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04/12/2017 12:05 CET | Aktualisiert 05/12/2017 16:23 CET

"Der Mann ist der Chef!" - Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor kritisiert das Rollenbild junger Flüchtlinge

dpa
"Der Mann ist der Chef!" - Lamya Kaddor kritisiert das Rollenbild junger Flüchtlinge

  • Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor kritisiert ein veraltetes Rollenverständnis bei jungen Flüchtlingen

  • Sie nennt es den "Problemfall unbegleitete minderjährige Flüchtlinge"

  • Gleichzeitig handele es sich dabei aber nicht um ein Massenphänomen

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor kritisierte in ihrer Kolumne auf dem Portal "T-Online" die veralteten Rollenbilder, die unter unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen vorherrschen. Besonders bei der Fragen, wer in der Familie das Sagen hat und wie Männer und Frauen miteinander umgehen, gibt es laut Kaddor noch viel Handlungsbedarf.

Damit ein Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen in Zukunft möglich ist, müsse man an diesem veralteten Rollenverständnis arbeiten, so Kaddor. In ihrem Islamismus-Präventionskurs, den sie mit der Kölner Imamin Rabeya Müller anbietet, diskutiert sie mit Jugendlichen über den Islam und den Koran. Dabei komme es immer wieder zu kontroversen Debatten.

Kaddor sieht darin eine problematische Einstellung

Nach Kaddors Bericht zufolge sagte ein junger Flüchtling, dass er nach der Hochzeit der Chef zuhause sei. Das sei bei ihnen eben so. Die Frau müsse zuhause bleiben und dürfe nicht arbeiten.

In ihrer Kolumne schrieb Kaddor dazu, dass es sich dabei zwar nicht um ein Massenphänomen handelt, wie Hetzer gerne in den Sozialen Medien darstellen, es gebe aber einen "Problemfall unbegleitete minderjährige Flüchtlinge", vor dem man nicht die Augen verschließen dürfe.

Mehr zum Thema: Unser altes Rollenbild von Vater-Mutter-Kind spiegelt nicht mehr die heutigen Lebensrealitäten wider

Dass aber nicht der Islam selbst der Auslöser für diese Rollenbilder ist, zeigt eine Untersuchung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Dabei wurden über 3000 Menschen befragt: Sowohl Muslime und Christen mit Migrationshintergrund, als auch Personen, die in Deutschland geboren sind.

Die Verfasserinnen der Studie, die Forscherin Inna Becher und die Islamexpertin Yasemin El-Menouar, stellten fest, dass es eher von der Bildung abhängt, ob eine Frau selbstbestimmt lebt. Ob sie Muslimin oder Christin ist, sei laut der Untersuchung zweitrangig.

Die Intensität ist ein größerer Faktor als die Religion selbst

Außerdem hängt das traditionelle Rollenbild der Frau und des Mannes stark mit der Intensität der religiösen Praxis zusammen. Das trifft sowohl auf Christen als auch auf Muslime zu. So schreiben Becher und El-Menouar in der Studie:

“Wenn religiöse Vorschriften eine wichtige Rolle im Alltag spielen, werden bspw. die Bereiche Haushalt und Familie häufiger den Frauen zugeordnet. Weniger religiöse Personen haben sich stärker von klassischen geschlechtsspezifischen Rollen abgelöst bzw. liberalisiert.”

Entsprechend ist es dann häufiger akzeptiert, wenn Frauen eine berufliche Karriere einschlagen.

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

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(tb)

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