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08/12/2017 11:07 CET | Aktualisiert 08/12/2017 18:06 CET

Muslima wird im Zug von Rassisten angegriffen – nun berichtet sie über die skandalöse Reaktion der Fahrgäste

  • Eine 18-jährige Muslimin ist in einer Bahn in Kanada von einem Mann angegriffen worden - er soll geschrieen haben, dass er alle Muslime töten wolle

  • Jetzt berichtet das Opfer: Obwohl der Zug voll war, eilte nur ein einziger Mann der jungen Frau zur Hilfe

  • Im Video oben: Muslima will aus Mainzer Bus aussteigen - dann wird klar, was die anderen von ihrem Kopftuch halten

Noor Fadel wollte einfach nur nach Hause. Sie hatte gerade ihren Bus verpasst und entschied sich deshalb mit der Bahn zu fahren. Doch genau dadurch wurde sie am Montag im kanadischen Vancouver Opfer eines Hassverbrechens.

Kaum hatte die 18-Jährige in einem Wagen Platz genommen, sei ein Mann auf sie zugekommen, berichtet sie heute. Was dann geschah, schildert die Kanadierin in einem Facebook-Post.

“Er schrie mich an, ich sei eine Hure und eine Schlampe. Er sagte, dass er alle Muslime töten wolle”, schreibt die 18-Jährige. “Dann erhob er die Hand und sagte er würde mich umbringen.”

”Er schlug mir ins Gesicht”

Der Mann habe sie am Kopf gepackt und ihn in seinen Schritt gezogen. Dabei habe er versucht, ihr das Kopftuch herunter zu reissen.

Das Schlimmste daran: Keiner der anderen Fahrgäste eilte ihr zu Hilfe. “Niemand ist aufgestanden. Niemand hat etwas gesagt”, schildert Noor. “Es macht mich sehr traurig, dass so viele Menschen einfach zugesehen haben, wie der Mann mich angegriffen hat.”

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Erst als der Mann ihr anschließend ins Gesicht geschlagen habe, sei ein junger Mann dazwischen gegangen. Jake Taylor, ein Koch, der sich ebenfalls auf dem Heimweg befand, stand auf und schubste den Mann weg, wie die kanadische HuffPost berichtet.

“Ich habe ihn gegen die Tür gedrückt und gesagt, dass er sich verdammt nochmal verpissen soll”, erklärt der 21-Jährige seine Reaktion in der kanadischen Zeitung “Macleans”.

Daraufhin habe der Mann das Mädchen sofort in Ruhe gelassen und nur noch aus dem Fenster geschaut. An der nächsten Station sei der Täter ausgestiegen, berichtet Taylor.

“Ich wollte ihm hinterher, aber Noor hatte eine Panikattacke, deshalb bin ich bei ihr geblieben.” Taylor beruhigte das Mädchen bis Polizisten und Sanitäter eingetroffen waren.

Der Täter wurde inzwischen festgenommen

Für Noor Fadel ist Jake Taylor ein Held. Auf Facebook bedankt sie sich bei dem “gutherzigen Fremden”, der durch den Vorfall zu einem engen Freund geworden sei. “Danke Jake, dass du für mich aufgestanden bist, unabhängig davon, wie ich aussehe”, schreibt sie. Der Post wurde bereits über 7000 Mal geteilt.

Die 18-Jährige wünscht sich, dass mehr Leute sich ein Beispiel an ihrem Retter nehmen und anderen in Notsituationen helfen. “Bitte passt aufeinander auf und helft einander”, appelliert sie an ihre Mitmenschen.

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Die Polizei von Vancouver hat den Täter inzwischen festgenommen.

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

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