BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Adrian Weiler  Headshot

Kundenwunsch „Sofort" - Mit Störungen umgehen lernen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Der Versandhandel boomt, Einkäufe finden immer mehr im Internet statt und die Same Day Delivery ist das neue Normal. Nach dem Kauf per Klick wollen Kunden möglichst schnell ihr Paket auspacken. Kein Wunder also, dass tagtäglich ein Paketdienst nach dem anderen durch unsere Straßen rauscht. Bald schon könnte sogar die Paketauslieferung mit Robotern zum Alltag werden. Als erster Paketzusteller in Deutschland testet das Logistikunternehmen Hermes diese Form des Bringdienstes seit einiger Zeit.

Doch wer die letzte Meile auf dem Weg zu unserer Haustür geht, ist für viele Unternehmen eine nebensächliche Frage. Der Roboterlieferant ist nur ein kleines Puzzleteil in einer Lieferkette, die vor ganz anderen Herausforderungen steht. Um dem Kundenwunsch der sofortigen Lieferung zu befriedigen, müssen sich die Auftragsabwicklung und Logistik zuvor bereits entsprechend effizient aufstellen. Wie lässt sich also eine reibungslose Lieferung im gesamten Prozess vollbringen? Und was müssen Unternehmen beachten, wenn sie es schaffen möchten, ihre Endkunden zufrieden zu stellen?

Zustellung 2.0 - Auf die Schnelligkeit kommt es an

Der Versandhandel ist immer mehr gefordert. Die Zustellung muss sofort erfolgen, Störungen im Warenstrom kann man sich praktisch nicht leisten. Was in diesem Zusammenhang jedoch „sofort" bedeutet, ist immer eine Frage der aktuell verfügbaren Möglichkeiten.

Das Angebot des Online-Handels noch am selben Tag der Bestellung zu liefern, die so genannte Same-Day-Delivery, ist immer stärker bei den Konsumenten gefragt. Und auch für Unternehmen ist das Geschäftsmodell mittlerweile interessant und zunehmend rentabel. So prognostiziert McKinsey bis 2020 den Durchbruch von Same-Day-Delivery mit einem Marktvolumen von rund drei Milliarden Euro. Viel von dieser Leistung hängt natürlich davon ab, wie zuverlässig und schnell der Weg von der Bestellung auf Knopfdruck bis zum Erhalt des Päckchens funktioniert.

Für mich basiert der Anspruch der zuvor erwähnten „Sofortness" auf der schon seit einiger Zeit stattfindenden Transformation unserer Gesellschaft. Und ich bin der der Meinung, dass wir Konsumenten diesen Wunsch zu Recht entwickelt haben. Schließlich bieten Digitalisierung und Vernetzung immer mehr innovative Möglichkeiten und Chancen für Unternehmen. Dass dieser Wandel auf Verbraucherseite mit einer hohen Akzeptanz aufgenommen wird, zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass der Onlinehändler Amazon seit ein paar Monaten auf Schnelldreher wie frische Lebensmittel setzt und damit die Entwicklung der Same-Day-Delivery auf eine neue Stufe hebt - wer bis zum Mittagessen weiß, was er einkaufen möchte, kann noch vor 16 Uhr seine Lieferung zu Hause entgegennehmen. Was aber bedeutet die neue gesellschaftliche Erwartungshaltung der Sofortness für unsere Wirtschaft?

1. Lernen, mit Störungen umzugehen

Zum einen hat die Komplexität von Warenflüssen deutlich zugenommen. Die Herausforderung besteht darin, die Ware in angemessenen Mengen auf Lager zu haben. Diese muss dann in der angebotenen Zeit - am besten sofort - zum Kunden geliefert werden. Hierbei spielt natürlich auch der Standort des Lagers eine zentrale Rolle. Zum anderen nimmt auch die Unvorhersehbarkeit aufgrund von Termindruck („Wird der Liefertermin fristgerecht eingehalten?"), Störungen („Werden Streiks die Zustellung verhindern?") oder jederzeit möglicher Änderungen („Was passiert, wenn Bestellungen im laufenden Prozess geändert werden?") zu. Zudem ist die Transportkette von der Fertigung bis zum Kunden sehr komplex und beinhaltet viele verschiedene Einflussfaktoren, die diesen Weg maßgeblich bestimmen. Dabei spielen die Informationen zwischen dem LKW-Transport und der Sortieranlage beispielsweise eine wichtige Rolle. Kommt es zu Änderungen im Transportverlauf, müssen sich diese in Echtzeit anpassen lassen. Dabei kommt eine manuelle Eingabe der Daten bei einer Größenordnung von beispielsweise 5,4 Millionen Produkten schlichtweg nicht in Frage.

Um diesen Herausforderungen jederzeit begegnen zu können, müssen Unternehmen auf eine agile Optimierung ihrer Geschäftsprozesse setzen. Dazu benötigen sie Technologien, die es ihnen erlauben, schnell zu handeln und auf Situationsänderungen flexibel zu reagieren. Die Technologie dazu sind entscheidungsintelligente Algorithmen, die konkret für die entsprechende Situation eine Handlungsempfehlung berechnen, auch wenn ad hoc eine Störung aufkommt. Und zwar hinreichend schnell und hinreichend clever, um der Komplexität der Entscheidungssituation gerecht zu werden. So sind sie in der Lage, selbst einen anspruchsvollen Logistikprozess effizient zu meistern. Der Verbraucher wird so gar nicht merken, dass es zu einer Störung gekommen ist, da die Zustellung trotzdem pünktlich erfolgt.

2. Das Geschäftsmodell „Sofort" als Wettbewerbsvorteil nutzen

Die Möglichkeit, den Kundenwunsch „Sofort" bedienen zu können, stellt für viele Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil dar. Und die technologischen Entwicklungen sowie die zunehmende Digitalisierung zeigen, dass Sofortness als Teil der Unternehmensstrategie immer mehr an Bedeutung gewinnt. Je ausgefeilter diese Strategie, desto lukrativer wird das Geschäft.

Für den Versandhandel heißt es also ein agiles Netzwerk zu pflegen, um dem Kundenwunsch gerecht zu werden. Und ob am Ende die Zustellung der Pakete durch Mensch oder Miniroboter erfolgt, ist zunächst nicht entscheidend.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.