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Integrieren oder nicht, das ist hier die Frage

22/07/2017 16:08 CEST | Aktualisiert 22/07/2017 16:09 CEST
Wolfgang Rattay / Reuters

Aufgrund ihrer Beobachtungen unterscheidet die Autorin die Bewertung der Integration im Alltag von vier Gruppentypen zwischen den bewertenden und den bewerteten Gruppen. Eine Gruppe, die altgesessenen oder in der Mehrheit ist, bewertet eine andere, die neu oder in der Minderheit ist. Wie eine Gruppe bewertet und wie die andere reagiert, kann zu einer gelungenen oder einer gescheiterten Integration führen.

Der erste Gruppentyp ist zwischen Deutschen und Nichtdeutschen. Praktische Integration im Alltag ist noch top down annähert, d.h. die Mehrheitsgesellschaft entscheidet, wieweit wen sich integrieren soll. Zur Teilhabe im sozialen Verhältnis leben viele Einheimische und Migranten immer noch nebeneinander. Es gibt derzeit wenige Beispiele für eine gelungene Integration und mehr Beispiele für Parallelgesellschaft mit Problemen wie Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Dies verursacht einen Vorwurf und eine Ablehnung, dass Migranten nur Interesse an sozialer Hilfe vom Staat haben und sich nicht integrieren. Der Vorwurf zeigt oft auf einen bestimmten Stereotyp einer Herkunft oder in negativerem Fall nach dem Aussehen des Betroffenen.

Der zweite Typ sind die Gruppen zwischen Einheimischen und die niedergelassenen Migranten (z.B. damalige Gastarbeiter, Spätaussiedler, ehemalige Flüchtlinge) auf einer Seite und Flüchtlinge auf der anderen Seite. Die existierte Gesellschaft verurteilt Flüchtlinge, dass sie vor dem Sozialsystem und Arbeitsmarkt mehr bevorzugt sind. Die eingesessenen Bürger fühlen sich vernachlässig und spekulieren, dass der Staat der Flüchtlinge mehr Aufmerksamkeit schenkt. In diesem Fall sind die integrierte Gruppe, also die Ansässigen, „plötzlich einig", dass die noch nicht integrierte Gruppe, spricht die Flüchtlinge, ihre Konkurrenz sind.

Der dritte Gruppentyp ist nicht muslimische Gesellschaft versus muslimische Migranten. Islam steht zurzeit im Mittelpunkt der öffentlichen Diskurse über Integration. Durch das Flüchtlingskontingent aus den muslimischen Ländern nach Europa ist das Thema Islam und Muslime im Vordergrund, jedoch leider in einer benachteiligten Position. Vorwürfe und Misstrauen über Islam verursacht eine Kettenreaktion an einem Zusammenleben in der Gesellschaft. Unter Menschen mit Migrationshintergrund kommt es noch vor, dass sie auch aufgrund des Glaubens gegenseitig differenzieren.

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Der vierte Typ ist eine Minderheitsgruppe innerhalb der Minderheitsgesellschaft. Beispiel: Von den Gesprächen mit den dunkelhäutigen Menschen lautet eine Behauptung, dass je heller einer Hautfarbe ist, desto mehr akzeptiert fühlt man sich in der Mehrheitsgesellschaft. Eine bestimmte Ethnie wird vor den Augen anderer Volks niedriger betrachtet, etwa Migranten aus Asien besser als aus Afrika. Arbeiter aus Indonesien, Malaysia oder Philippinen sind in arabischen Ländern, auch in Syrien billige Arbeitskräfte. Einige syrische Geflüchtete pauschalisieren die in Deutschland lebenden Indonesier oder Philippinen als einfache Menschen.

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