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Digitalisierung im Management: Jedes Bauchgefühl braucht intelligente Algorithmen

06/12/2017 18:25 CET | Aktualisiert 06/12/2017 18:25 CET
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Unsere Geschäftswelt wird zunehmend komplex, immer vernetzter und schnelllebiger. Führungskräfte in Unternehmen können kaum mehr zuverlässig voraussagen, welche kurzfristigen Ereignisse sich wie auf ihre Geschäftsprozesse auswirken. Wer da Algorithmen und Bauchgefühl zu verknüpfen weiß, wird schnell auf Unvorhersehbares im Unternehmensalltag reagieren können, klügere Entscheidungen treffen und erfolgreicher sein als andere Unternehmen.

Bislang lautete die Devise: Führungskräfte führen. Führungskräfte entscheiden. Dieses Selbstverständnis wird jedoch in den kommenden Jahren immer mehr zur Herausforderung. Entscheidungen werden in Zeiten globaler, vernetzter Märkte und immer anspruchsvollerer, individualisierter Kundenerwartungen zunehmend komplex.

Manager hören gerne auf ihr Bauchgefühl - doch ist das auch immer gut so?

Getrieben vom Drang, Handlungsfähigkeit zu beweisen, vertrauen Manager gerne und häufig auf die eigene professionelle Einschätzung und ihren Instinkt. So fand eine Studie der Wirtschaftsprüfgesellschaft PwC kürzlich heraus, dass gerade bei strategischen Entscheidungen immerhin 30 Prozent der befragten Unternehmenslenker mehr ihrer Intuition und Erfahrung als den harten Zahlen trauen. Das zeigt: Eine gewisse Skepsis gegenüber dem praktischen Nutzen von Datenmenge besteht bei Managern nach wie vor. Es mag sein, dass ein auf Erfahrung beruhendes Bauchgefühl in manchen Situationen effizient funktioniert; zum Beispiel, wenn es sich um Standardabläufe handelt. Hier kommt eine gute Intuition schon relativ nah an die optimale Lösung eines Problems heran.

Doch müssen sich Führungskräfte vor allem eine Sache eingestehen: Je stärker Termindruck und Komplexität ihr Handeln bestimmen, desto fehleranfälliger wird ihr Instinkt. Gerade im taktischen und operativen Management, wo häufig Unvorhersehbares ihre Planung „über den Haufen wirft", hat das gravierende Folgen für die Effizienz. Reines Bauchgefühl erzielt in unserer immer stärken vernetzten Welt und bei immer komplexeren Prozessen keine guten Ergebnisse mehr.

Absichern durch Algorithmen lautet die Devise

Hier kommt das Potenzial der Digitalisierung ins Spiel. Denn wenn Führungskräfte blitzschnell und unter großem Stress entscheiden müssen, können intelligente Algorithmen als wertvolle Berater fungieren. Sie liefern konkrete Handlungsempfehlungen an Manager, wenn diese von Komplexität und Volatilität ihrer jeweiligen Betätigungsfelder überfordert sind, etwa in der Produktion oder der Logistik. Viele Unternehmen haben das schon erkannt.

Ein Beispiel: Agile Optimierung in der Automobilindustrie

Nehmen wir beispielsweise die Automobilproduktion: Hier arbeiten Entscheider weltweit bereits erfolgreich Seite an Seite mit Algorithmen aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz. Sie berechnen schnell und clever Handlungsvorschläge, etwa in Form optimierter Transportreihenfolgen.

Denn die zunehmende Komplexität und Variantenvielfalt der Baureihen stellt gerade die Logistik der Produktionsversorgung vor immense Herausforderungen: Bei Audi, BMW oder Daimler fallen täglich in einem einzigen Werk typischerweise über 100.000 interne Transporte zwischen Lagern und Produktion an. Die Fülle der mathematisch möglichen Transportabläufe übersteigt in solch einem Fall die Anzahl der Atome im uns bekannten Universum. Wie sollen Disponenten da unter Einbezug aller relevanten Parameter, wie Durchlaufzeiten oder Verfügbarkeiten von Fahrzeugen und Personal, die beste Transportreihenfolge finden? Eine solche Planung nur auf Basis reinen Bauchgefühls, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Und kommt es dann noch zu einer Verzögerung im Produktionsablauf, etwa wenn sich ein Lieferant ungeplant verspätet oder eine Maschine plötzlich ausfällt, wirkt sich das unmittelbar auf die gesamte Transportfolge aus. Angesicht der beschriebenen Fülle an möglichen Handlungsalternativen kann man sich sicherlich vorstellen, unter welchem Druck Disponenten stehen, die dann „mal eben" umdisponieren sollen.

Manager müssen delegieren - auch an Algorithmen

Das macht deutlich: Wirklich gute taktische oder operative Entscheidungen können Manager ohne leistungsfähige IT-Systeme und das von Ihnen generierte und ausgewertete Datenvolumen nicht mehr treffen. Von optimalen Entscheidungen ganz zu schweigen. Führungskräfte, die heute noch mit dieser neuen Realität hadern, gefährden langfristig die Konkurrenzfähigkeit ihres Unternehmens. Agile Optimierung sichert Entscheidern hingegen echte Wettbewerbsvorteile und bietet ihnen ganz neue Chancen, Prozesse zu gestalten und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Unvorhersehbaren zu stärken.

Nicht zu vergessen ist, dass Manager mit ihrer Erfahrung eine wichtige Kontrollfunktion behalten und dafür sorgen, dass auch in Ausnahmefällen, die in der Programmierung des Algorithmus nicht vorgesehen sind, die richtigen Entscheidungen gefällt werden. Bei der Managementstrategie der Agilen Optimierung geht es schließlich auch immer darum, dass künstliche Entscheidungsintelligenz im interaktiven Zusammenspiel mit dem Menschen zum Einsatz kommt - eine sichere Kombination aus Algorithmen und Bauchgefühl.

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