POLITIK
05/12/2017 14:38 CET | Aktualisiert 05/12/2017 15:12 CET

Hamburg wollte 1000 Flüchtlingen zur Ausbildung verhelfen - nur 20 bekamen am Ende eine

Kai Pfaffenbach / Reuters
Hamburg wollte 1000 Flüchtlingen zur Ausbildung verhelfen - am Ende waren es nur 20

  • Die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt gestaltet sich schwieriger als gedacht

  • Ein Beispiel aus Hamburg zeigt die Herausforderungen

Es war eine große Hoffnung der Wirtschaft zu Beginn der Flüchtlingskrise: Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan sollten als Fachkräfte in Unternehmen anfangen, die ihre Stellen nicht mehr besetzen konnten. Bis 2030 könnten laut einer Studie drei Millionen Jobs unbesetzt sein.

Nach mehr als zwei Jahren haben sich die Hoffnungen der Wirtschaft zumindest teilweise nicht erfüllt.

Flüchtlingen fällt es nach wie vor schwer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Behörden erschweren es etwa Afghanen, eine Arbeitserlaubnis zu erhalten.

Auch Unternehmen beschweren sich über unnötige Auflagen.

Projekt stellt sich zwei Jahre nach dem Start als Fiasko heraus

Wie gewaltig die Herausforderungen sind, lässt sich unter anderem in Hamburg beobachten.

Die "Welt" berichtet über ein Programm des Senats der Stadt, über das Flüchtlinge unter anderem Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz erhalten sollen. Es heißt "Work and Integration for Refugees", kurz "W.I.R.".

Nicht ohne Grund: Jedes zweite Unternehmen in der Hansestadt kann offene Stellen laut der Handelskammer nicht langfristig besetzen. Dem gegenüber stehen mehr als 37.000 erwerbsfähige Flüchtlinge, berichtet die "Welt".

Doch das Projekt stellt sich zwei Jahre nach dem Start als Fiasko heraus. Bei einer Stichprobe von rund 1.000 Flüchtlingen, die an dem Programm teilnahmen, landeten nur 20 in einer Ausbildung.

Kein Wunder, dass die Kritik an dem Programm groß ist.

Die Bilanz "ist ernüchternd, denn die Erfolge bei der Arbeitsmarktintegration bleiben aus", sagt die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP, Jennyfer Dutschke, der "Welt". Das Projekt koste den Hamburger Steuerzahler Millionen.

Dass Integration auf dem Arbeitsmarkt auch erfolgreich sein kann, zeigt sich etwa in Bayern

"Hier ist dringend ein Umsteuern erforderlich. W.I.R. ist vor allem bürokratisch, personalintensiv und teuer", schimpft Dutschke.

Einen Hauptgrund sieht die FDP bei den Sprachkenntnissen der Teilnehmer.

So sollten vor allem Flüchtlinge von dem Programm in den Fokus genommen werden, die Sprachkurse auf dem Niveau B2 vorweisen können und deren Asylverfahren positiv abgeschlossen ist.

"Durch die Förderung spezifischer Sprachkenntnisse und mithilfe von Mentoren wollen wir die notwendige Unterstützung gewährleisten", sagte die Integrationspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion in Hamburg, Christel Nicolaysen, der "Welt".

Sie fordert Mentoren für das Programm und eine spezifische Sprachförderung.

Dass die Integration auf dem Arbeitsmarkt von Flüchtlingen auch erfolgreich sein kann, zeigt sich etwa in Bayern.

Im November zogen dort Wirtschaftsverbände und Regierung eine Halbszeitbilanz der Initiative "Integration durch Arbeit".

7.000 Flüchtlinge haben in Bayern bereits eine Ausbildung begonnen, 120.000 gehen einem Job nach.

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(ben)

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