POLITIK
06/12/2017 13:43 CET | Aktualisiert 07/12/2017 08:15 CET

"Das ist Mord": Erdogan behauptet in irrer Rede, der Westen raube muslimischen Familien ihre Kinder

  • Eigentlich sollte es in einer Rede des türkischen Präsidenten um Möglichkeiten gehen, Frauen in Politik und Wirtschaft zu fördern

  • Doch Erdogan hielt lieber eine wahnwitzige Laudatio auf muslimische Familien - und beschuldigte Länder im Westen, diesen ihre Kinder zu stehlen

  • Im Video oben: Dieser verstörende Film zeigt, was die Türken für Erdogan wirklich sind

Recep Tayyip Erdogan ist ein Familienmensch. Einer, der in der Familie ein Instrument zur Unterdrückung der Frau sieht.

Denn deren Rolle ist für den türkischen Präsidenten klar definiert: Mutter, Ehefrau und vor allem Muslima.

"Heiratet und vermehrt euch", rief der türkische Präsident einmal einer Gruppe von 50 Frauen aus muslimischen Ländern zu, die ihn in seinem Palast besuchten.

Trotzdem war Erdogan der Starredner auf dem 2. Wirtschaftskongress für Frauen seiner Regierungspartei AKP am 5. Dezember, dem "Tag der Frauenrechte" in der Türkei. Um diese sollte es in der Ansprache des türkischen Präsidenten auch eigentlich gehen.

Doch statt nur darüber zu sprechen, wie er Frauen in seinem Land fördern möchte, startete Erdogan eine absurde Attacke auf die "Kinderdiebe aus dem Westen".

Erdogan: "Das ist Mord, ihr dürft mir mein Kind nicht stehlen"

"Frauen in der Türkei haben unter unserer Regierung ihre politische, ökonomische, akademische und kommerzielle Freiheit erlangt", sagte Erdogan vor hunderten von AKP-Anhängerinnen. Bis 2023 wolle er es schaffen, dass 43 Prozent aller Frauen im Land in Arbeit seien. Soweit so mutmachend.

Erdogan betonte jedoch: "Der Islam ist die Religion, die Frauen ihren wahren Wert und ihre wirkliche Freiheit schenkt."

Die "westliche Modernisierung" im Bereich der Frauenrechte bezeichnete er hingegen als anti-islamische Gefahr. Eine Gefahr, die Erdogan mit absurden Behauptungen beschrieb.

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Denn laut dem türkischen Präsidenten würden im Westen muslimischen Familien ihre Kinder geklaut. Seine Minister hätten solche Fälle in den Niederlanden und in Österreich dokumentiert.

"Und was ist das?", klagte Erdogan - und antwortete sich selbst: "Das ist ein Massaker, das ist Mord, ihr dürft mir mein Kind nicht stehlen."

Erdogan: "Es geht um die Zukunft der Menschheit und der Demokratie"

"Niemand außer einer Mutter kann nachvollziehen, wie sich eine Mutter fühlt, der ihr Kind weggenommen wurde", sagte Erdogan. Dennoch machte er sich den Kampf über die angeblich entführten muslimischen Kinder im Westen zu eigen.

"Es ist nicht nur ein Kampf für die Frauen, es geht um die Zukunft der Menschheit und der Demokratie", sagte der türkische Präsident. Gerade die floriere in seinem Land seit 15 Jahren, während der Westen eine "Diktatur der Demokratie" erlebe.

"Die Menschheit entwickelt sich in eine seltsame Richtung", warnte Erdogan zum Ende seiner Rede. Angesichts deren Inhalts eine treffende Analyse.

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(ben)

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