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Ihr seid alle Terroristen

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Ihr habt euch beim Lesen des oben stehenden Titels nicht verlesen. Er ist genauso gemeint, wie er dort steht. Und wenn ihr mir nicht glaubt, dann könnt ihr ihn erneut lesen, nur um sicher zu sein, dass ihr euch nicht verlesen habt.

➨ Eine Zusammenfassung des Textes seht ihr im Video oben

Das hier ist eine Botschaft an diejenigen, die über uns Asylbewerber in den Medien herziehen und über uns reden, ohne zu wissen, wer wir sind.

Das hier ist eine Nachricht an meine "netten" Nachbarn, die mir böse Blicke zuwerfen, bevor ich das Wort "Hallo" überhaupt aussprechen kann.

Ich richte mich an all die alten Damen und Herren, die mich anschreien, wenn ich an ihnen mit meinem Fahrrad vorbeifahre; an diejenigen, die sich nicht "wohl" fühlen, wenn sie mich auf der Straße sehen, und an jeden, der das Schicksal von Flüchtlingen bestimmen will, ohne das Recht dazu zu haben.

Ich will nicht mehr verurteilt werden!

Natürlich könnt ihr nicht das fühlen, was ich fühle. Doch vielleicht könnt ihr euch vorstellen, was es bedeutet, überall von wildfremden Menschen verurteilt und bewertet zu werden.

Vielleicht könnt ihr euch das Gefühl vorstellen, das man empfindet, wenn einem das Recht abgesprochen wird, ein Leben in Frieden zu leben.

Falls ja, dann werdet ihr verstehen, dass es ein furchtbares Gefühl ist - ein Gefühl der Ohnmacht und der Verzweiflung. Alles, was man laut sagen will ist: Das ist mein Leben und niemand hat das Recht, willkürlich darüber zu bestimmen.

Mehr zum Thema: Nach der Flucht aus Syrien: Ich wünschte, dass meine ganze Familie hier wäre

Und dennoch: Überall in Deutschland sehe ich Menschen, denen es egal ist, wie wir Geflüchtete uns fühlen. Vor kurzem sah ich ein Video, in dem junge Deutsche gefragt wurden, wie sie zur Flüchtlingsfrage stehen. Viele der Antworten verärgerten mich zutiefst: "Es ist genug", "es gibt zu viele Flüchtlinge", "wir brauchen eine Obergrenze".

Manche von ihnen grinsten verstohlen, als ob Flüchtlinge verdorbene Waren wären, die man einfach so im Müll entsorgen könnte.

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Ich kann einfach nicht verstehen, was es da zu lachen gibt. Unzählige Frage drängen sich in meinem Kopf: Was geht in einem Menschen vor, der so etwas sagt?

Warum darf er von Dingen reden, die er nie erlebt hat? Wie kann man einen fremden Menschen, der Hilfe sucht derart verachten?

Der alltägliche Terror in Deutschland

Und überhaupt: Ist das nicht auch Terror? Einen Hilfesuchenden verbal zu bedrohen, ihn zu verurteilen, ihn mit diesen scheiß Sprüchen ständig Angst einzujagen? Für mich ist das Terror. Der tägliche Terror in Deutschland.

Was für eine Schuld trifft uns Flüchtlinge, dass wir so behandelt werden? Was haben wir euch getan? Stellt sich überhaupt jemand diese Fragen? Ich will Antworten!

Hört endlich auf, unsere Träume in furchtbare Albträume zu verwandeln! Unsere Seelen sind müde. Nähert euch uns an, lächelt zurück, grüßt zurück. Verhaltet euch wie Menschen.

Denn wir haben das Recht, uns sicher und wohl zu fühlen. Genau wie ihr.

(jz) (kap)

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der HuffPost zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.