POLITIK
10/12/2017 09:41 CET | Aktualisiert 10/12/2017 09:46 CET

Mit diesem Tweet wollte Trump die Russland-Affäre beenden - und ließ sie nur noch weiter eskalieren

Kevin Lamarque / Reuters
Siegessicher und naiv zugleich: US-Präsident Donald Trump in der Russland-Affäre

  • Donald Trump sieht sich in der Russland-Affäre als Opfer einer Intrige gegen ihn

  • Im Juni schmiedete er deshalb einen Plan, um sie zu beenden - mit nur einem Tweet

  • Eine Bemühung, die vollkommen nach hinten los ging

Donald Trump glaubt, er könne die Welt per Twitter lenken und regieren. Der US-Präsident schafft sich mit seinem Account eine eigene Realität:

Laut Umfragen ist er der unbeliebteste Regierungschef der USA aller Zeiten - doch auf Twitter erklärt sich Trump zum beliebtesten Präsidenten der US-Geschichte.

Noch hat Trump keine einzige große Reform in den Vereinigten Staaten durchdrücken können, seine Außenpolitik hat sein Land international isoliert - doch auf Twitter ist Trump der tüchtigste Präsident, den es je gab, im In- und Ausland.

In der Russland-Affäre gibt es mittlerweile nahezu ein Dutzend Verdächtige aus Trumps direktem Umfeld, sein Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn belastet ihn und seine Familie schwer - doch auf Twitter ist Trump unschuldig, ja sogar das Opfer einer Intrige der liberalen Medien und Demokraten.

Seine Basis kauft Trump dessen Realität ungefiltert ab. Während der Rest der USA und der Welt verzweifelt, lassen seine Anhänger den US-Präsidenten glauben, er sei ein Heiland, ein Anführer mit absoluter Kontrolle über das Geschehen.

Kein Wunder, dass Trump im Sommer dachte, er könne die für ihn so nervige Russland-Affäre mit einem Tweet vom Tisch wischen. Und kein Wunder, dass das gewaltig schief lief.

Trumps geniale Schnappsidee

Die "New York Times" berichtet nun in einem Artikel über Trumps bisheriges Leben im Weißen Haus auch über diesen Tweet, mit dem der US-Präsident all seine rechtlichen Probleme lösen wollte.

Die Idee dazu sei Trump im vergangenen Juni gekommen. Wie die "NYT" unter Berufung auf einen langjährigen Berater Trumps schreibt, habe der US-Präsident ganz aufgeregt Freunde angerufen: Er habe den perfekten Tweet entdeckt, mit dem er die Russland-Affäre "neutralisieren" könne.

Mehr zum Thema: Der Staat, das bin ich: Wie Donald Trump im Stile eines Autokraten das Justizsystem der USA untergräbt

Trumps Idee: Er würde die Affäre eine "witch hunt" nennen - eine Hexenjagd. Seine Freunde seien von der Idee alles andere als beeindruckt gewesen, schreibt die "New York Times". Doch zu spät, Trump twitterte los:

Trump macht alles nur noch schlimmer

Und beging damit einen großen Fehler.

Nicht nur, weil dem US-Präsidenten Empörung entgegenschlug, weil er sich als größtes Opfer der US-Geschichte gerierte - vor großen Politikern wie den ermordeten Martin Luther King, Abraham Lincoln oder John F. Kennedy. Sondern auch, weil Trump mit seinem Tweet mehr offenbarte, als ihm lieb war.

Denn vor diesem war zwar vermutet worden, dass der Russland-Ermittler Robert Mueller auch gegen Trump selbst ermittle, Bestätigung dafür gab es jedoch nicht. Doch durch seinen "Hexenjagd"-Tweet und die wirre Tirade, die auf diesen folgte, machte Trump klar: Mueller ermittelt tatsächlich gegen ihn.

Die Russland-Affäre beendete Trump mit seinem Tweet ohnehin nicht - und auch nicht mit den vielen weiteren Malen, die er diese als "Hexenjagd" bezeichnete.

Tatsächlich ist die Lage in der Affäre für Trump so gefährlich wie nie: Drei seiner ehemaligen Mitarbeiter hat Sonderermittler Mueller bereits angezeigt, darunter den Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn, der Trumps Familie schwer belastet.

Das nächste Ziel auf Muellers Liste ist Trumps Schwiegersohn Jared Kushner. Danach könnte es Trumps Sohn Donald Jr. treffen. Und danach den US-Präsidenten selbst.

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(jds)