POLITIK
06/12/2017 18:03 CET | Aktualisiert 07/12/2017 01:00 CET

Juso-Chef stimmt einem Zitat zu - dann erfährt er, dass die Worte von AfD-Mann Höcke stammen

  • Die "Welt" hat Juso-Chef Kühnert ein Zitat von Björn Höcke vorgelegt - ohne ihm zu sagen, von wem es eigentlich stammt

  • Kühnert stimmte der überraschenden Aussage zu - und war irritiert, als er den Urheber erfuhr

Plötzlich wird der Chef der Jusos, Kevin Kühnert, einsilbig. Gerade hatten ihm Journalisten der "Welt" ein Zitat vorgelesen, ohne ihm den Urheber zu nennen. Kühnert meint dazu: "Von der Stoßrichtung stimmt die Analyse."

Dann sagen ihm die Journalisten, wem er da zugestimmt hatte: AfD-Rechtsaußen Björn Höcke.

Der umstrittene thüringische Landeschef überraschte kürzlich, ebenfalls in einem Interview mit der "Welt", mit Aussagen, die auch von einem Linken stammen könnten. Höcke wetterte gegen Banken, private Versicherungen und hohe Managerboni - und warb für einen linken Sozialkurs der AfD.

"Was sagen Sie dazu?"

Die "Welt" legt Kühnert im Gespräch dann folgendes Zitat von Höcke vor:

Wir brauchen Lösungen für die Folgen einer falsch angelegten Globalisierung. Die neoliberale Ideologie ... hat Staaten zu Wurmfortsätzen global agierender Konzerne gemacht und senkt in westlichen Industrienationen die Löhne zugunsten der Kapitalrendite. Die Folgen für den Sozialstaat und die Renten sind verheerend.

Und fragt den SPD-Nachwuchspolitiker: "Was sagen Sie dazu?"

Kühnert stimmt der Analyse zu. "Viele gesellschaftliche Missstände werden als Naturgewalt und vermeintlich nicht veränderbar hingenommen. Die SPD hat es ein wenig verlernt, sich über grundlegende Ungerechtigkeiten zu empören", sagt er.

Läuft die AfD der SPD den Rang ab?

Am Ende fragt er neugierig nach: "Von wem stammt das Zitat?" Als er erfährt, dass es sich bei dem Urheber um Björn Höcke handelt, bringt Kühnert nur ein Wort heraus: "Oha."

Dieser Moment im Gespräch verdeutlicht: Die AfD könnte in Zukunft zum Problem für die linken Parteien werden. Waren die Rechtspopulisten früher eher wirtschaftsliberal eingestellt, deutet sich in den Worten von Höcke ein sozialpolitischer Schwenk an. Auch beim Bundesparteitag der AfD am Wochenende in Hannover fielen bei mehreren Rednern linke Kampfbegriffe und sozialistisch anmutende Schlachtaufrufe gegen das Großkapital.

Mehr zum Thema: Wieso die SPD ab heute Gefahr läuft, zwischen CDU und AfD zermalmt zu werden

Hat das alte Raster des politischen Spektrums nach links und rechts nun endgültig ausgedient? Kühnert kommt in seiner Analyse von Höckes überraschenden Worten zu einem anderen Urteil:

"Die AfD ist in manchen Dingen ein Thermometer, an dem man sieht, wo die anderen Parteien Fehler machen." Er möchte, dass sich seine Partei wieder mehr für Bedürftige einsetzt - und stärker für soziale Gerechtigkeit kämpft.

Die Politik der AfD produziere "Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit, nicht Gerechtigkeit", urteilt Kühnert nach dem kurzen Moment der Irritation.

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