POLITIK
08/12/2017 06:26 CET | Aktualisiert 08/12/2017 07:33 CET

Als CSU-Mann Söder immer wieder über Flüchtlinge reden will, platzt SPD-Politikerin Schwesig der Kragen

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Schewsig attackiert Söder

  • Bei "Illner" geraten Schwesig und Söder aneinander

  • Irgendwann reicht es der SPD-Frau

  • "Sie schaffen es echt, dass man sich Horst Seehofer zurückwünscht", poltert sie

Beide Parteien haben bei den Bundestagswahlen ihren Tiefpunkt erlebt.

Nun arbeiten SPD und CSU ihre historisch schwachen Ergebnisse auf – und wollen gleichzeitig Gespräche zur Bildung einer Großen Koalition beginnen.

Wie sich bei "Illner“ am Donnerstag herausstellte, ein äußerst heikles Unterfangen.

In der ZDF-Talkrunde von Moderatorin Maybrit Illner gingen sich der neue starke Mann der CSU, Markus Söder, und die womöglich nächste starke Frau der SPD, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hart an.

Schwesig preschte voran: In Mecklenburg-Vorpommern funktioniere eine Große Koalition zwar. Aber nur aus einem Grund: Weil die SPD die Ministerpräsidentin stelle. Also sie.

Gleichzeitig war es Schwesig, die die Union immer wieder zur "Demut" ermahnte und den Konservativen "Überheblichkeit" vorwarf.

Für Söder, den designierten bayerischen Ministerpräsidenten, eine Steilvorlage. Es sei nicht überzeugend, "wenn Sie nur als Nummer 1 regieren wollen".

Söder: "Dann müsste man ja der AfD das Regieren überlassen"

Ein Angriff, mit dem sich bereits vor vier Jahren der damalige SPD-Kanzlerkandidat Per Steinbrück konfrontiert sah (was TV-Moderator Stefan Raab dazu verleitete, ihm den Namen "King of Kotelett" zu verpassen).

"Bloß weil beide großen Parteien verloren haben, nehmen Sie keine Regierungsverantwortung an?", wollte Söder wissen, um diese Einstellung selbst ad absurdum zu führen.

"Dann müsste man ja sozusagen gleich der AfD und den Linken das Regieren überlassen", polterte der Franke polemisch.

Doch auch Söder, den Schwesig zur allgemeinen Erheiterung einmal beinahe als "Herr Seehofer" bezeichnete, sah sich kurzzeitig in der Defensive.

Schwesig: "Mit Ihnen waren soziale Projekte nicht möglich"

Schwesig warf der CSU vor, Sozialprojekte zu versprechen und dann am Ende selbst zu blockieren. "Wunderschönes Beispiel: Rente", erklärte die Sozialdemokratin, die auf die Solidar-Rente anspielte. "Das war mit Ihnen nicht möglich. Das ist doch das Problem der CSU."

Söder verschränkte die Arme und schaute missmutig. Die Vorwürfe, keine Verantwortung übernehmen zu wollen, wiegelte sie ab. "Was haben Sie eigentlich die letzten acht Wochen gemacht? Sie haben einen absoluten Machtkampf vom Zaun gebrochen in Bayern."

Es stelle sich für die SPD die Frage, ob Söder oder doch sein Vorgänger Horst Seehofer die Verhandlung führe.

"Sie schaffen es wirklich, dass man sich Seehofer zurückwünscht"

Zumindest in der Talkshow konnte sich Söder jedoch der Wortführerschaft sicher sein. Immer wieder lenkte er das Thema auf die Flüchtlingspolitik und den Familiennachzug. "Sie nehmen dieses Thema immer, um von den eigentlichen Problemen abzulenken", gab sich die SPD-Frau genervt.

Und Schwesig wurde richtig wütend: "Herr Söder, Sie schaffen es wirklich, dass man sich Horst Seehofer zurückwünscht."

Gelächter.

Und Söder konterte: "Sie haben Ihren Schulz gewollt, Sie behalten ihn auch. Es ist ihr Wunsch gewählt, Sie haben ihn wiedergewählt."

Nach dem kurzen Moment der Heiterkeit verfinsterte sich das Gesicht seiner Gegenüber wieder. "Jetzt lassen Sie uns mal über die Menschen in diesem Land reden", forderte Schwesig.

Beiden Parteien wird dafür jetzt viel Zeit bleiben. Ob dabei eine neue Große Koalition herauskommt? Wahrscheinlicher hat es diese Talkrunde sicher nicht gemacht.

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(amr)

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