POLITIK
07/12/2017 15:08 CET

Juso-Chef begeistert auf dem SPD-Parteitag und lässt Schulz alt aussehen

dpa
Der heimliche König: Dieser SPD-Mann rockte den Parteitag und ließ Schulz alt aussehen

  • Mit einer fulminanten Rede hat Juso-Chef Kevin Kühnert auf dem SPD-Parteitag gegen eine GroKo plädiert

  • Mit seinem Auftritt stahl er SPD-Chef Martin Schulz die Show

Er ist der heimliche König des SPD-Parteitags: Juso-Chef Kevin Kühnert.

Niemand erhielt so viel Applaus in der Debatte um die Frage, ob die Partei erneut eine Große Koalition eingehen soll. Und niemand sagte so deutlich, was er davon hält: Nichts.

"Von dem Laden soll noch etwas übrig bleiben"

"Wir haben ein Interesse daran, dass hier noch was übrig bleibt von diesem Laden, verdammt nochmal", rief Kühnert.

"Eine Maxime, die lautet, regieren mit uns ist immer besser als ohne uns, die verzwergt die SPD und reduziert uns und unseren politischen Gestaltungsanspruch auf einen großen Korrekturbetrieb", polterte der Juso-Chef weiter.

Jusos lehnen die GroKo ab

Die Jusos haben beantragt, eine Koalition mit der Union auszuschließen, während der Vorstand für ergebnisoffene Gespräche wirbt.

Mit dem "GroKo"-Ausschluss werde nur eingelöst, was die Parteispitze unmittelbar nach der Bundestagswahl und nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche der Union mit FDP und Grünen schon beschlossen habe, sagte Kühnert.

Er sei kein "revolutionärer Akt", denn seitdem hätten sich die Fakten nicht geändert. Es gelte etwa weiterhin, die AfD als größte Oppositionsfraktion im Bundestag zu verhindern.

Die SPD stecke in einer "tiefen Vertrauenskrise", sagte Kühnert weiter.

"Parteibasis hat kein Vertrauen in die Spitze"

Die Parteibasis habe kein Vertrauen, "dass Entscheidungen an der Spitze in ihrem Sinne getroffen werden". Dafür wolle er niemandem die Schuld zuschieben.

Die Wahlniederlage vom 24. September, als die SPD mit 20,5 Prozent historisch schlecht abgeschnitten hatte, solle Anlass sein, darüber nachzudenken, "ob es jetzt einfach so weiter geht, oder nicht".

Kühnert kritisierte den Wahlkampf der Sozialdemokraten und damit indirekt auch Kanzlerkandidat Martin Schulz, der kurz zuvor für die Niederlage um Entschuldigung gebeten hatte.

"Die kritische Distanz gefällt mir"

"Vielleicht war es doch nicht der beste Wahlkampf aller Zeiten, und vielleicht war es ausnahmsweise mal nicht das beste Wahlprogramm seit Willy Brandt, wie wir es immer behaupten", sagte der Juso-Chef.

In den sozialen Netzwerken erhielt Kühnert viel Zuspruch für seinen Auftritt, der gerade mal wenige Minuten dauerte.

"Die kritische Distanz gefällt mir", schreibt dieser Nutzer:

Ein anderer schrieb: "Kühnert hat Recht. Leider ist das vielen in Berlin nicht klar".

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer lobte in ihrer Rede den Beitrag von Kühnert - widersprach allerdings auch. Sie sagte:

"Die Lage hat sich nunmal verändert, Kevin. Natürlich ist es nicht unser Verschulden, dass Angela Merkel nicht in der Lage war, dieses Bündnis zu schmieden. Dennoch ist die Situation so, dass es in Deutschland keine Möglichkeit gibt, eine Regierung zu bilden, es sei denn wir erklären uns bereit, in Gespräche zu gehen. Ich bin froh, dass der Beschluss so lautet, dass wir offen in die Gespräche gehen."

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