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Aus Störungen erwächst unternehmerisches Potential

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Welche Planungssicherheit haben Unternehmen heute eigentlich? Die Antwort: eigentlich eine sehr geringe. Beispiele hierfür gibt es zu genüge. Man bedenke zum Beispiel, was passiert, wenn dringend benötigte Teile für die Produktion nicht geliefert werden können. So kam es bei Volkswagen im vergangenen Jahr zu Engpässen in der Fertigung, da ein Zulieferer benötigte Getriebekomponenten für Automatikgetriebe sowie Sitzbezüge nicht mehr bereitstellte. Der Grund: ein Rechtsstreit. Was bedeutet aber ein solcher Zwischenfall für das Unternehmen, das auf die Lieferung angewiesen ist? Im Fall von Volkswagen wurde zum damaligen Zeitpunkt sogar eine „Flexibilisierung der Arbeitszeit" geprüft, da der Lieferstopp zu Produktionsengpässen führte.

Vernetzte Prozesse führen zu mehr Fehlern

Große Disruptionen wie ein solcher Rechtstreit oder gar Naturkatastrophen treten glücklicherweise recht selten auf. Was in der Diskussion um Risikomanagement und Planungssicherheit aber oft vernachlässigt wird, sind die vielen kleinen Störungen, Ausfälle, Verspätungen, kundenseitigen Änderungswünsche und andere unerwartete Ereignisse, die in Summe jegliche Planungssicherheit zunichte machen.

Aktuelle Trends sind eine zunehmende Individualisierung von Kundenwünschen, kürzere Lieferfristen und strengere Termine, sowie die enorme Vernetzung aller Liefer- und Leistungsprozesse mit den daraus resultierenden Abhängigkeiten. Das führt dazu, dass Unvorhersehbares zunehmend häufiger auftritt und auch immer schlimmere Folgen nach sich zieht - in Form von Terminverzug, Umsatzausfall, und einer großen Belastung der Kundenbeziehungen. Was den Unsicherheitsfaktor neben der Komplexität vernetzter Supply Chains noch weiter in die Höhe treibt, ist ein gesellschaftliches Phänomen, das den Anspruch von Seiten der Konsumenten widerspiegelt: Sofortness. Der Begriff, geprägt von dem österreichischen Autor Peter Glaser, bezeichnet die Erwartung, Waren „jetzt" zu erhalten, eine unverzügliche Erfüllung des Konsumentenwunsches. Abwarten und ausharren ist für den Kunden keine Option, für Störungen hat er wenig Verständnis.

In einem hart umkämpften Markt müssen Unternehmen mit vernetzten, beschleunigten Prozessen umgehen können. Denn Unvorhersehbares wie einen plötzlichen Lieferverzug zu managen und trotzdem eine Lieferung just-in-time zu garantieren, ist selbst für die größten Player in der Industrie kein leichtes Unterfangen. Kommen weitere unplanbare Ereignisse wie sogenannte Chefaufträge (die in der Regel vor allen anderen bearbeitet werden müssen), mangelhafte Ware oder ein Maschinenausfall hinzu, so steigt die Unsicherheit in der Supply Chain zusätzlich an. Wird die Wertschöpfungskette aufgrund von aufkommenden Fehlern unterbrochen, ist die Planungssicherheit für einzelne Aufträge nicht mehr gegeben. Die Einhaltung des fest zugesicherten Liefertermins gegenüber dem Kunden ist damit nicht mehr gewährleistet. Im Zuge einer zunehmenden Beschleunigung im Prozessgeflecht werden derartige Fehler auch immer alltäglicher.

Zu glauben, dass diese Störungen und Fehler vermieden werden können, ist ein Trugschluss. Aufwand in die Vermeidung dieser Störungen zu stecken, rentiert sich in der Regel nicht. Entscheidend ist eher, dass man unvorhersehbare Ereignisse in neues Potential verwandeln kann. Wer höchste Servicequalität bieten will, muss Unvorhersehbares managen können.

Unvorhersehbares managen - Aus Fehler wird Potential

Unvorhersehbarkeit zu managen erfordert die richtige Strategie, um eine optimierte, für die Situation angemessene Entscheidung blitzschnell treffen zu können. Dank der fortschreitenden Digitalisierung steht Entscheidern zwar eine immense Masse an Daten zur Verfügung, jedoch bringen Technologien wie Business Intelligence lediglich Erkenntnisgewinn und Transparenz. Das hilft Verantwortlichen bei schnellen Entscheidungen aber nur bedingt weiter.

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Denn beim Eintritt unerwarteter Ereignisse gibt es oft eine große Vielfalt möglicher Handlungsoptionen, wie in diesem Moment reagiert werden könnte. Um der geänderten Situation gerecht zu werden, gilt es, unter großem Zeitdruck nicht nur einfach irgendeine Planung, sondern eine möglichst gute Planung zu erzeugen.

Die Managementstrategie Agile Optimierung ist somit eine gute Antwort auf die Herausforderungen einer zunehmend vernetzten und beschleunigten Geschäftswelt. Sie erfordert IT Unterstützung durch entscheidungsintelligente Algorithmen für eine optimale Verteilung von begrenzten Unternehmensressourcen. Kommt es zu einer Störung, können die eingeplanten Ressourcen blitzschnell und zugleich intelligent umdisponiert werden. Auf diese Weise wird aus unvermeidbaren und unvorhersehbaren Situationsänderungen doch noch unternehmerisches Potential generiert. Das steigert die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen, vor allem aber ihre Resilienz gegenüber dem Unplanbaren.

Anwendungsfelder der Managementstrategie der Agilen Optimierung finden sich in der Absatz- und Bestandsplanung, Produktionsplanung, im Supply Chain Management, in Transport und Logistik sowie im Finanzsektor - also überall dort, wo die Digitalisierung Einzug in unsere Gesellschaft gehalten hat.

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