NACHRICHTEN
05/12/2017 10:16 CET

Wahre Wunder der Natur: Kanadas Geheimtipps

Naturerlebnis in Manitoba: Eisbären in der Abendsonne

Geheimtipp. Eigentlich ein inflationär missbrauchtes, überstrapaziertes Versprechen. Aber sie sind noch nicht ausgestorben, die seltenen Orte auf dieser Welt, die das Prädikat verdienen. Vor allem in Kanada, diesem riesigen, an unberührter Natur so reichen Land. Zu ihnen zählen die Northwest Territories im hohen Norden sowie die Prärieprovinzen Saskatchewan und Manitoba im Herzen des Landes. Um sie zu entdecken, braucht es einen wahren Kanada-Kenner, einen wie beispielsweise Rainer Schoof vom Spezialreiseveranstalter SK Touristik. Er gibt die Geheimtipps, die diesen Namen auch verdienen, samt ihren einzigartigen Geschichten nicht nur preis - er hat sie auch selbst erlebt.

Northwest Territories: Highway zum Arktischen Ozean

Auch dieses Buch ist ein Geheimtipp: "Das Kanada-Lesebuch: Alles, was Sie über Kanada wissen müssen" bereitet Sie besten auf ihren Kanada-Trip vor

Hoch im Norden Kanadas liegen sie: die Northwest Territories. Imposante Natur, ursprüngliche Wildnis und eine faszinierende Tierwelt - dies alles zeichnet die Region aus, die touristisch bisher nur schwach erschlossen ist und gerade deshalb erstklassige Reisebedingungen für Naturliebhaber und Abenteurer bietet. Getreu dem Motto "Der Weg ist das Ziel" führen Traumstraßen wie der Yellowknife oder der Mackenzie Highway ganz unberührt von der Hektik der Zivilisation durch Kanadas wilden Nordwesten, vorbei an grandiosen Naturschauplätzen und Geheimnissen aus längst vergangenen Tagen.

Traumstraße in den Northwest Territories: der Dempster Highway

Bei meinem Roadtrip per Wohnmobil auf dem Dempster Highway, der in Dawson City im Yukon Territory beginnt und durch einige der schönsten und abgelegensten Wildnis-Landschaften Nordamerikas führt, war nach stolzen 736 Kilometern in Inuvik im Norden der Northwest Territories mein finales Ziel erreicht. Das 3.500 Einwohner zählende Städtchen liegt etwa 100 km vor dem Nordpolarmeer nahe der nördlichen Waldgrenze am Übergang von der Taiga zur Tundra und ist die größte Stadt Kanadas nördlich des Polarkreises.

Weiter nördlich hätte ich auf dem Landweg nur im Winter reisen können, denn bisher führte lediglich eine meterdicke Eisstraße über den Mackenzie River und den Arktischen Ozean bis nach Tuktoyaktuk am Ufer der Beaufort Sea. Jedes Jahr im Frühjahr brach diese Lebensader jedoch jäh durch einsetzendes Tauwetter weg, so dass die rund 800 Bewohner der kleinen Gemeinde im Sommer bislang auf den Transportweg per Flugzeug angewiesen waren. Doch seit November 2017 ist alles anders! Nach fast vierjähriger Bauzeit wurde eine neue Allwetterstraße eröffnet, die als Verlängerung des Dempster Highways auf 138 Kilometern von Inuvik nach Tuktoyaktuk an die Nordküste Kanadas führt. Es ist die erste ganzjährig befahrbare Straße zum Arktischen Ozean und damit die erste, die Kanadas Küsten auf dem Landweg miteinander verbindet!

Entspannt mit dem Camper durch die Northwest Territories

Die neue (noch namenlose) Straße wird das Leben der Menschen in "Tuk" maßgeblich verändern: Neben günstigeren Preisen für Lebensmittel und größerer Reiseflexibilität freut man sich dort fortan natürlich auch auf jede Menge Besucher, die die arktische Region im Norden der Northwest Territories erkunden möchten. Weitere Informationen: www.spectacularnwt.de.

Neu und noch namenlos: die erste Verbindung von Kanadas Küsten auf dem Landweg

Saskatchewan: Westernreiten unterm Sternenhimmel

Idyllisch und völlig abgeschieden liegt die La Reata Ranch im Südwesten der Prärieprovinz Saskatchewan in den Rolling River Hills, wo sich der Saskatchewan River zum Lake Diefenbaker weitet.

Ausritt in der traumhaften Umgebung der La Reata Ranch

Auf 2.000 Hektar Land leben hier rund 200 Rinder und Kälber, 20 Pferde und George, der Cowboy aus Mülheim. Vor rund 20 Jahren hat der ehemalige Landschaftsgärtner die Ranch am Ufer des Stausees gekauft und sich hier einen Lebenstraum erfüllt.

Freundliche Cowgirls winkten mich bei meiner Ankunft auf der La Reata Ranch heran und zeigten mir meine gemütliche Western Cabin. Hier würde ich mich wohlfühlen! Schnell lernte ich beim gemeinsamen Abendessen die anderen Ranch-Bewohner kennen, darunter George - mit seinem Cowboyhut, Boots und Karohemd ein waschechter Prärie-Cowboy! Am nächsten Morgen suchte er jedem Gast einen passenden Vierbeiner aus, egal ob Anfänger oder erfahrener Reiter. Die Ausritte durch die offene Prärielandschaft, über die hügeligen River Hills und die sanft abfallenden Sandstrände des Lake Diefenbaker waren eine neue Erfahrung für mich. Ich galoppierte durch das kniehohe Gras und die endlose Landschaft. Einen Weg gab es nicht, George gab lediglich die grobe Richtung vor. Nur ich, das Pferd und die grenzenlose Weite der Prärie. Freiheit pur!

Stilecht: Lagerfeuer auf der La Reata Ranch

Die täglichen Ausritte dienen der Kontrolle des Viehbestands. Georges Rinder bewegen sich im Sommer frei auf 20 Quadratkilometern. Da kann es schon etwas dauern, bis man sie findet! An diesem Tag suchten wir ein verletztes Tier. Geschickt teilte George die Herde auf und schaffte es in wenigen Minuten, das Tier von der Gruppe zu trennen. Jetzt waren wir dran: Gemeinsam trieben wir das verletzte Rind zur Ranch. Ich fühlte mich wie ein richtiger Cowboy! Schnell merkte ich, wie schön es ist, nach dem Lunch ein Nickerchen im weichen Präriegras zu machen. Cowboyhut tief im Gesicht und in der Sonne dösen. Abends begann es manchmal schon zu dämmern, wenn wir zurück zur Ranch ritten. Der Mond zeichnete sich am wolkenlosen Himmel ab und es fiel schwerer, die Umgebung zu erkennen. Doch die Pferde wussten genau, wo sie hintraten. Ich fühlte mich sicher, sauwohl und ließ die Stimmung und den funkelnden Sternenhimmel Saskatchewans auf mich wirken.

Vom deutschen Landschaftsgärtner zum kanadischen Rancher: George Gabert

Doch La Reata hatte noch mehr zu bieten! Über 14 km Seeufer gehören zur Ranch, Badestrände und Wassersport inklusive! Im La Reata Saloon trafen sich am Abend Gäste und Nachbarn der Ranch zu geselligen Stunden und so mancher Cowboy-Geschichte, bevor meine erlebnisreichen Tage bei einem knisternden Lagerfeuer und Country Music ausklangen. Weitere Informationen: www.tourismsaskatchewan.com/deutsch.

Manitoba: Sommer-Safari in der arktischen Tundra

Für jeden, der das Abenteuer sucht und sich gerne abseits ausgetretener Pfade bewegt, bietet die Provinz Manitoba in Kanadas Mitte einzigartige Möglichkeiten!

Einzigartiges Naturschauspiel: Beluga-Wale in der Hudson Bay

In kaum einer anderen Region kann man wilde Tiere besser in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. So zum Beispiel in Churchill, einem einsamen Außenposten am Ufer der Hudson Bay hoch oben im Norden Manitobas.

Ein alter Schulbus wartete in Churchill auf mich. Mein Airport-Shuttle. Freundlich begrüßte mich Fahrer Colin mit einem Gewehr in der Hand. "Nur zu unserer Sicherheit", grinste er. Nach Ankunft in der urig-gemütlichen Lazy Bear Lodge ging mein Programm auch schon los. Trotz Windstille fielen mir schnell unzählige Schaumkronen auf dem Wasser der Hudson Bay auf. Von wegen Wellenkämme, das waren Belugas! Rund 5.000 dieser freundlichen Meeressäuger kommen im Juli und August in die Flussmündungen von Churchill River und Seal River, um hier ihre Jungen zur Welt zu bringen. Besucher können die verspielten Weißwale auf verschiedenste Arten beobachten: Bei einer Schiffstour lauscht man dem Gezwitscher der Belugas über Wassermikrofone. Etwas näher kommt man den freundlichen Tieren bei einer Paddeltour im Kajak.

Urig und gemütlich: die Lazy Bear Lodge

Mein Highlight war jedoch das Schnorcheln mit den Walen! Im warmen Neoprenanzug ließ ich mich durch das drei Grad kalte Wasser ziehen. Immer wieder begleiteten mich große Walschulen! Auf der Rückfahrt im Motorboot folgte das nächste Highlight: Zwei schneeweiße Fellköpfe auf den Felsen vor uns. Eisbären, die gerade ein Erfrischungsbad genommen hatten. Pudelnass standen sie vor uns, im warmen Rot der sinkenden Polarsonne. Mein Abenteuer in Churchill war damit aber noch nicht vorbei. Mit dem Buschflugzeug ging es zur völlig abgelegenen Seal River Heritage Lodge - ein imposantes Gebäude im Niemandsland der Tundra. Aus dem Flieger sah ich hunderte, nein tausende von Walen! Auf der nachfolgenden ATV-Exkursion erhob sich plötzlich - nur etwa 150 Meter vor uns - ein mächtiger Eisbär aus dem kniehohen Gras. Langsam näherten wir uns dem imposanten Tier, das uns kaum beachtete. Majestätisch saß er schließlich nur knapp 50 Meter vor uns. Auf Augenhöhe. Vor der Kulisse der blühenden Weidenröschen. Ich war einfach nur still. Sprachlos. Glücklich.

Neugieriger Besucher vor der Seal River Heritage Lodge

Am Tag der Abreise drehte ich mich am Rollfeld um zu Colin: "Don't forget your gun! There are bears around here." Colin lachte und winkte mir zum Abschied. Toller Ort, tolle Leute. Churchill, ich komme wieder. Ich hab's meinen weißen Freunden versprochen. Weitere Informationen: www.travelmanitoba.com und www.sktouristik.de

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