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Chancengleichheit statt sozialpolitischer Gießkanne

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GERMANY POOR PEOPLE
Fabrizio Bensch / Reuters
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Die aktuelle Debatte über soziale Gerechtigkeit ist diffus. Anstatt sich konkreten Problemen zu widmen, sprechen die meisten über ein generelles Gefühl des Abgehängt-Seins. Irgendetwas würde in Deutschland nicht richtig funktionieren. Schlussfolgerung: mehr Umverteilung. Ohne Zweifel, Umverteilung ist ein ganz bequemes Mittel, um sein Gewissen zu beruhigen. Leider schafft es weder Chancen noch Perspektiven.

Wir wollen ein Land der Chancen sein und dabei kommt es für mich auf folgende konkrete Ansatzpunkte an:

1. Problem: "Rund 30% der Hartz-IV-Empfänger sind Mütter mit Kindern unter 18 Jahren. Besonders betroffen sind alleinerziehende Mütter."

Lösung: Viele Alleinerziehende möchten ihren Lebensunterhalt selbst erwirtschaften. Für sie ist es jedoch oft schwierig, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Vor diesem Hintergrund muss an zwei Stellschrauben gedreht werden. Zum einen muss die finanzielle Unterstützung für alleinerziehende Mütter erhöht werden. Die Eigenschaft des Mutterseins darf kein Hartz-IV-Merkmal sein. Zum anderen müssen wir die Kinderbetreuung verbessern. 24-Stunden-Kitas und gebührenfreie Kindergärten müssen zum Normalfall werden.

2. Problem: "Wer hierzulande in eine Geringverdiener-Familie hineingeboren wird, wird mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit selbst ein Geringverdiener - so eine Studie der OECD."

Lösung: Um sozialen Aufstieg zu ermöglichen, müssen wir vor allem bei der frühkindlichen Bildung ansetzen. Neben mehr Investitionen braucht es eine intensivere Betreuung sowie eine bessere Sprachförderung von benachteiligten Kindern. Sie brauchen mehr Aufmerksamkeit und Zeit als andere Kinder. Studien aus anderen Ländern zeigen, dass Kinder mit einer guten Vorschulerziehung seltener die Klasse wiederholen und öfters einen Schulabschluss vorweisen können.

3. Problem: "Jedes Jahr verlassen in Deutschland knapp 50.000 Jugendliche die Schule ohne Abschluss."

Lösung: Angesichts des demographischen Wandels und der Chancengleichheit dürfen wir uns nicht mit einer solch hohen Zahl von Schulabbrechern zufrieden geben. Es braucht deshalb mehr Unterstützungsangebote an Schulen. Die Bildungsinitiative „Teach First" setzt mit dem Einsatz von Akademikern als Ersatzlehrer genau an diesem Punkt an. Solche Initiativen müssen flächendeckend von den jeweiligen Landesregierungen eingeführt werden.

4. Problem: "Arbeitnehmer mit geringer Qualifikation profitieren deutlich weniger von Weiterbildung durch ihre Betriebe als Höherqualifizierte."

Lösung: Trotz gesetzgeberischer Maßnahmen (Arbeitslosenversicherungsschutz- und Weiterbildungsstärkungsgesetz) fehlt es bei der Weiterbildungsförderung noch an der nötigen Effektivität. Im Kern geht es um die Frage der finanziellen Anreize. Geringqualifizierte können es sich oft nicht leisten, eine Weiterbildung in Anspruch zu nehmen. Vor diesem Hintergrund schlägt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vor, statt eines Prämienmodells ein Aufstockungsmodell umzusetzen. Konkret schlagen die Experten ein Aufstockungsbetrag von 300 Euro vor.

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