmlinge in die Mitte der Gesellschaft holen.

7- Gesellschaftliche Teilhabe

Die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen findet in den Vereinen, Verbänden und Organisationen statt. Ob es der Sport ist oder das Engagement bei der örtlichen Feuerwehr, wir müssen die Neuankömmlinge in die Mitte der Gesellschaft holen. Flüchtlinge müssen für eine Aktivität in einem Verein oder im Sport motiviert und von Beiträgen befreit werden.

Der wohl wichtigste Aspekt in der gegenwärtigen Krise ist der Pragmatismus. Die Umstände in den Ländern und Kommunen sind so unterschiedlich, dass eine bundesweite Regelung nicht unbedingt überall nützlich sein wird. Deshalb müssen die Kommunen kreativ sein und alles daran setzen, dass die Flüchtlinge die wichtigen Punkte erfüllen: Sprache, Bildung, Arbeit und Engagement in einem Verein. So meistern wir auch diese Krise, wie schon viele zuvor. Deutschland ist ein starkes Land und wird an dieser Krise wachsen und gestärkt in die Zukunft blicken.

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