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Wie gestalten wir die Arbeitswelt von morgen?

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"Die Zukunft der Arbeit" - diesem Thema widmete sich eine internationale Konferenz in Zürich, die ich im vergangenen Monat besucht habe. Experten aus aller Welt diskutierten in verschiedenen Fachforen über die Digitalisierung der Arbeitswelt sowie deren Folgen für Wirtschaft, Staat und Gesellschaft.

Zuerst einmal waren sich alle Experten einig, dass sich die Arbeitswelt durch die Digitalisierung stark verändern wird. Unterschiedliche Einschätzungen gab es jedoch dazu, wie diese Veränderungen aussehen werden.

Eine Prognose des Weltwirtschaftsforums in Davos kam Anfang dieses Jahres zu dem Schluss, dass alleine fünf Millionen Arbeitsplätze in den kommenden fünf Jahren in den Industrieländern wegfallen werden. Eine Studie der Boston Consulting Group geht hingegen von einem sechsprozentigen Beschäftigungszuwachs in Deutschland über die nächsten zehn Jahre aus.

Diese beiden Schätzungen gehen von höchst unterschiedlichen Vorzeichen aus - Arbeitsplatzverluste vs. Beschäftigungszuwächse. Sie zeigen aber auch, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt ein Prozess ist, der gestaltet werden kann. Es kommt nur darauf an, wie man diesen Prozess gestaltet.

Welche Dinge dabei wichtig sein könnten:

- Es fehlt bisher an politischen Reformoptionen für verschiedene Szenarien der Digitalisierung. Vor allem die Zukunft der sozialen Sicherung ist ein weitestgehend blinder Fleck in dieser Debatte.

- Nicht alle Sozialpartner sind sich darüber im Klaren, dass die Digitalisierung ihr Geschäftsmodell in Frage stellt. Wenn die handelnden Akteure nicht mit der Zeit gehen, dann wird es mit der Zeit ohne sie gehen.

- Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat das Potential, die globale Ungleichheit zu vergrößern. Die Jobverluste durch Automatisierung werden nämlich tendenziell eher mittlere Einkommensprofile betreffen. Es besteht die Gefahr, dass es eine Spaltung in gefragte Experten und schlecht bezahlte Dienstleister auf dem Arbeitsmarkt geben wird.

- Die Rolle von Fort- und Weiterbildung wird in Zukunft von überragender Bedeutung sein. Wenn wir es schaffen, ein System des "lifelong learning" zu implementieren, können Menschen Arbeitslosigkeit besser vermeiden beziehungsweise schneller überwinden.

- Die Digitalisierung der Arbeitswelt wird ohne Frage zu einer Flexibilisierung des Arbeitslebens führen. Es wird neben der Organisation seitens der Unternehmen und der Sozialpartner vor allem auf die Eigenverantwortung der Menschen ankommen. Wenn diese Chancen richtig genutzt werden, gewinnen am Ende beide Seiten.

- Langfristig profitieren wir von der Digitalisierung der Arbeitswelt. Der Transformationsprozess wird jedoch disruptiv sein und für einige Gesellschaftsgruppen schmerzhaft. Der Staat muss an dieser Stelle bestimmte Entwicklungen abfedern und gegebenenfalls dagegen steuern.

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