POLITIK
06/12/2017 13:11 CET | Aktualisiert 06/12/2017 13:59 CET

Pfarrer erklärt, ob es noch politisch korrekt ist, frohe Weihnachten zu wünschen

Louafi Larbi / Reuters
Der Pfarrer Kevin O'Brien sagt: "Als guter Christ muss ich genauso die Rechte von Muslimen schützen" REUTERS/ Louafi Larbi PDB/ABP

  • Die Diskussion über die politische Korrektheit von Weihnachtsbräuchen ist wieder voll im Gang

  • Ein Priester erklärt nun, warum wir endlich aufhören müssen, darüber zu streiten

Alle Jahre wieder ... die gleiche Diskussion. Ist Weihnachten noch politisch korrekt? Darf ich einem Menschen mit anderer Religionszugehörigkeit frohe Weihnachten wünschen oder ist das schon Diskriminierung?

Die Frage treibt politisch Vorsichtige um, in Deutschland, und erst recht in den USA, wo sogar vom "Krieg an Weihnachten" die Rede ist.

Sie treibt Rechtspopulisten an, hinter jedem "Wintermarkt", der eben nicht "Weihnachtsmarkt" heißt, einen Kapitulation des Abendlandes vor dem Orient zu wittern. Auch wenn er nur aus kommerziellen Gründen so heißt, damit er auch nach Weihnachten offen bleiben kann.

Ausgerechnet ein Priester bringt in die aufgeregte Debatte nun ganz coole Töne: Kevin O'Brien, Pfarrer und Dekan der "Jesuit school of Theology" der Universität von Santa-Clara in den USA.

Die völlig falsche Frage

Er sagt: Viel wichtiger, als diese Fragen zu beantworten, sei es, sich die Frage zu stellen, ob sie überhaupt beantwortet werden müssen.

In einem Video der US-Nachrichtenseite "Mic" erklärt er, wieso wir endlich aufhören müssen, uns vor Weihnachten über politische Korrektheit zu streiten. Darüber, ob es "Merry Christmas" oder "Happy Holidays" heißen muss.

"Ich denke nicht, dass es Jesus kümmern würde, ob wir uns "Frohe Weihnachten" oder "Fröhliche Ferien" wünschen", sagt er im Video. "Schließlich war es nicht sein Ziel, sich selbst zu preisen, sondern die Herrschaft Gottes. Das ist eine Gemeinschaft aus Liebe, Friede und Gerechtigkeit."

Wichtiger sei es also, Weihnachten wirklich zu leben, so O'Brien. Es gehe um Werte wie Einfachheit, Großzügigkeit, Offenheit und Freundlichkeit gegenüber anderen Menschen.

Lichtermarkt statt Weihnachtsmarkt

So viel Gelassenheit eines christlichen Geistlichen lässt ziemlich lächerlich wirken, was die AfD vergangenen Monat empörte: Die Rechtspopulisten fürchteten um die "Abschaffung der Weihnachtszeit", nachdem in Elmshorn in Schleswig-Holstein ein "Lichtermarkt" statt eines Weihnachtsmarkts veranstaltet wurde.

Viele Muslime scheinen diese Diskussion um ihre angebliche Diskrimierung durch Weihnachtsgrüße ebenfalls absurd zu finden. Menerva Hammad, Bloggerin bei der HuffPost, sagt dazu: "Als Muslima kann ich allen sagen: Wer soll sich wegen der Feste und guten Wünsche zu Weihnachten schon diskriminiert fühlen? Traditionen und Religionen unserer Mitmenschen sind sehr wichtig. Wir leben schließlich alle gemeinsam in einem Land."

Hammad lebt in Österreich und ist - neben muslimischen - auch mit christlichen Bräuchen aufgewachsen.

Mehr zum Thema: So stark ist Weihnachten wirklich von der Islamisierung bedroht

"Die Erinnerungen an das gemeinsame Basteln im Kindergarten, das Singen, die friedliche Stimmung, das tägliche Öffnen des Adventskalenders und das Anzünden der Kerzen am Adventskranz - all diese Dinge waren zur Weihnachtszeit Rituale, auf die ich schon als Kind von Jahr zu Jahr wartete", sagt sie.

"Auch wenn man selber nicht daran glaubt, so kann man wenigstens die Traditionen, das Beisammensein, das Essen und die familiäre Atmosphäre so belassen, wie sie sind."

"Als guter Christ muss ich genauso die Rechte von Muslimen schützen"

In der Diskussion um die politische Korrektheit von Weihnachtsbräuche sollten wir also vor allem nicht vergessen, dass ein respektvolles Miteinander mit Toleranz und Offenheit möglich ist, ohne die eigenen Traditionen zu vergessen.

O'Brien von der Universität von Santa Clara sieht das ähnlich. "Natürlich müssen Christen, genauso wie Gläubige anderer Religionen, das Recht haben, ihren Glauben zu verteidigen. Aber es geht nicht nur darum, das Christentum zu schützen - Als guter Christ muss ich genauso die Rechte von Muslimen schützen."

"In diesem Sinne: Frohe Weihnachten, Fröhliche Ferien und Friede für alle!"

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

(sk)

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