WIRTSCHAFT
04/12/2017 18:11 CET | Aktualisiert 05/12/2017 09:25 CET

Das solltet ihr im Bewerbungsgespräch nie antworten, wenn ihr nach Schwächen gefragt werdet

  • Die Frage nach Schwächen ist eine der typischen Situationen in Job-Interviews

  • Doch viele Tipps, die in Ratgebern stehen, können euch die neue Stelle kosten

  • Oben im Video: Experte rät: Diese zwei Worte solltet ihr in Gehaltsverhandlungen niemals sagen

Es ist eine der typischen Fragen, die Kandidaten in einem Bewerbungsgespräch zu hören bekommen: “Was sind Ihre Schwächen?”

Natürlich: Die Frage ist abgedroschen und wohl kaum mehr zeitgemäß. Ihr werdet nicht darum herumkommen, sie trotzdem zu beantworten.

Aber wie?

Die Frage hat großes Potenzial, zur Stolperfalle zu werden.

"Ich kann es nicht mehr hören, wenn jemand Perfektionismus, Ungeduld und Schokolade als Schwäche nennt”, sagt Personalberater Markus Böhler im Gespräch mit der HuffPost.

Das sind die typischen Antworten, die Bewerberratgeber auf die Schwäche-Frage empfehlen. Und davon könne man ohnehin das meiste vergessen, sagt Böhler. Zumindest sollten Bewerber die Tipps nicht einfach so naiv anwenden.

Eine Stärke im Schwächekostüm

Wer Schokolade als Schwäche nennt, wolle zu gezwungen lustig sein - denn es sollte klar sein, dass gerne Schokolade essen den Arbeitsalltag wohl kaum betreffen sollte.

Perfektionismus ist laut Böhler eine Stärke im Schwächekostüm. Und auch, wer Ungeduld als Schwäche nennt, zeigt, dass er nicht bereit ist, eine wahre Schwäche zuzugeben. Denn Ungeduld soll Ehrgeiz und schnelles Arbeiten zeigen.

Überhaupt: Die meisten Bewerber geben keine echten Schwächen an, wenn sie nach ihnen gefragt werden. "Ich bin zu fair" oder "ich bin zu nett" zum Beispiel.

Laut einer Studie der Harvard University tun genau das allerdings 77 Prozent der Bewerber.

Nur 23 Prozent der Bewerber gaben in der Studie echte Schwächen zu. Und das zahlt sich offenbar aus. Denn als die Forscher Personaler befragten, welche Kandidaten sie eher einstellen würden, wählten 80 Prozent die Bewerber, die die echten Schwächen zugegeben hatten.

Schwäche gepaart mit Lösungsansatz

Denn: Selbstkritik kommt weitaus besser an als Selbstüberschätzung.

Laut Forschern des University College of London hat der Bewerber, der zur Selbstkritik fähig ist, sogar fünf Mal bessere Chancen auf einen Job als jemand, der seine Schwächen verschleiert.

Mehr zum Thema: Wenn euch ein Headhunter anspricht, solltet ihr einen Satz auf gar keinen Fall sagen

Also: Anstatt im nächsten Bewerbungsgespräch auf Tipps von veralteten Bewerberratgebern zu hören, solltet ihr lieber eine echte Schwäche zugeben. Am besten ihr kombiniert die Schwäche sofort mit einem konstruktiven Lösungsansatz.

Ihr sagt also dem Personaler, wie ihr versucht, diese Schwäche in den Griff zu bekommen. Das zeigt, dass ihr reflektiert seid, euch nicht überschätzt und ständig bereit seid, an euch zu arbeiten.

Und das kommt sicher besser an, als wenn ihr sagt, dass eure einzige Schwäche ist, dass ihr gerne Schokolade nascht.

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(lk)

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