POLITIK
06/12/2017 16:42 CET | Aktualisiert 07/12/2017 13:11 CET

"Klingt nach 3. Reich": Parteizoff um AfD-Rechtsnationale Sayn-Wittgenstein

dpa
"Klingt nach 3. Reich": Parteizoff um AfD-Rechtsnationale Sayn-Wittgenstein

  • Wer ist die Frau, die am Wochenende fast AfD-Chefin geworden wäre?

  • Über Landeschefin Doris Sayn-Wittgenstein wird nach dem Parteitag nun heftige Kritik laut

  • Ihr Führungsstil erinnert Kritiker an das Dritte Reich - außerdem soll sie einen falschen Adelstitel tragen

Es liest sich wie eine Abrechnung mit dem politischen Feind - geht aber an die Adresse der eigenen Partei.

Mit scharfen Worten richtet sich der AfD-Politiker Karl-Heinz Lenz an Doris von Sayn-Wittgenstein. Die Rechtsnationale führt den Landesverband der Partei in Schleswig-Holstein an und sitzt dort im Parlament.

Sayn-Wittgenstein klinge "eher nach Drittem Reich als nach Demokratie", schreibt Lenz auf Twitter und bezieht sich auf ein Interview seiner Landeschefin, in dem sie angekündigt haben soll, in ihrem Verband aufzuräumen. Lenz war zur Landtagswahl auf Platz 7 der Landesliste angetreten.

"Wer nicht entsorgt werden will, sollte seine untertänigste Unterwerfung abgeben", ätzt Lenz weiter.

Polternde Rede in Hannover

Die Aussagen lassen erahnen, welche Frau da am Wochenende beinahe völlig überraschend an die AfD-Spitze gewählt worden wäre.

Hätte sie nur eine Stimme mehr auf dem Parteitag in Hannover bekommen, wäre Sayn-Wittgenstein gleichberechtigte Parteichefin neben Jörg Meuthen geworden.

Nur eine Kandidatur von Alexander Gauland konnte das verhindern, dem bis dahin die Landeschefin völlig unbekannt war.

Und so ging es auch Beobachtern und der Mehrheit der Delegierten. Bis zu ihrem Auftritt in Hannover war Sayn-Wittgenstein auf der großen politischen Bühne ein unbeschriebenes Blatt.

Verharmlosung der Identitären Bewegung

In Hannover machte sie dann mit einer polternden Rede auf sich aufmerksam.

In ihrer Rede verharmloste sie etwa die rechtsextreme Identitäre Bewegung und kritisierte deren Beobachtung durch den Verfassungsschutz.

Sayn-Wittgenstein steht dem rechtsnationalen Flügel um Björn Höcke nahe. Zwar kenne sie diesen nur flüchtig, besuche aber immer gerne das jährliche Kyffhäusertreffen der Gruppierung um den Rechtsaußen, sagte sie am Sonntag.

Eine Höcke-Vertreterin an der Spitze ginge selbst vielen in der AfD zu weit. Hinzu kommt, dass Sayn-Wittgenstein vorgeworfen wird, einen gekauften Adelstitel zu tragen.

"Werden der Lächerlichkeit preisgegeben"

Auch darüber echauffiert sich der Landtagsabgeordnete Lenz auf Twitter.

"Durch diesen Namensstreit wird die gesamte Landtagsfraktion der Lächerlichkeit preisgegeben", schreibt er. "Für mich ist die Vortäuschung des Titels extrem verwerflich!".

Lenz bezieht sich auf ein Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit einem Mitglied der Adelsfamilie Sayn-Wittgenstein.

"Die gehört nicht zu uns"

Genauer: mit Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Der sagt über die AfD-Politikerin:

"Die gehört nicht zu uns. Weder zu meiner nahen noch fernen Verwandtschaft. Ihr Name ist zwar sehr ähnlich, aber in unserer Familie tragen alle ein 'zu' im Namen, kein 'von'. Sie hat den Namen erworben, sie hieß früher ganz anders."

Er wisse von 50 bis 60 Namensträgern. Demnach soll "von Sayn-Wittgenstein" auf dem Adelstitelmarkt sehr begehrt und vergleichsweise leicht erwerblich sein.

Sayn-Wittgenstein will sich dazu nicht äußern. Sie sagt lediglich: "Ich trage meinen Namen zu Recht. Es ist mein Geburtsname, das wurde von Gerichten bestätigt."

Ihr früherer Name soll Doris Ulrich gewesen sein

Ob sie den Namen nun gekauft hat oder nicht, wird dadurch nicht klarer - bei einer Adoption wird der Geburtsname in der Geburtsurkunde nämlich geändert.

Früher soll die AfD-Frau übrigens wenig spektakulär Doris Ulrich geheißen haben, berichtet die "FAZ". An ihren radiaklen Inhalten ändert das aber nichts.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir Karl-Heinz Lenz als Landtagsabgeordneten bezeichnet. Er sitzt aber nicht im Landtag. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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(ll)

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