LIFESTYLE
06/12/2017 20:18 CET | Aktualisiert 07/12/2017 01:03 CET

Diese Bilder wirken harmlos, aber sie zeigen, wie krank unsere Gesellschaft ist

  • Fast alle sind davon betroffen: der Abhängigkeit vom Smartphone

  • Fotograf Ritzo ten Cate hält in seiner Serie "Caught in the App" fest, wie wir so zu "Smartphone-Zombies" mutieren

  • Wie diese Fotos aussehen und wie sie entstehen, seht ihr im Video oben

Sie sind überall: die Smartphone-Zombies. Lebende Tote, die stets auf ihr Handy gucken und alles andere um sich herum vergessen. Ob in der Straßenbahn, im Bus oder zu Fuß - die Abhängigkeit vom Smartphone hat viele Menschen erwischt. Das ist jeden Tag in Deutschland zu beobachten.

Mit seinem Fotoprojekt "Caught in the App" möchte der Niederländer Ritzo ten Cate genau darauf aufmerksam machen.

Vor mehreren Jahren habe er bereits bei sich selbst eine immer stärker werdende Sucht nach dem Handy festgestellt, berichtet er im Gespräch mit der HuffPost. Als dann im vergangenen Sommer Millionen Menschen dem Pokemon-Go-Fieber verfielen und auf den Straßen wandelten, sei ihm die Idee für ein Fotoprojekt gekommen.

“Ich mache mir Sorgen”

Auf der Straße habe er seine Kamera gezückt und Schnappschüsse von Menschen gemacht, die ihre Umwelt um sich herum vergessen hatten - sei es auf der Jagd nach Pikachu oder gefangen im Sog von Instagram, Facebook und Co.

"Ich mache mir Sorgen”, sagte ten Cato der HuffPost. "Die Menschen leben heutzutage mehrere Leben - davon ist eines in der realen Welt und eines online. Das lenkt uns ab, macht uns müde, es trennt uns voneinander und desozialisiert."

Zuletzt bestätigten Studien den teilweise schädlichen Einfluss von Smartphones auf Beziehungen. In einer Untersuchung der Baylor-Universität in Texas wurden 143 Paare gefragt, wie oft ihre Interaktionen mit ihrem Partner durch ihr Handy unterbrochen wurde. 70 Prozent gaben "manchmal", "oft", "sehr oft" oder "ständig" an.

In einer weiteren Umfrage der Universität mit 145 Menschen gaben 22,6 Prozent an, dass das Smartphone in ihrer Beziehung zu Streit geführt habe. 36,6 Prozent gaben an, dass sie sich deprimiert fühlen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihr Partner ihr Handy über sie stellt.

Er möchte Menschen aus der virtuellen Welt aufwecken

Mit seinem Schnappschuss möchte Fotograf Ritzo ten Cate die Menschen aus der virtuellen Welt holen - zumindest für einen Moment. Er halte Smartphones zwar großartig und wertvoll. Sagt aber auch, dass "wir uns auch über unser abhängiges und ungesundes Verhalten bewusst sein müssen."

Er vergleiche Smartphones gerne mit Wasser. "Wasser ist gesund. Ohne es können wir nicht leben. Aber leben wir mit einem Gartenschlauch in unserem Mund? Nein. Wir trinken Wasser, wenn wir es brauchen oder um unser Geschirr zu spülen, zu duschen oder unsere Toiletten zu spülen. Und genau so sollten wir auch unsere Smartphones verwenden."

Seine Fotoserie begann in den Niederlanden und führte den Fotografen schließlich nach London. Er plant nun weitere Serien in Städten wie Berlin oder Hamburg.

Was die fotografierten Personen von seiner Arbeit hielten? Die reagierten durchwegs positiv, wenn er sie mit den Bildern konfrontiere. "Sie verstehen immer sofort, worum es in meiner Arbeit geht. Die meisten fühlen sich ertappt und geben zu, dass sie abhängig sind. Oft danken sie mir dafür, sie aufgeweckt zu haben."

Bei rund 500 Porträts sei er nur auf ungefähr fünf unfreundliche Personen gestoßen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

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(ll)

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