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Ich dachte, ich hätte nur einen Kater - drei Wochen später war ich gelähmt

20/04/2017 17:22 CEST | Aktualisiert 20/04/2017 17:23 CEST
Rosley Majid / EyeEm via Getty Images

Drei Wochen. Nur drei Wochen waren es, in denen ich mich von einem jungen, aktiven Mann in seinen 20ern, der Theater- und Tanzprojekte machte, Fußball spielte und in einer Bar arbeitete, zu einem gelähmten Mann in einem Krankenhausbett verwandelte.

Als ich eines Morgens nach einer durchtanzten und durchzechten Nacht aufwachte und ein Kribbeln in meinen Füßen verspürte, wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich innerhalb von Tagen nicht mal mehr in der Lage sein würde, normal zu laufen und dass man mich ins Krankenhaus schleppen würde, damit Ärzte mich operieren und beatmen könnten, um mich am Leben zu erhalten.

Zuerst dachte ich, dass dieses komische Kribbeln von einem ungewöhnlichen Kater käme. Meine Füße waren kalt, als hätte ich sie die Nacht über aus dem Bett hängen lassen. In den nächsten Tagen aber breitete sich das Kribbeln in meinen Beinen aus und vermischte sich mit Schmerzen und Taubheitsgefühlen.

Ich besuchte meinen Hausarzt drei Mal - zuerst dachte er, es wäre ein Virus, dann ein eingeklemmter Nerv. Aber die Diagnose schien nicht zu stimmen, und der Schmerz und die Taubheit breiteten sich in meinen Armen und Schultern aus.

Ich bekam immer mehr Angst.

Ein paar Tage später brach ich im Badezimmer zusammen - ich konnte mein eigenes Körpergewicht nicht mehr halten. Ein Krankenwagen wurde gerufen und ich wurde in die Notaufnahme gefahren.

Eingesperrt im eigenen Körper

Während verwirrte Ärzte versuchten, den Grund für meinen Zustand herauszufinden, wurde es immer schlimmer. Ich hatte das Gefühl in meinem ganzen Körper verloren und konnte mich nicht mehr bewegen und ich hatte schreckliche Schmerzen. Ich hatte furchtbare Angst davor, nicht sprechen zu können - ich konnte nicht mal blinzeln.

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Ich war wie eingesperrt - ich konnte alles um mich herum hören und verstehen, aber ich konnte mich gegenüber meiner Familie und den Ärzten nicht verständlich machen.

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Als die Ärzte meine mysteriöse Krankheit als Guillain-Barré-Syndrom diagnostizierten, meinten sie, sie müssten einen Luftröhrenschnitt durchführen, weil ich nicht mehr selbst atmen konnte. Als sie mich in den OP brachten, sah ich die geschwollenen und tränenverschmierten Gesichter meiner Familie und war überzeugt davon, dass ich sterben würde und dass sie mich angelogen haben, als sie sagten, ich würde in zwei bis drei Tagen wieder aufwachen.

Ich habe die Ärzte ganz schön durcheinander gebracht, als ich schon am nächsten Tag wieder aufwachte.

Eine Krankenschwester sagte, vielleicht habe ich wegen meines Willens, gesund zu werden, gegen das Betäubungsmittel angekämpft, um früher aufzuwachen. Aber ich hatte noch einen langen Weg vor mir. 95 Prozent aller GBS-Patienten erholen sich vollständig, aber das dauert Monate und braucht viel harte Arbeit und Willensstärke.

Mein Wunsch, zu meinem vorherigen Wohlbefinden und Bewegungslevel zurückzukommen, spornte mich während der drei Monate schmerzhafter Physiotherapie an. Ich hatte mich von einem körperlich sehr aktiven Menschen zu einem bettlägrigen Krankenhauspatienten entwickelt.

Erschöpfung, Depression und brennender Schmerz

Als ich die Physiotherapie begann, musste ich wieder lernen, zu laufen, zu reden und zu essen. Einer der anderen Effekte von GBS war die Hypersensibilität, was hieß, dass wenn mich jemand anfasste, sich das manchmal wie ein intensives Kribbeln oder brennender Schmerz anfühlte.

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Außerdem war ich ständig müde und manchmal waren die Erschöpfung und der nur langsame Fortschritt zu viel. Ich verlor die Hoffnung und fühlte mich besiegt, wenn ich keine Verbesserung sehen konnte, oder wenn es einfach zu schwer war, auch nur ein paar Schritte zu laufen.

Obwohl GBS ein körperliches Leiden ist, hatte es auch Auswirkungen auf meine psychische Gesundheit. Es gab Zeiten, in denen ich mich einsam, depressiv und wie ein Versager fühlte.

Die Unterstützung meiner Freunde, Familie und des medizinischen Personals haben mir geholfen, weiter nach vorne zu blicken und meine positive Haltung zu bewahren und Tag für Tag gesünder zu werden. Vor der Krankheit war ich Tänzer, und ich habe es geschafft, den Tanz mit meiner Genesung zu verbinden.

Sieben Jahre später bin ich wahrscheinlich fitter, als ich es jemals zuvor war. Ich spüre immer noch ein paar Nachwirkungen des GBS - manchmal habe ich Schmerzen in den Beinen oder Kribbeln in den Füßen oder bin sehr berührungsempfindlich an den Füßen. Aber ansonsten habe ich mich vollständig erholt.

Ich arbeite wieder als Künstler und ich habe ein Theaterstück kreiert, mit dem wir durch das Land touren. "Getting Better Slowly" soll die Aufmerksamkeit für das Guillain-Barré-Syndrom und die Hilfsorganisation GAIN, die Erkrankte und deren Famlien untersützt, erhöhen.

Ich habe viel mit GAIN zusammen gearbeitet, um ihre Arbeit bekannt zu machen und Patienten zu unterstützen, und ich freue mich sehr darüber, dass GAIN unser Stück am 26. Februar auf ihrer Website im Livestream gezeigt hat. So konnte unser Stück sowohl Zuschauer und Patienten auf der ganzen Welt als auch Theatergänger in Großbritannien erreichen.

Die Erfahrung, die ich mit GBS gemacht habe, lehrte mich, dankbar zu sein für alle Gelegenheiten, die sich mir bieten und sie spornt mich dazu an, etwas aus meinem Leben, das mir fast genommen wurde, zu machen.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf der HuffPost UK und wurde aus dem Englischen übersetzt und zum besseren Verständnis angepasst.

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