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Welchen Beitrag kann die Huffington Post in der arabischen Welt leisten?

05/01/2015 14:25 CET | Aktualisiert 07/03/2015 11:12 CET
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Die arabische Welt implodiert. Syrien, Irak, Libyen, Bahrain und der Jemen sind von internen Auseinandersetzungen und Bürgerkriegen zerrissen. Ein Staat Palästina wird immer unwahrscheinlicher. Der Sudan ist schon zerfallen, Ägypten unter Kontrolle des Militärs und die restlichen konservativen Länder haben keine neuen Modelle, um die demokratischen und ökonomischen Probleme in den Griff zu bekommen.

Ein Problem, welches auch das bislang einzige Erfolgsprojekt, Tunesien, noch zu lösen hat. Die arabische Jugend, die fast 70% der Bevölkerung ausmacht und einen wichtigen Beitrag zum arabischen Frühling leistete, ist aus dem politischem Prozess abgedrängt und ist keine wirkliche politische Kraft mehr.

Die arabischen nationalen und vor allem überregionalen Medien befinden sich fest in der Hand einzelner konservativer Staaten (vor allem Saudi-Arabien, Vereinigte Emirate und Katar) und ihrer jeweiligen Interessen.

In dieser Situation überrascht die Huffington Post mit ihrer Ankündigung, unter der Führung des ehemaligen AlJazeera Leiters, einen eigenen arabischen Auftritt zu starten. Die Frage, die sich hier stellt, ist dann, welcher Nutzen ein solches Online-Medium für die arabische Welt in ihrer gegenwärtigen Verfassung haben kann, in einer Region, in der die Medien sich einerseits auf Systembewahrung (Saudi Arabiens Medien) verlegen oder sich als „kämpferischer" Sender verstehen (AlJazeera).

Der Beitrag, den ein neues Medium leisten kann, liegt auch ja kaum in bloßer traditioneller top-down Informationsvermittlung. Bei allen Einschränkungen ist der Zugang zu Informationen auch in der arabischen Region ja kaum ein Problem. Über das Netz sind in allen Ländern alle erdenklichen Nachrichten und Informationen vorhanden.

Was der arabischen Welt - in der politische Parteien insbesondere in der tonangebenden Golfregion verboten sind - vielmehr fehlt, ist die Möglichkeit, vernetzt vor allem innen- aber auch außenpolitische Diskurse zu führen. Zwar haben die sozialen Medien bewiesen, dass sie als Mittel der Mobilisierung tauglich sind, was aber selbst bei erfolgreichen Umstürzen immer wieder auffiel, war der Mangel an Diskursmöglichkeiten, um politische Alternativen zu bilden oder zu evaluieren.

Politisch betrachtet, ist der Zugang zu Konversation somit wichtiger, als der Zugang zu Informationen

Nun kann man von einer kommerziellen elektronischen Nachrichtenseite nicht verlangen, dass sie derartige Lücken des politischen Systems in Bezug auf politische Diskurse kompensieren kann. In einer Region jedoch, in der die Medien in der Regel nicht auf politische Deliberation und Feedback ausgelegt sind, und selbst Leserbriefe und Meinungsbeiträge aus gutem Grund selten sind, wäre eine Plattform, die einen breiten „Mix aus Stimmen" (Arianna Huffington) beinhalten soll, zu begrüßen.

Eingedenk der Restriktionen in der Region wären einige Erweiterungen bzw. Adaptionen des Huffington Post-Modells aber sicher lohnenswert: So könnte man die Plattform für Blogger durchaus weiter öffnen, als dies bisher der Fall ist und auch die Leser aktiv zu Beiträgen für bestimmte Themen aufrufen.

Nicht alle Beiträge werden politisch sein. Die Jugendlichen diese Region, die wohl die Hauptzielgruppe sein dürften, priorisieren etwa laut einer Umfrage das Thema „Mode" vor der „Politik". Noch weniger Beiträge werden progressiv, demokratisch und säkular sein. Hier könnte aber eine transparente journalistische Redaktion der Beiträge einen sehr wichtigen Beitrag zur Medienkultur und vielleicht auch zur politischen Kultur leisten.

Ebenso wenig, wie der politische Dialog in den arabischen Ländern funktioniert, wird er anfänglich auf elektronischen Plattformen funktionieren. Aber einen Versuch ist es wohl allemal wert, und nachdem die Hemmschwelle der arabischen Zensoren oft erstaunlich tief liegt, ist eine spannende Auseinandersetzung vorprogrammiert und wird das „konservative Dilemma" im Umgang mit sozialen Medien in der arabischen Welt verschärfen: Die einfachste Möglichkeit kritischen Stimmen zu verhindern, ist natürlich die Zensur bzw. die Verhinderung, dass der Kommentar überhaupt sichtbar wird. Einschränkungen des Internetzugangs aber können auch von Regierungsunterstützern und der Wirtschaft des Landes kritisiert werden und sind deshalb immer heikel.

Insofern wäre eine eher diskursorientierte, partizipative Nachrichtenplattform durchaus auch eine Bereicherung für die Medienlandschaft der arabischen Welt. Der Knackpunkt liegt dann wohl in der Art und Weise, wie diese unterschiedlichen Stimmen integriert, moderiert und kuratiert werden. Hierbei gibt es in der arabischen Welt wenige Erfahrungen, aber dieser Lernprozess kann für die Region positiv sein.


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