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Ich werde Syrien nie verlassen. Ich sterbe hier, ob im Krieg oder Frieden

14/10/2016 11:03 CEST | Aktualisiert 15/10/2017 11:12 CEST
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Fünf Tage, nachdem ich Aleppo verließ, wurde die Stadt belagert. Das war im August. Seither war ich nicht mehr dort.

Ich bin Zahnarzt. Meine Praxis habe ich zurückgelassen - und damit auch meine hundert Patienten. Die schreiben mir immer noch und fragen, wann ich zurückkomme. Ich sage dann: Morgen, hoffentlich.

Aleppo: Die Stadt ist kaputt, die Straßen voller Blut

Ich hoffe das wirklich, auch wenn ich weiß, wie schlimm die Lage ist. Die Stadt ist kaputt, die Straßen voller Blut. Einmal habe ich die Luftangriffe gezählt. Innerhalb von zehn Stunden habe ich 90 Mal gehört, wie Kampfjets Bomben abwarfen.

Ich habe Babys, Kinder, Jugendliche und Erwachsene sterben sehen. Ich habe meinen Cousin, meinen Neffen und viele Freunde verloren. Und die, die noch dort sind, haben fast nichts mehr. Die Situation ist unvorstellbar traurig. Und ich hoffe, dass die Welt begreift, was hier passiert. Ich begreife nicht, warum alle wegschauen.

Diese Stadt ist mein Leben, meine Seele, ich bin dort aufgewachsen. 2011, bevor der Krieg begann, war sie eine vitale, lebende Stadt. Ich erinnere mich an glückliche Zeiten mit viel Hoffnung.

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Ich hoffe, dass wir zu diesen glücklichen Zeiten wieder zurückkehren. Ich bin Optimist, auch wenn ich weiß, dass die meisten meiner Landsleute der Mut verlassen hat. Viele junge Menschen sind geflohen, was ich ihnen nicht verübeln kann.

Aber ich hoffe, dass sie zurückkommen, wenn wieder Frieden ist. Wir brauchen sie hier, um das Land aus der Asche wieder aufzubauen.

Ich werde niemals aus Syrien fliehen

Ich werde niemals fliehen. Ich werde hier sterben, ob im Krieg oder Frieden. Ich bin Patriot und ich Muslim, das gibt mir Kraft. Dieses Land ist mein Land, mit meinen Brüdern und Schwestern. Sie brauchen Hilfe, sie brauchen mich.

14 Stunden am Tag arbeite ich und verteile Medikamente und medizinische Ausrüstung in Krankenhäusern und Kliniken in Nordsyrien. Hier fehlt es überall an Verbänden, Medikamenten und Personal.

Es gibt Krankenhäuser, in denen Ärzte bereits seit drei Jahren ohne Einkommen arbeiten. Freiwillig, weil sie kämpfen wollen. Das ist eine Katastrophe - und ich helfe, wo ich helfen kann.

Ich wünsche mir, dass der Krieg vorbei geht. Und dann ist alles gut. So einfach ist das. Die Menschen hier sollen gewinnen, sie kämpfen für Freiheit und haben es verdient. Russland, der Westen, die Terroristen, Assad - sie sollen verschwinden aus unserem Land. Sie haben hier nichts verloren.

*Der Name des Autors wurde von der Redaktion geändert, da er in Syrien um sein Leben fürchtet. Der echte Name ist der Redaktion bekannt.

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Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

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