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Immer mehr Kinder sind von diesen Krankheiten betroffen

24/02/2016 11:48 CET | Aktualisiert 24/02/2017 11:12 CET
Christopher Hopefitch via Getty Images

Liebevolle Eltern wollen für ihre Kinder das Beste. Kinder wachsen heute in einer Gesellschaft auf, in der schnelle Wunscherfüllung, permanenter Genuss und Lust ohne Anstrengung als Lebensmaxime verkündet wird. Kinder wünschen und fordern in einer solchen Lebenswelt pausenlos, und Eltern wünschen sich glückliche Kinder. In dieser von Konsum geprägten Gesellschaft lauert die Gefahr der Verwahrlosung durch Verwöhnung.

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Verwöhnung kann unter zwei Aspekten betrachtet werden:

• Anstrengungsverwöhnung: Die Eltern bemühen sich, ihren Kindern Anstrengungen zu ersparen und Schwierigkeiten, Widerstände aus dem Weg zu räumen. Je weniger Mühe etwas macht, umso besser, heißt die Devise.

• Anspruchsverwöhnung: Die Kinder nehmen das, was sie geboten bekommen, als selbstverständlich hin, sie können Verwöhnung nicht als solche wahrnehmen, sondern nehmen das Gewohnte zum Maßstab und leiten daraus ihre Ansprüche ab. Die Eltern wiederum orientieren sich stark an den Ansprüchen der Kinder und bemühen sich, diese zu erfüllen. Die Spirale der Verwöhnung wird in Gang gesetzt. Je mehr die Eltern versuchen, die Kinder zufrieden zu stellen, umso anspruchsvoller werden diese.

Einstieg in die Verwöhnung durch Bewegungsmangel

Es ist eine Binsenweisheit, dass Bewegungsmangel und falsches Essverhalten zu den Hauptursachen unserer Zivilisationskrankheiten zählen. Dazu gehören:

• Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Bluthochdruck, Herzinfarkt,

Arteriosklerose),

• Stoffwechselerkrankungen (Diabetes mellitus, Gicht, erhöhter

Cholesterinspiegel),

• Übergewicht, Fettsucht, Magersucht,

• Krebs,

• Erkrankungen des Bewegungsapparates,

• Allergien.

Immer mehr Kinder sind von diesen Krankheiten betroffen. Chronischer Bewegungsmangel durch hohen Medienkonsum verbunden mit ungesundem Fastfood spielt als Verursacher eine wesentliche Rolle. Die Vermeidung körperlicher Anstrengung legt den Grundstein für die Neigung, Anstrengung als negativ zu erleben, und führt zu dem Wunsch, sie möglichst zu vermeiden.

Elterliches Verhalten hat naturgemäß einen großen Einfluss auf die Weichenstellung, ob die Kinder Anstrengung als positiv oder negativ betrachten werden.

Doch nur wer körperliche Bewegung und die damit verbundene Anstrengung als lustvoll und befriedigend kennen lernt, wird zur Anstrengung ein positives Verhältnis entwickeln, Gelegenheiten zu lustvoller Anstrengung suchen und deren das Selbstbewusstsein stärkende und entwicklungsfördernde Effekte erleben. Elterliches Verhalten hat naturgemäß einen großen Einfluss auf die Weichenstellung, ob die Kinder Anstrengung als positiv oder negativ betrachten werden.

Die Bereitschaft sich anzustrengen wird durch Widerstände angeregt, die der Wunscherfüllung und der Befriedigung von Bedürfnissen entgegenstehen. Schon Säuglinge müssen sich anstrengen (durch intensives Schreien), um die Befriedigung ihrer elementaren Bedürfnisse zu erreichen. Und Kleinkinder zeigen eine große Bereitschaft zur körperlichen Anstrengung, um ihre Ziele zu erreichen.

Sie mühen sich beim Robben und Krabbeln, entwickeln den Ehrgeiz, den aufrechten Gang zu erlernen, bestimmte Gegenstände zu erlangen usw. Kinder zeigen die angeborene Bereitschaft sich anzustrengen - eine verhaltensbiologische Eigenschaft, die das Überleben in einer Umwelt ermöglicht, die Bedürfnisbefriedigung nicht auf dem Silbertablett serviert.

Insofern »belohnt« die Natur Anstrengung mit Wachstum und Entwicklung (z. B. Muskelaufbau, Entwicklung von Fähigkeiten), die »Silbertablettmentalität« wird jedoch mit einschlägigen Zivilisationskrankheiten bestraft.

Die Neigung vieler Eltern, Kindern Anstrengungen ersparen zu wollen, ist die Quelle für Maßlosigkeit, Unzufriedenheit und Bequemlichkeit

Die Neigung vieler Eltern, Kindern Anstrengungen ersparen zu wollen, um sie zufrieden zu stellen, indem sie den Kindern das Leben so einfach, schön und bequem wie möglich gestalten, ist die Quelle für Maßlosigkeit, Unzufriedenheit und Bequemlichkeit. Die Folgen einer solchen Verwöhnung werden besonders beim Medienkonsum deutlich.

Großzügiges Gewährenlassen und Nachgiebigkeit gegenüber den Wünschen und Forderungen der Kinder führt zu Langeweile, körperlicher und geistiger Passivität und nicht selten auch zu seelischer Verwahrlosung. Stundenlanges Fernsehen und Computerspiele schmälern die familiäre Kommunikation, gemeinsame Aktivitäten, gegenseitige Anteilnahme und wechselseitiges Interesse.

Der Beitrag basiert auf dem Buch Kinder brauchen mehr als Liebe - Klarheit, Grenzen, Konsequenzen von Achim Schad, Heidelberg, Carl-Auer Verlag, 4. Aufl. 2015, Seite 55-57.

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