POLITIK
08/12/2017 10:10 CET | Aktualisiert 08/12/2017 10:21 CET

Syrerin bringt totes Kind zur Welt, weil ihr an der Grenze niemand geholfen hat

Stoyan Nenov / Reuters
Syrerin bringt totes Kind zur Welt, weil ihr an der Grenze niemand geholfen hat

  • Ein Schweizer Grenzbeamter wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt

  • Er hatte eine hochschwangere Syrerin zurück nach Italien geschickt

  • Die Frau blutete stark – und verlor später ihr Kind

Es war eine Abschiebung, die tödlich endete.

Auf dem Weg nach Frankreich überquerte eine Gruppe syrischer Geflüchteter an einem Freitagabend im Juli 2014 die italienisch-schweizerische Grenze.

Eine hochschwangere Syrerin blutete stark und schrie vor Schmerzen, doch ein Schweizer Grenzwächter will keinen Notfall erkannt haben. Mit schlimmen Konsequenzen: Die Frau wurde abgewiesen und in einem Zug nach Italien zurückgefahren.

Das Kind der Frau, die zu einer größeren Flüchtlingsgruppe gehörte, kam im Juli 2014 tot zur Welt.

Ein Berner Militärgericht verurteilte den Grenzbeamten nun zu sieben Monaten Haft auf Bewährung und knapp 7700 Euro Strafe.

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Die Anklage forderte sieben Jahre Haft

Dem Beamten wurde unter anderem fahrlässige Körperverletzung und mehrfaches Nichtbefolgen von Dienstvorschriften angelastet. Die im achten Monat schwangere Syrerin wurde zusammen mit den anderen Flüchtlingen nach Italien zurückgebracht. Dort brach sie zusammen, das Baby kam tot zur Welt.

Die Anklage forderte bis zu sieben Jahre Haft für den Beamten. Er habe genauso wie sein Kollege "jegliche Menschlichkeit" vermissen lassen, hieß es vor Gericht.

Der Vorfall an einem Freitagabend habe den Feierabend des Mannes gestört. Der Grenzwächter sagte, er habe den Notfall nicht als solchen erkannt.

Der Ehemann und die Schwester der Frau hatten während einer Transportpause den Grenzwächter mehrfach eindringlich um Hilfe gebeten. Dieser hatte aber alle Bitten mit dem Verweis ignoriert, die Familie sei selbst schuld, mit einer Schwangeren eine Reise anzutreten. Zudem sollte die planmäßige Weiterfahrt der Gruppe nicht verzögert werden.

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