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Hartz IV muss endlich reformiert werden

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HARTZ IV
dpa
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Es wird wieder einmal über Hartz IV gestritten. Dieses Mal über die Erhöhung des Regelsatzes. Viele Kritiker finden die geplante Erhöhung von 5 Euro auf nun 409 Euro unangemessen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert deshalb sogar 520 Euro.

Die entscheidende Frage ist jedoch: Streiten wir uns bei Hartz IV nicht um das Falsche? Es geht doch darum, dass Menschen wieder Arbeit finden. Der Regelsatz soll dabei nur eine Art Schmerzensgeld, beziehungsweise Übergangsgeld sein.

Die Realität sieht leider anders aus. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniert seit einigen Jahren. Die betroffenen Menschen haben schlechte Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt und finden kaum eine Stelle. Sie haben mit vielen individuellen Problemen zu kämpfen, die in der Fachsprache Vermittlungshemmnisse genannt werden.

Hartz IV ist ein Synonym für Perspektivlosigkeit geworden

Das wahre Problem im Hartz-IV-System heißt Perspektivlosigkeit. Viele Langzeitarbeitslose sehen keine Perspektive in ihrem Leben. Sie sind niedergeschlagen und fühlen sich hilflos. Ja, manche fühlen sich alleine gelassen. Die Frage ist: Was muss getan werden?

Seit vielen Jahren wissen wir, dass die Betreuung in vielen Jobcentern nicht ausreichend ist. Wie kann sich ein Mitarbeiter adäquat um 150 Personen kümmern? Das ist nicht möglich - gerade vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Problemlagen.

Die Jobcenter brauchen aber nicht nur mehr Personal. Auch die Arbeitsweise muss sich ändern. Dies liegt weniger an den Mitarbeitern, als an der Logik des Systems. Die Gespräche mit Langzeitarbeitslosen ähneln manchmal Rechtsfolgebelehrungen.

Das ist zwar notwendig, aber nicht ausreichend. In Zukunft muss ein größerer Wert darauf gelegt werden, die Menschen zu motivieren und Perspektiven aufzuzeigen. Damit kann Perspektivlosigkeit ein Stück weit überwunden werden.

Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit vorantreiben

In den vergangenen Jahren wurde viel ausprobiert. Dadurch ist bekannt, welche Maßnahmen helfen und welche eher weniger. Es ist wichtig, dass die Langzeitarbeitslosen und ihre individuellen Probleme im Zentrum der Bemühungen stehen.

Erst wenn diese gelöst sind, ist der Weg in den Arbeitsmarkt frei. Das Thema Qualifizierung hat eine überragende Bedeutung. Ja, es ist oft ein mühevoller Prozess, aber er lohnt sich langfristig. Gerade für Flüchtlinge sind Sprachkenntnisse von äußerster Wichtigkeit. Schon in der Vergangenheit gab es hier Probleme. Deshalb brauchen wir hier mehr denn je innovative Lösungsstrategien.

Die Mitarbeiter müssen mehr im Fokus stehen

Die Mitarbeiter in den Jobcentern leisten einen guten Job. Nicht immer sind sie aber auf die Herausforderungen des Alltags vorbereitet. Für Jobvermittler besteht dieser nicht nur aus Rechtsfolgebelehrungen, sondern aus Beratung und Unterstützungsleistungen.

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Dieser Spagat ist oft sehr schwierig, weil er eine Reihe von Fähigkeiten verlangt. An dieser Stelle muss etwas passieren. Die Mitarbeiter müssen in der Lage sein, diesen Anforderungen gerecht zu werden.

Parallel dazu sind die Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter zu verbessern - unter anderem in puncto Gehalt sowie Gestaltungsspielräume. Nur auf diesem Wege werden auch qualifizierte und engagierte Menschen diesen Beruf wählen.

Warum eine Reform notwendig ist

Jedes Jahr ohne Reformen kostet mehr Geld in der Zukunft. Umso länger die Menschen in Hartz IV bleiben, desto schwieriger kommen sie dort wieder heraus. Durch die Agenda 2010 und die gute wirtschaftliche Lage haben viele Menschen Arbeit gefunden.

Sie konnten zum Teil ohne große Unterstützung wieder in den Arbeitsmarkt gelangen. Dies ist bei den langzeitarbeitslosen Menschen nicht möglich. Und genau vor diesem Hintergrund müssen wir das Hartz-IV-System an die derzeitigen Bedingungen und Herausforderungen anpassen.

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