POLITIK
07/12/2017 20:31 CET | Aktualisiert 07/12/2017 22:37 CET

"Krieg könnten die Menschen hier nicht verkraften": Gaza-Gouverneur al-Frangi mahnt zu friedlicher Lösung in Palästina

Ibraheem Abu Mustafa / Reuters
Während der letzten Intifada starben auch tausende Palästinenser - unter ihnen viele Zivilisten und Kinder

  • Nach Donald Trumps Entscheidung, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, ist die Region in Aufruhr

  • Abdallah al-Frangi, der Gouverneur des Gaza-Streifens, warnt in der HuffPost nun vor einer Eskalation der Gewalt

  • Es sagt über seine Bürger: "Einen Krieg könnten die Menschen nicht verkraften"

Einen Tag hat es gedauert, bis die Gewalt ausbrach, ganz wie erwartet. Nur einen Tag nach Donald Trumps Entscheidung, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, hat der Anführer der palästinensischen Terror-Organisation Hamas eine neue Intifada ausgerufen.

Noch ist der bewaffnete Aufstand nicht tödlich verlaufen. Noch hat die Gewalt nicht die Überhand gewonnen.

Und doch ist die Reaktion aus Palästina nur ein Vorbote auf das Chaos, das Trump durch seine strittige Entscheidung im Nahen Osten losgetreten haben könnte.

Der Gouverneur des Gaza-Streifens, Abdallah al-Frangi, warnt deshalb in der HuffPost vor einer Eskalation der Gewalt. Er berichtet, was die Menschen in Palästina über Donald Trumps Jerusalem-Entscheidung denken - und ruft zu einer Rückbesinnung auf die Zwei-Staaten-Lösung auf.

Mehr zum Thema: Trumps Jerusalem-Entscheidung hilft genau dem Land, dem er damit schaden wollte: dem Iran

Al-Frangi: "Die Glaubwürdigkeit von Donald Trump ist hin"

"Die Menschen sind enttäuscht", sagt al-Frangi der HuffPost über Trumps Jerusalem-Entscheidung. "Bis vor Kurzem hatten sie gehofft, dass der US-Präsident sich für eine Annäherung zwischen Israelis und Palästinensern einsetzt, dass es zu einem Kompromiss kommt."

Dazu ist es nicht gekommen. Trump hat sich eindeutig auf die Seite der Israelis gestellt - allen Beteuerungen zum Trotz, er sei auch am Wohl der Palästinenser interessiert. Für al-Frangi ein Affront: "Die Glaubwürdigkeit von Donald Trump ist hin. Die Menschen hier können nun nicht mehr glauben, dass sich die USA für eine gerechte Lösung in der Region einsetzen."

Dabei könnten Friedensverhandlungen noch immer etwas bewirken, sagt er. Eine Mehrheit der Menschen in Palästina würde noch immer glauben, dass eine Zwei-Staaten-Lösung mit einer geteilten Hauptstadt Jerusalem die einzige Lösung des Konflikts sei.

Al-Frangi wirft dem israelischen Staat jedoch vor, an solch einer Lösung nicht interessiert zu sein. "Es gibt keine richtige Annäherung, es gibt keinen Frieden", sagt er. "Hier im Gaza-Streifen leben zwei Millionen Menschen auf engstem Raum, sie leben wie in einem großen Gefängnis. Israel schafft immer noch Bedingungen wie ein Besatzer."

Al-Frangi: "Einen Krieg können die Menschen nicht verkraften"

Tatsächlich hat Israel in den vergangenen Jahren im Gaza-Streifen viel Härte gezeigt. Bei der Operation Protective Edge 2014 gab es tausende Tote auf palästinensischer Seite. Viele Häuser und Gebäude im Gaza-Streifen wurden bei der israelischen Offensive zerstört. Andererseits feuern Radikale vom Gaza-Streifen aus immer wieder Raketen auf israelisches Gebiet.

"Die Menschen im Gaza-Streifen haben viel gelitten, sie haben Gewalt erfahren", sagt al-Frangi. Ihre Erfahrungen hätten sie politisch und menschlich reifen lassen. Al-Frangi ist sicher: "Die Bewohner des Gaza-Streifens werden sich nicht für eine neue militärische Konfrontation einsetzen."

Der Grund dafür sei simpel: "Einen Krieg könnten die Menschen nicht verkraften."

Al-Frangi ruft die Hamas zur Zusammenarbeit auf

Der Gouverneur nimmt deshalb auch die Hamas in die Pflicht. Sie müsse sich für die Versöhnung im Palästinakonflikt einsetzen und mit der palästinensischen Regierung zusammenarbeiten.

"Man kann nicht auf der einen Seite einen Aufstand provozieren und auf der anderen verhandeln", sagt al-Frangi. "Die ganze Welt unterstützt eine Zwei-Staaten-Lösung. Das ist eine Chance, die muss wahrgenommen werden. Das geht nur, wenn die Palästinenser mit einer Stimme sprechen."

Es dürfe nun keine Situation geschaffen werden, unter der die Palästinenser noch mehr leiden, noch mehr Land verlieren und noch mehr Zerstörung und Tod erleben würden.

Am Donnerstag sei die palästinensische Regierung in Gaza eingetroffen, sagt al-Frangi der Huffpost. Sie diskutiere mit der Hamas über eine zukünftige Politik. "Die Diskussionen laufen gut", sagt al-Frangi, "es wird keine Spaltung der Hamas und auch keine Spaltung der palästinensischen Gesellschaft geben."

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(ll)

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