POLITIK
05/12/2017 10:55 CET | Aktualisiert 05/12/2017 10:59 CET

So scharf urteilt die Presse über den nächsten bayerischen Ministerpräsidenten

Michael Dalder / Reuters
"Flüchtlingsfeindlich und dumpfbackig" – so scharf urteilt die Presse über den nächsten bayerischen Ministerpräsidenten

  • Markus Söder wird Horst Seehofer als bayerischer Ministerpräsident ablösen

  • Die deutsche Presse befürchtet einen Rechtsruck der CSU

  • Söder sei ein Egozentriker, dem es in erster Linie um seinen persönlichen Erfolg ginge

Das Rätsel ist gelöst: Markus Söder wird Horst Seehofer als bayerischer Ministerpräsident ablösen. Wer ist der neue Spitzenpolitiker der CSU und was bedeutet sein Amtsantritt für die Zukunft der Partei?

Die “Frankenpost” bemerkt, dass die Meinungen über den Nürnberger selbst in der CSU weit auseinander gingen. “Selbst seine Kritiker räumen aber ein, dass er ein überaus fleißiger und talentierter Politiker ist. Nicht wenige teilen aber auch die Überzeugung, dass er vor allem auf eigene Rechnung arbeitet.”

Das sieht auch “Spiegel Online” am Dienstag so: “Er hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass ihm sein Wohlergehen sehr am Herzen liegt”, kommentiert Ralf Neukirch.

“Seit Jahren arbeitet er auf nichts anders hin. Er hat noch den letzten Ortsverein besucht, die langweiligste Talkshow mit seiner Anwesenheit beehrt, den albernsten Facebookeintrag ("Spargel wächst sehr gut in Franken") in die Welt gesendet, nur um der bayerischen Staatskanzlei näher zu kommen”, schreibt Neukirch weiter. “In Zeiten, in denen für Politiker angeblich das Wohl des Landes alles und das eigene gar nichts gilt, ist Söder ein Solitär.”

Demokratie-Preis für die CSU?

Trotz seines Rufs als Egozentriker, gibt es auch Stimmen, die seinen Aufstieg begrüßen, etwa der“Münchner Merkur”. Jede Partei geht anders mit Wahlniederlagen um", schreibt die konservative Lokalzeitung und lobt:

"Die CDU stolpert mürrisch hinter ihrer Ich-wüsste-nicht-was-ich-anders-machen-sollte-Chefin Angela Merkel her. Die SPD dreht sich im Kreis und bejammert ihr Schicksal, jetzt doch regieren zu sollen. Und die CSU? Die feuert ihren Ministerpräsidenten, zieht den Kampfanzug an und zieht in die Schlacht um die Verteidigung ihrer heiligen Mehrheit” – schließlich stehen dem Freistaat 2018 Landtagswahlen bevor. Bei der Bundestagswahl im September hatte die CSU das schlechteste Ergebnis seit 1949 erzielt.

“Gäbe es einen Demokratie-Preis, wo das Wort des Wählers noch etwas bewirkt - er ginge nach Bayern", heißt es im “Merkur”.

Mehr zum Thema: 5 Anzeichen für den Anfang vom Ende der alten CSU - und was das für Deutschland bedeutet

Rückt die CSU weiter nach rechts?

Andere befürchten, dass die Partei unter ihrem neuen Ministerpräsident nach rechts rücken könnte.

Die “Frankenpost” hält fest, dass Söder außerhalb Bayerns vielen als “Scharfmacher, Populist, Provokateur, Rechtsaußen” gelte. Der “Tagesspiegel” glaubt, “Markus Söder wird versuchen, der AfD in Bayern das Wasser abzugraben”, schließlich stehen dem Freistaat Landtagswahlen bevor.

Dagegen sieht es die Berliner Tageszeitung “Taz” unaufgeregter: Seehofers Nachfolger als bayerischer Ministerpräsident sei zwar “noch flüchtlingsfeindlicher und dumpfbackiger als Seehofer daherkommt”, doch “mit Markus Söder als Regierungschef wird Bayern nicht automatisch dauerhaft rechter”, schreibt der Autor, “sondern in alle Richtungen unberechenbarer".

Mehr zum Thema: Aigner: CSU gibt "katastrophales" Bild ab

Rüsten für die Landtagswahl

Auch die “Welt” vermutet, dass der neue Ministerpräsident im Wahlkampf harte Linien fahren wird. “Söder wird im Zweifelsfall rücksichtslos Bayern First denken. Und im Praxistest den Bauplan für eine bürgerliche Partei rechts der CDU mitentwickeln.”

“Alles wird er dem Ziel unterordnen, die CSU bei der Landtagswahl über die 40-Prozent-Marke zu hieven”, schreibt Ulf Poschardt in seinem Kommentar. Früher sei das normal gewesen, “nach der seehoferschen Hängepartie und dem schwarz-grünen Sondierungsflirt” sei es aber anspruchsvoll.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(cho)

Sponsored by Trentino