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Digitalisierung und Arbeitsmarkt - vorweggehen statt davonlaufen

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Thomas Peter / Reuters
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Am vergangenen Sonntag ging es in der Fernsehsendung Anne Will hoch her. Dabei ging es nicht um Syrien oder den Islamistischen Terror, sondern um die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt. Eines wurde deutlich: Vielen Menschen macht die Digitalisierung Angst. Sie befürchten, dass ihre Jobs verschwinden und Arbeitslosigkeit die Folge ist.

Digitalisierung als Chance betrachten

Zukunftsangst ist nichts Neues, sie ist vielmehr ein zeitloses Phänomen. Im Zuge großer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen hat sie immer eine wichtige Rolle gespielt - auch in Deutschland. Als großes Zukunftsthema ist auch die Digitalisierung mit Angst besetzt. Schon im August 1966 veröffentlichte der SPIEGEL einen Artikel mit dem Titel „Wer hat Angst vor Robotern?". Interessant ist, dass schon damals der Duktus „Automation - Risiko und Chance" benutzt wurde.

Mehr zum Thema: So könnte die Arbeitswelt von morgen aussehen

Heute stehen wir neuen Risiken und Chancen gegenüber. Erfreulich ist aber, dass hierzulande viele Akteure die Digitalisierung als Chance betrachten. Selbst Gewerkschaften haben die Gestaltungsmöglichkeiten der Digitalisierung für sich entdeckt. Dies bedeutet nicht, dass die Risiken übersehen werden. Es steht aber die Gestaltung im Vordergrund.

Paradigmenwechsel bei der Arbeitsmarktpolitik vollziehen

Einige Berufsbilder werden sich verändern oder wegfallen. Dafür entstehen neue Jobs und Möglichkeiten in vielen Bereichen. Diesen Veränderungen können wir nicht mit den Strategien und Werkzeugen von heute begegnen. Um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, brauchen wir deshalb einen Paradigmenwechsel. Folgende Ansatzpunkte halte ich dabei für wichtig:

Erstens muss das Konzept des lebenslangen Lernens konsequent in der Praxis umgesetzt werden. Hierzu gehört, dass Arbeitgeber konkrete Elemente der Weiterbildung in ihren betrieblichen Organisationsablauf integrieren. Es müssen Anreize geschaffen werden, damit sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer für Weiterbildung entscheiden.

Es sind nämlich oft finanzielle Gründe, die beide Seiten davon abhalten. Letztendlich ist es zentral, dass der Staat Weiterbildung fördert und sie zu einem festen Bestandteil jeder Erwerbsbiografie wird. Diese Forderung hört sich unspektakulär an, sie hat jedoch massive Auswirkungen in der Praxis.

Zweitens muss in der Arbeitsmarktpolitik mehr auf Prävention gesetzt werden. Im Kern geht es um folgende Frage: Mit welchen Maßnahmen können wir das Risiko von Arbeitslosigkeit verringern? Hierfür muss es konkrete und andauernde Beratungsangebote (analog oder digital) für alle Erwerbstätigen in Deutschland geben.

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Drittens benötigen wir eine flexible und zukunftsorientierte Ausgestaltung der sozialen Sicherungssysteme. Durch die Digitalisierung entstehen Beschäftigungsformen, die in unseren sozialen Sicherungssystemen bisher nicht abgebildet sind. Hierzulande unterscheidet man noch zwischen Arbeitnehmern und Selbstständigen.

Diese klassische Unterscheidung wird es in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr geben. Stattdessen werden Mischformen an Bedeutung gewinnen. Der Staat muss auf solche Entwicklungen reagieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist das Thema Altersvorsorge.

Das derzeitige System ist auf Personen ausgerichtet, die abhängig beschäftigt sind und meistens eine ununterbrochene Erwerbsbiographie vorweisen können. In Zukunft wird jedoch vor allem der Teil selbstständiger Beschäftigter ansteigen, insbesondere Solo-Selbstständiger. Auch darauf muss der Staat eine Antwort geben.

Dass die Digitalisierung den Arbeitsmarkt verändern wird, steht fest. Wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen, sind wir für diese große Aufgabe gewappnet. Ihre Bewältigung kann eine Chance sein - für mehr Wohlstand und ein besseres Leben.

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