POLITIK
07/12/2017 06:44 CET | Aktualisiert 07/12/2017 06:57 CET

Eine Liste zeigt, wie viele Staaten Trump mit seiner Jerusalem-Entscheidung gegen die USA aufbringt

Ibraheem Abu Mustafa / Reuters
Proteste in den Palästinensergebieten

  • US-Präsident Trump schlägt nach seiner Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels massive Kritik entgegen

  • Besonders die Türkei verschärfte ihre Rhetorik gegenüber Washington

  • Im Nahen Osten drohen brutale Gewaltausschreitungen

Die Weltgemeinschaft hat mit größter Besorgnis auf den historischen Alleingang Donald Trumps zur Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels reagiert.

Diplomaten, Politiker und Wissenschaftler sehen in der Entscheidung Trumps eine große Gefahr für den Friedensprozess in Nahost.

Der US-Verbündete Saudi-Arabien rief die USA auf, die Entscheidung zurückzunehmen. Die Nato-Partner Frankreich und Großbritannien als Vetomächte sowie weitere Mitglieder des UN-Sicherheitsrates beantragten eine Sondersitzung des Gremiums in New York. Sie soll bereits am Freitag stattfinden.

Die "Al-Hayat"-Journalistin Joyce Karam postete bei Twitter eine Liste der Staaten, die unter Nachdruck vor einer Anerkennung Jerusalems durch das Weiße Haus gewarnt hatten. Die Liste zeigt die enorme Tragweite der Entscheidung.

Neben den meisten arabischen Staaten hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die USA kritisiert. "Die Bundesregierung unterstützt diese Haltung nicht, weil der Status von Jerusalem im Rahmen einer 2-Staaten-Lösung auszuhandeln ist", schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert bei Twitter.

Besonders die Türkei reagiert auf radikale Weise

In der Nacht zum Donnerstag verschärfte insbesondere die Türkei ihre Rhetorik.

Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim verurteilte die Erklärung von US-Präsident Donald Trump zur Anerkennung Jerusalems als unverantwortlich.

"Mit dieser Entscheidung wurde in der Region die Büchse der Pandora geöffnet", hieß es in einer Mitteilung Yildirims in der Nacht zum Donnerstag. "Die Erklärung des US-Präsidenten zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels und die damit verbundenen Schritte sind für die Türkei null und nichtig."

Der Schritt sei ein Beispiel für "totale Verantwortungslosigkeit" und werde schwere Konsequenzen für den Frieden in der Region haben.

In den Palästinensergebieten drohen Ausschreitungen

Jerusalem gilt als eines der heikelsten Probleme der Weltpolitik und als einer der fundamentalen Streitpunkte in dem seit Jahrzehnten schwelenden Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Letztere reklamieren den arabisch geprägten Ostteil für sich und wollen dort die Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates errichten.

In den Palästinensergebieten kommt es bereits zu wütenden Protesten.

Neben Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte sich besonders auch die Führung des Irans kritisch geäußert. "Die amerikanische Regierung hat sich mit dieser Erklärung dazu entschlossen, alle internationalen und bilateralen Resolutionen und Vereinbarungen zu verletzen", sagte Abbas.

"Diese irrationale und provokante Entscheidung wird zu einer weiteren Intifada sowie mehr Extremismus und Gewalt führen", hieß es vom Außenministerium in Teheran.

Die radikal-islamische Hamas erklärte, das palästinensische Volk werde angemessen reagieren. Ein Hamas-Führer sprach offen von einer "Kriegserklärung".

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