POLITIK
07/12/2017 17:50 CET

"Der Radikale": Polit-Magazin wählt FDP-Chef Lindner zum wichtigsten Vordenker Europas

Hannibal Hanschke / Reuters
"Der Radikale": Polit-Magazin wählt FDP-Chef Lindner zum wichtigsten Denker Europas

  • Das Magazin "Politico" nennt FDP-Chef den wichtigsten europäischen Denker unserer Zeit

  • Das Brüssler Magazin skizziert die Gratwanderung Lindners zwischen Liberalismus und Populismus

  • "Politico" glaubt: Die Erneuerung Europas kann nicht ohne den Liberalen stattfinden

Vom Jamaika-Killer zum Vordenker Europas: Das Brüssler Magazin "Politico" hat FDP-Chef Christian Lindner zur wichtigsten Persönlichkeit unserer Zeit gewählt.

Mit der "Klasse von 2018" kürt das Magazin "die Menschen, die Europa gestalten, durchschütteln und bewegen". Nach der Meinung der Redaktion ist das in Europa derzeit vor allem Lindner, dem "Politico" einen großen Einfluss auf die Entwicklung Europas prophezeit.

Vor rund einer Woche hatte bereits das US-Magazin "Foreign Policy" eine Liste der 70 wichtigsten Denker des Jahres veröffentlicht – und überraschend AfD-Chef Alexander Gauland aufgenommen.

Hier sind die wichtigsten Aussagen der "Politco"-Analyse:

FDP-Chef Lindner habe keine Angst, "Initiative zu ergreifen". Dass habe Lindner vor allem durch den unbeliebten Abbruch der Sondierungen gezeigt, schreibt "Politico".

Auch ohne Regierungsbeteiligung der FDP sei sicher, dass Lindner im "Zentrum der deutschen Politik" stehen wird. Lindner habe die Fehler seiner Partei in der Vergangenheit, "Macht über Prinzipien" zu stellen, analysiert und korrigiert.

Lindner könnte dadurch nun zur lautesten Stimme der Opposition werden.

Auch im Falle von Neuwahlen könnte dem FDP-Chef eine entscheidende Rolle zukommen, glaubt "Politico". Das Brüssler Magazin zieht eine Parallele zum österreichischen Wahlsieger Sebastian Kurz, der seine Partei massiv nach rechts rückte – und damit die Wahl gewann.

Lindner könnte so zum Königsmacher für die Union werden – und in einer schwarz-gelben Koalition auch die europäische Politik umkrempeln.

Bei der Umgestaltung Europas werde Lindner mitwirken – egal in welcher Rolle.

Der Liberale wisse dabei, dass viele Deutsche euroskeptisch seien. Ändern wolle er das nicht.

lindner steinmeier

Lindner und Bundespräsident Steinmeier, Bild: Reuters.

Doch: Auch Lindner wolle für ein reformiertes Europa kämpfen – im engen Austausch mit dem französischen Finanzminister Bruno Le Maire.

Die Politik des FDP-Chefs sei wie eine “Eisenfaust in einem Samthandschuh”. Lindner biete einen schöner verpackten Populismus, der die Macht besitze, die "deutsche Politiklandschaft zu zersetzen".

So habe er die FDP zu einer “freundlicheren und vornehmeren” AfD transformiert. Diese Entwicklung habe sich früh abgezeichnet: So sei Lindner einer der ersten Kritiker von Merkels Flüchtlingspolitik gewesen.

"Politico" lässt offen, ob Lindner zum Vordenker oder Hindernis der europäischen Reform wird. Doch das Magazin ist sicher: Am FDP-Chef führt kein Weg vorbei. “Wenn der Wahlkampf eines gezeigt hat, dann, dass er wahrscheinlich beides auf einmal wird", glauben die Autoren.

Sie nennen Lindner "den Radikalen". Ein vieldeutiges Fazit.

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(ll)

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