POLITIK
07/12/2017 11:52 CET

Sat.1-Moderator Strunz spricht düstere Warnung aus, wie die Koalitionsgespräche enden

ARD
Der Sat.1-Mann bestand darauf: "Das wollen die Leute nicht mehr. Dazwischen muss man neu wählen lassen."

  • Bei "Maischberger" geraten SPD und CDU ins Kreuzfeuer der Gäste

  • Der Berliner Ex-Bürgermeister Wowereit glaubt an ein unschönes Ende der Merkel-Kanzlerschaft

  • Sat.1-Moderator Strunz argumentiert: Vom GroKo-Geplänkel kann die AfD massiv profitieren

"Vergessen Sie Weihnachten, gedanklich sind wir schon beim Osterfest", begann Moderatorin Sandra Maischberger am Mittwochabend ihre Talkshow.

So lang werde es mindestens dauern, bis eine Bundesregierung stehe, erklärte Maischberger.

Sie wollte mit ihren Gästen über die Hängepartie bei der Regierungsbildung sprechen. "Die Koalition der Verlierer: Drohen uns faule Kompromisse?“ übertitelte die ARD-Redaktion die Talkshow.

Die Gäste: Der Berliner SPD-Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit, Dorothee Bär von der CSU, Linke-Politiker Oskar Lafontaine, Journalist Friedrich Küppersbusch und der Sat.1-Moderator Claus Strunz.

Letzterer zeigte sich gewohnt angriffslustig. Strunz attackierte Wowereit, der eine Große Koalition zumindest für denkbar zu halten schien. "Die ist abgewählt", grätschte Strunz dazwischen.

Der Sat.1-Mann bestand darauf: "Das wollen die Leute nicht mehr. Dazwischen muss man neu wählen lassen." Man dürfe "nicht wieder mit den gleichen Leuten" eine neue Regierung bilden.

Wowereit gab Strunz zumindest in einem recht: Auch er persönlich lehne die Fortsetzung einer GroKo ab.

Wowereit: "Merkel wird keinen guten Abgang mehr finden"

Strunz attackierte neben der SPD auch die CDU und Kanzlerin Angela Merkel scharf. Er sprach von einem "Durchregieren", einem "Wursteln" und einer "saft- und kraftlosen Kanzlerin".

Ein Ball, den Wowereit später gerne aufnahm. "Merkel hat es verpasst. Sie wird jetzt keinen guten Abgang mehr finden", unkte der ehemalige SPD-Bürgermeister.

Maischberger fand: Wowereit muss es wissen. "Sie haben den richtigen Instinkt gehabt, weil Sie gegangen sind, bevor jemand gesagt hat: Jetzt aber raus!"

Etwas das jetzt Merkel droht?

"Es kann sein, dass sie mitten in der Legislaturperiode sagt, ich gebe das jetzt in andere Hände", glaubt Wowereit. Die Unzufriedenen in der CDU und der CSU würden lauter werden, glaubt der SPD-Mann. "Sie wird einen Substanzverlust erleiden."

Das einzige Problem in den Augen des Berliners: Es gebe keinen "Kronprinzen". Unionspolitikerin Doro Bär schaute skeptisch – kurz jedoch wirkte es fast, als würde sie gedankenverloren nicken.

Strunz warnt vor der verheerenden Wirkung der Plänkelei

Doch Bär hielt sich an ihr Skript – und sprang für die Kanzlerin in die Bresche. "Es gibt nicht nur eine Bringschuld, sondern auch eine Holschuld“, kritisierte Bär die anderen Parteien bei der Suche nach einer Regierung.

Dann driftete das Gespräch weiter ab. Mal ging es um die neue Doppelspitze der CSU, mal um den Mindestlohn. Erkenntnisse: Fehlanzeige.

Erst gegen Ende der Runde wurde es wieder spannend. Strunz, dem Kritiker immer wieder einen Hang zum Rechtspopulismus vorwerfen, fragte die Gäste: "Wer ist die Partei des kleinen Mannes?"

Selbst lieferte er kurz darauf eine Antwort. Wenn die Volksparteien es nicht schaffen würden, "die Sorgen und Ängste der Leute zu erreichen, die wir als 'kleine Leute' bezeichnen", werde die Partei der kleinen Leute in Zukunft nicht die SPD, sondern die AfD sein.

"Es liegt auch nicht an den Menschen, die die AfD wählen. Die sind nicht doof oder rechtsradikal. Es liegt am Versagen der Volksparteien", polterte Strunz. Wowereit und Bär blieben überraschend still.

Auch die Koalitionsgespräche würden den Eindruck nur verstärken, dass in Berlin nicht für die einfachen Menschen gearbeitet würde. "Am Ende des Tages werden die Menschen das Gefühl haben, ‚unsere Probleme werden hier nicht bearbeitet.’“

"Und das ist das, was mir Sorgen macht“, sagte Strunz.

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