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07/12/2017 17:36 CET | Aktualisiert 08/12/2017 07:52 CET

Athen-Besuch: Erdogan streitet sich vor laufender Kamera mit seinem Gastgeber

POOL New / Reuters
Athen-Besuch: Erdogan streitet sich vor laufender Kamera mit seinen Gastgebern

  • Der türkische Präsident Erdogan hat sich vor laufender Kamera in Athen mit dem griechischen Präsidenten gestritten

  • Hintergrund ist Erdogans Forderung, den Grenzverlauf zwischen Türkei und Griechenland zu aktualisieren

Der historische Staatsbesuch hat denkbar schlecht begonnen. Am Donnerstag stritt sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit seinem Amtskollegen Prokopis Pavlopoulos - vor laufender Kamera.

Erdogan bekräftigte seine Forderung, über den türkisch-griechischen Grenzverlauf müsse noch einmal verhandelt werden.

Bereits vor seiner Abreise am Mittwoch hatte der türkische Präsident in einem TV-Interview gesagt, einige Details des Vertrags von Lausanne von 1923 seien unklar.

Das Abkommen legt unter anderem die Seegrenzen fest. Der Vertrag sei alt und müsse aktualisiert werden, forderte Erdogan.

Die Äußerungen sorgten für Irritation in Athen. Bei einem Gespräch zwischen Erdogan und Pavlopoulos am Donnerstag kam es zu einem offen Disput.

"Dieser Vertrag ist für uns nicht verhandelbar"

"Dieser Vertrag ist für uns nicht verhandelbar. Er erfordert weder eine Revision noch eine Aktualisierung", sagte der griechische Präsident Pavlopoulos.

Er bezeichnete den Vertrag als das "feste Fundament unserer Freundschaft", berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Erdogan habe die Aussage mit ernstem Gesicht aufgenommen und darauf beharrt, dass Details des Lausanner Vertrages unklar seien. Zudem werde er nicht gerecht angewandt.

Der Vertrag regelte nach dem griechisch-türkischen Krieg von 1919 bis 1922 Grenzverläufe zwischen beiden Staaten und die Umsiedelung muslimischer und christlicher Minderheiten. Außerdem wurde darin der Schutz der verbliebenen Christen in der Türkei und der Muslime in Griechenland vereinbart.

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Erdogan beklagt Diskriminierung von Türken

Erdogan habe bei seinem Besuch beklagt, dass Türken im Norden Griechenlands diskriminiert werden würden. Ihr Status müsse verbessert werden.

Außerdem habe er die Auslieferung mutmaßlicher türkischer Putschisten gefordert, die in Griechenland Asyl gesicht haben, berichtet Reuters.

Pavlopoulos mahnte Erdogan vor laufender Kamera, der türkische Präsident solle bei seinem Besuch "Brücken bauen, nicht Mauern", berichtet “Zeit Online”.

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Schnellbahnverbindung zwischen Thessaloniki und Istanbul geplant

Auch der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras sprach sich gegen eine Revision des Vertrags von Lausanne aus.

"Wir haben uns darauf geeinigt, Gespräche über vertrauensbildende Maßnahmen aufzunehmen", erklärte Tsipras nach dem Gespräch mit Erdogan vor Journalisten. Der türkische Staatspräsident stellte klar, die Türkei stelle keine territorialen Forderungen an Griechenland.

Die Kommunikation beim ersten Staatsbesuch eines türkischen Präsidenten verlief offensichtlich nicht immer harmonisch. Dennoch konnten sich Erdogan und Tsipras auch in einigen Punkten einigen.

Beide beschlossen, dass der wechselseitige Tourismus die beiden Länder zunehmend verbinde. Auch eine Schnellbahnverbindung zwischen Thessaloniki und Istanbul ist geplant.

Mit dem Ziel, die einst verfeindeten Länder einander näher zu bringen.

Mit Material der dpa.

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(amr)