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05/12/2017 16:53 CET | Aktualisiert 05/12/2017 16:58 CET

Es gibt ein furchteinflößendes Phänomen während der Schwangerschaft, vor dem dich niemand warnt

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Während der Schwangerschaft haben viele Frauen intensive, angsteinflößende Träume.

  • Viele Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft sind den meisten Frauen bewusst

  • Über eine jedoch spricht kaum jemand: Viele Schwangere haben sehr intensive, verstörende Träume

  • Laut Experten gibt es dafür verschiedene Gründe

Wenn eine Frau schwanger wird, betritt sie eine neue, unbekannte Welt. Ihr Körper verändert sich, ihre Ernährungsgewohnheiten können sich auf den Kopf stellen und häufig sind ihre Emotionen intensiver als zuvor.

Kein Wunder, dass vieles ungewohnt ist: Schließlich wächst plötzlich im eigenen Körper ein zweiter, kleiner Mensch heran.

Viele Begleiterscheinungen einer Schwangerschaft sind den meisten Frauen im Vorhinein bewusst, die schon mal einen Ratgeber zu dem Thema gelesen haben. Andere aber treffen viele werdende Mütter eher unvorbereitet.

Ein Phänomen während der Schwangerschaft, über das kaum gesprochen wird, macht sich nachts bemerkbar: Frauen, die ein Kind in sich tragen, träumen häufig besonders intensiv.

"Ich hätte nicht gedacht, dass ein einziger Mensch so viele Zombie-Träume haben kann"

Je näher die Geburt rückt, desto häufiger werden die Träume. Vor allem im letzten Trimester können sie sehr lebhaft sein - und auch beängstigende Züge annehmen.

Mehr zum Thema: Vorteile von Breastsleeping: Das passiert mit Kindern, die im Bett der Eltern gestillt werden

Schätzungen zufolge leiden etwa 60 Prozent der Schwangeren unter Albträumen und Angst beim Aufwachen.

In Internetforen berichten mehrere Frauen davon, sie hätten in dieser Zeit geträumt, dass ein geliebter Mensch stirbt oder etwas mit ihrem Baby nicht stimmt.

"Ich habe so schlecht geträumt, dass ich öfters total verschwitzt und verweint aufgewacht bin", schreibt eine Nutzerin auf dem Portal "Mamiweb".

"Ich hätte nicht gedacht, dass ein einziger Mensch so viele Zombie-Träume haben kann", wundert sich die Journalistin Katie Lee in einem Beitrag für die HuffPost UK.

Schwangere Frauen können sich häufig an ihre Träume erinnern

Lee habe auch viele Träume gehabt, die schlicht seltsam gewesen seien. Ein Mal habe sie mit einem Spülschwamm die Haare von Michelle Obama gereinigt, weil ihr Mann Barack dazu im Traum nicht in der Lage gewesen sei.

"Diese Träume waren wie eine Reise ins merkwürdigste Kino der Welt", schreibt sie.

Stimmt es also wirklich, dass schwangere Frauen häufiger intensive Träume haben als andere Frauen? Und wenn ja, woran liegt das?

"Schwangere Frauen träumen tatsächlich viel und können sich oft sehr intensiv an ihre Träume erinnern", sagte die Psychologin Patricia Garfield dem Eltern-Portal "lilliput-lounge". "Viele Träume hängen eng mit der Schwangerschaft zusammen und sind davon abhängig, in welchem Trimester die werdende Mutter ist und wie es ihr körperlich geht."

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Es gibt mindestens drei mögliche Gründe

Warum das so ist, konnte die Wissenschaft bisher noch nicht endgültig klären. Experten gehen aber von mehreren möglichen Gründen aus.

1. Die Schwangerschafts-Hormone fördern den REM-Schlaf

Zum einen befindet sich eine Frau während der Schwangerschaft in einer sehr aufregenden Phase ihres Lebens. In dieser Zeitist sie besonders stark durch Hormone beeinflusst. Studien zufolge spielt im Zusammenhang mit dem Träumen vor allem das Schwangerschaftshormon Progesteron eine große Rolle.

Denn: Progesteron sorgt für mehr traumintensiven REM-Schlaf und auch dafür, dass werdende Mütter häufig kurz vor dem Ende der REM-Schlafphase aufwachen - und deswegen können sie sich besonders oft an das Geträumte erinnern.

2. Das Schlafen ist beschwerlicher

Vor allem zum Ende der Schwangerschaft wird das Schlafen schwieriger. Die werdende Mutter wacht häufiger auf, zum Beispiel, wenn das Baby auf die Blase drückt oder sich auch sonst im Bauch bewegt. Denn der Schlafrhythmus des Babys ist nicht erst dann antizyklisch zu dem der Mutter. Auch im Bauch schert sich das Ungeborene herzlich wenig darum, dass seine Mutter nachts gerne schlafen würde.

Die logische Folge: Wer häufiger aufwacht, erinnert sich auch häufiger und detaillierter an seine Träume. Dadurch können Schwangere auch bloß den Eindruck haben, dass sie intensiver träumen als davor.

3. Schwangere schlafen mehr

Ein weiterer - sehr simpler - Grund: Weil sich der Körper umstellt, sind schwangere Frauen häufig müde. Deswegen schlafen sie tendenziell mehr. Und: "Je mehr man schläft, desto mehr träumt man auch", stellt Garfield fest.

Wiederholen sich bestimmte Motive in den Träumen?

Offenbar scheint es tatsächlich einige Themen zu geben, die sich in den Träumen während der Schwangerschaft häufen. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest die Gynäkologin und Psychotherapeutin Jael Backe. Sie erforscht bereits seit Langem die Träume von werdenden Müttern und beobachtet, dass beispielsweise in etwa jedem dritten Traum ein Haus vorkommt.

Mehr zum Thema: Ein Psychologe untersucht seit 30 Jahren Träume - das ist der häufigste, den Menschen haben

Auch Tiere sind laut ihren Untersuchungen ein wiederkehrendes Motiv in den Träumen von Schwangeren. Nach Ansicht der Ärztin stehen sie häufig sinnbildlich für das ungeborene Kind. Auch die Mutter der Schwangeren oder die Suche nach dem Baby spielen ihren Studien zufolge oft eine große Rolle in den Träumen.

Erotische Träume mehren sich ab dem zweiten Trimester

In Foren berichten Frauen außerdem von Träumen, in denen sie die Angst verarbeiten, nicht gut für ihr Kind sorgen zu können.

"Habe geträumt, ich stille mein Kind und vergesse aber immer öfter, dass ich ja stillen muss, und es hat nix gesagt und da ist es immer kleiner geworden”, schreibt eine Nutzerin auf "eltern.de". "Am Ende hing nur noch ein Meerschweinchen an meiner Brust."

Auch Wasser ist laut Experten in den Träumen während dieser Zeit ein wiederkehrendes Motiv. "Das Baby schwimmt im Fruchtwasser – oft setzt sich die Mutter mit ihm im Traum gleich und träumt von der Schwerelosigkeit im Wasser", sagte Psychologin Garfield gegenüber "lilliput-lounge".

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Ab dem zweiten Trimester werden auch erotische Träume häufiger.

Der Grund: "Durch die bessere Durchblutung des gesamten Körpers und die stärker durchbluteten Genitalien nimmt die sexuelle Stimulation während der gesamten Schwangerschaft immer mehr zu", schreibt Garfield in ihrem Buch "Frauen träumen anders" ("Women's Bodies, Women's Dreams"). "Der Vaginalbereich schwillt an, die Empfindungen in den Genitalien werden immer stärker."

Was Alpträume während der Schwangerschaft angeht, kann Gynäkologin Backe beruhigen. Böse Träume das Kind betreffend seien nicht als Prophezeiungen zu verstehen.

"Träume sind fiktive Theaterstücke, die unser Unbewusstes inszeniert", sagte sie dem Portal "eltern.de". "Das Unbewusste lotet die neue Lebenssituation aus und thematisiert Dinge, die unser Bewusstsein gern ausblenden möchte."

Intensive Träume während der Schwangerschaft sind also kein Grund, beunruhigt zu sein. Sollten die Träume aber zu verstörend werden, vertraut euch am besten eurem Partner oder eurer Hebamme an und sprecht mit ihnen über eure Ängste und Gefühle.

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(ks)

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