POLITIK
09/12/2017 22:37 CET | Aktualisiert 10/12/2017 10:47 CET

"Ihr benehmt euch wie Tiere": Radikale Palästinenser kapern Demonstration in München

Michael Trammer
Radikale Palästinenser kapern Demonstration in München

  • In München ist eine Demonstration gegen die Israelpolitik der USA aus dem Ruder gelaufen

  • Radikale kaperten die Kundgebung, sodass die Veranstalter abbrechen mussten

  • In den exklusiven Videos seht ihr die aggressive Stimmung

Es war als friedlicher Protest gedacht. Als Protest dagegen, dass US-Präsident Donald Trump Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt hat, gegen internationale Gepflogenheiten, gegen den Willen der Palästinenser.

Doch was sich am Samstagnachmittag in München abspielte, lief den Veranstaltern aus dem Ruder. Aufgebrachte Anhänger Palästinas verursachten Tumulte, zeigten unverhohlene Aggression. Radikale kaperten die Demo.

Ähnlich lief es Medienberichten zufolge in Berlin. Dort verbrannten Anhänger Palästinas Israel-Flaggen, riefen "Tod Israel".

Gegendemonstranten lassen Aggressionen hochkochen

Bereits zu Beginn der Demonstration in München hatten die Veranstalter auf dem Geschwister-Scholl-Platz vor Hunderten Demonstranten die Regeln klar gemacht: Keine antisemitischen Parolen! Es sollte eine Demonstration für Christen, Juden, Muslime und Atheisten werden, eine Mahnung zum Frieden.

Nach wenigen hundert Metern entrollten einige Gegendemonstranten ein Banner mit der Aufschrift "Solidarität mit Israel“.

Die Demonstrationsspitze mit Organisatoren zog Parolen-rufend vorbei. Im wohl radikaleren Block etwas weiter hinten im Aufzug aber löste sich ein junger Teilnehmer aus der Masse. Durch die Polizeikette hindurch versuchte er, den Gegendemonstranten das Transparent zu entreißen. Die Stimmung kochte hoch. Mittelfinger, Hassparolen, "Intifada"-Aufrufe.

Bilder zeigen, wie aggressiv, wie aufgeheizt die Stimmung war: Junge Männer skandieren Parolen auf Deutsch und Arabisch, schreien, bis sich die Stimme überschlägt. Der Mann, der anderen die Israel-Flagge aus den Händen reißen will, wird von den Polizisten gegen eine Absperrung gedrückt und schreit wie von Sinnen.

Wiederholt versuchten die Veranstalter, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Vergeblich.

Bekenntnis zur Terrororganisation Hamas

Die Polizei zog weitere Kräfte hinzu. Allem Anschein nach hatten auch die Behörden die Situation unterschätzt. Für eine Stellungnahme dazu war der Pressesprecher am Samstagabend allerdings nicht zu erreichen.

Während der Demonstration tauchte sogar in der ersten Reihe ein Plakat auf, das Israel und Palästina zeigte, als ein Land, nur mit palästinensischer Fahne ausgemalt.

Ein klares Bekenntnis zu einer palästinensischen Ein-Staaten-Lösung und damit auch zur Politik der islamistischen Hamas, die am Samstag erneut zum Aufstand gegen Israel aufgerufen hatte, zur Intifada. Die Hamas gilt in der EU als Terrororganisation.

Am Stachus, zweieinhalb Kilometer vom Startpunkt der Demonstration, war dann Schluss.

"Ihr benehmt euch wie Tiere"

Die Organisatoren wollten derartig radikale Parolen nicht mehr mittragen. Sie beendeten die Demo.

Im Video seht ihr, wie eine der Organisatorinnen über den Lautsprecher eines Polizeifahrzeugs den friedlichen Demonstranten dankt - und fassungslos die aggressiven Akteure geißelt: "Ihr seid das Letzte! Ihr benehmt euch wie Tiere!“

Kurz nach der Auflösung der Demo entrollten einige junge Männer Fahnen mit der Symbolik der Fatah und erklärten: "Es gibt kein Israel!“

Einige ältere Demonstranten versuchten, die Lage zu beruhigen und erklärten, es gebe überall schwarze Schafe – in ihren Reihen, aber auch bei den Juden (auch das seht ihr im Video).

Die Gleichsetzung der israelischen Bevölkerung mit dem Judentum – wohl einer der weiteren Kernpunkte, die diesen Konflikt befeuern.

Eine Entspannung der Situation ist nicht zu erwarten. Nach israelischen Luftangriffen im Gazastreifen stieg die Zahl der getöteten Palästinenser auf vier. Zuvor hatte es Beschuss aus der Küstenregion Richtung Israel gegeben.

Mehr zum Thema: Trumps Jerusalem-Entscheidung hilft genau dem Land, dem er damit schaden wollte: dem Iran

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(jg)