POLITIK
05/12/2017 15:57 CET | Aktualisiert 05/12/2017 15:59 CET

"Das ist eine rote Linie": Wegen eines Streits mit Trump nimmt Erdogan jetzt Israel ins Visier

Kevin Lamarque / Reuters
Turkey's President Recep Tayyip Erdogan (L) meets with U.S President Donald Trump in the Oval Office of the White House in Washington, U.S. May 16, 2017. REUTERS/Kevin Lamarque

  • Laut Medienberichten steht US-Präsident Donald Trump kurz davor, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen

  • Das hätte jedoch große Konsequenzen für die internationalen Beziehungen

  • Der türkische Staatspräsident Erdogan sagte am Dienstag, er werde die diplomatischen Beziehungen zu Israel abbrechen

Donald Trump hat ein Talent dafür, diplomatische Brücken abzubrennen. Erst vor kurzem belastete er die britisch-amerikanischen Beziehungen mit mehreren Tweets.

Nun hat Trump den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan erzürnt. Der droht mit einem Abbruch der Beziehungen zu Israel, sollten die USA Jerusalem als Hauptstadt des Landes anerkennen.

“Herr Trump, Jerusalem ist die rote Linie der Muslime”, sagte Erdogan am Dienstag vor der Fraktion seiner AKP im Parlament in Ankara an die Adresse von US-Präsident Donald Trump. "Das kann soweit gehen, dass wir unsere diplomatischen Beziehungen zu Israel abbrechen.”

Erdogan sagte, eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels wäre nicht nur ein Verstoß gegen internationales Recht, sondern “ein harter Schlag gegen das Gewissen der Menschheit”.

Sollte es dazu kommen, werde er innerhalb weniger Tage einen Gipfel der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) in Istanbul einberufen. “Auf diesem Gipfel werden wir die gesamte islamische Welt in Bewegung setzen.” Die Türkei hat derzeit die OIC-Präsidentschaft inne.

Medienbericht: Trump will Jerusalem als Hauptstadt anerkennen

Das “Wall Street Journal” hatte berichtet, dass US-Präsident Donald Trump unmittelbar vor der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt stehe. Medienberichten zufolge plant Trump außerdem, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen - als derzeit einziges Land überhaupt. Mehrere Staaten unterhalten in Jerusalem Konsulate.

Der künftige Status von Jerusalem gehört zu den strittigsten und komplexesten Fragen, die bislang eine Friedenslösung zwischen Israel und den Palästinensern verhindert haben.

Juden wie Muslimen ist die Stadt heilig. Die Palästinenser wollen im arabischen Ostteil der Stadt, den Israel 1967 besetzt und später annektiert hatte, die Hauptstadt eines unabhängigen Staates ausrufen. Israel beansprucht hingegen die ganze Stadt für sich. Erdogan versteht sich traditionell als Anwalt der Palästinenser.

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