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06/12/2017 17:34 CET

Wiener Forscher haben Alternative zum "Liebeshormon" gefunden - das könnte Geburten erleichtern

tatyana_tomsickova via Getty Images
Oxytocin vor allem dazu verwendet, Schwangeren die Geburt zu erleichtern.

  • Forscher haben eine neue chemische Verbindung zur Erleichterung der Geburt entwickelt

  • “Se-Se-Oxytocin-OH” wirkt wie das körpereigene Oxytecin - nur (fast) ohne Nebenwirkungen

  • Beide können können helfen, Wehen einzuleiten und schmerzen zu lindern

Um eine Geburt einzuleiten, greifen Ärzte immer öfter zu Oxytocin, einem Hormon, das Wehen auslöst, bei längerem Einsatz aber ungünstige Nebenwirkungen für Mutter und Kind hervorrufen kann.

Dem Medizinchemiker Markus Muttenthaler ist es nun zusammen mit einem internationalen Forschungsteam gelungen, eine neue chemische Verbindung zu entwickeln, die ähnlich wie Oxytocin wirkt, aber in der Anwendung sicherer und nebenwirkungsärmer ist.

Das "Liebeshormon" Oxytocin

Das “Liebeshormon” Oxytocin ist verantwortlich für von eine Reihe von Wirkungen, die im Zusammenhang mit der Geburt stehen: Es verstärkt Wehen oder leitet sie ein, regelt Prozesse wie die Mutter-Kind-Bindung und verhindert Nachblutungen nach der Geburt.

Als Medikament wird es vor allem dazu verwendet, Schwangeren die Geburt zu erleichtern. Bei zu hoher Dosis oder zu langer Anwendung kann Oxytocin jedoch Nebenwirkungen für Mutter und Kind verursachen, wie Blutdruckanstieg, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

...und sein Gegenspieler Vasopressin

Oxytocin wird im Gehirn, genauer gesagt im Hypothalamus, gebildet und gelangt über die Blutbahn in andere Organe. Dort aktiviert es Rezeptoren, die zum Beispiel für die Muskelkontraktion und somit für Wehen und Orgasmen verantwortlich sind. Gleichzeitig dockt es aber auch an Rezeptoren eines anderen, antagonistisch wirkenden Hormons an: Vasopressin.

Oxytocin und Vasopressin sind Peptidhormone, die über strukturell sehr ähnlich aufgebaute Rezeptoren agieren. Das führt dazu, dass beide auch die Rezeptoren des jeweils anderen aktivieren können.

Bei zu hoher Dosierung aktiviert Oxytocin auf seinem biochemischen Signalweg nicht nur die eigenen, sondern auch die Vasopressin-Rezeptoren.

Die Aktivierung dieser Rezeptoren sorgt unter anderem für eine gesteigerte Produktion von Cortisol (ein Stresshormon) und einen hohen Blutdruck - Nebenwirkungen, die man vermeiden möchte.

Se-Se-Oxytocin-OH

Die Schwierigkeit besteht nun darin, selektive Verbindungen herzustellen, die nur einen von den vier Rezeptoren aktivieren, um unerwünschte Nebeneffekte auszuschließen.

Genau das ist Muttenthaler und seinem internationalen Forschungsteam nun gelungen: Das von ihnen entwickelte „Se-Se-Oxytocin-OH“ ignoriert weitgehend die chemischen Andockstellen des Vasopressins und ist somit besser steuerbar.

Durch die neue synthetische Verbindung können die Kontraktionen des Uterus ähnlich wie mit Oxytocin verstärkt werden, jedoch in einer viel geregelteren Art und Weise: "Der Anstieg der [...] viel regelmäßiger und kontrollierter. Und es kommt nicht zu extremen Kontraktionen wie beim normalen Oxytocin, die manchmal sogar zu Rissen in der Gebärmutter führen", erklärt Muttenthaler.

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(ben)

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